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Der Prignitzer

18. Dezember 2017 | 14:08 Uhr

Axo-Prozess: Heiko M. droht Haft

vom

svz.de von
erstellt am 22.Dez.2011 | 10:20 Uhr

Wittenberge/Neuruppin | Gestern am 19. Verhandlungstag vor dem Landgericht Neuruppin hielt der Staatsanwalt sein Plädoyer. Für ihn haben sich Brigitte und Heiko M. aus Wittenberge unter anderem wegen Untreue schuldig gemacht. Er beantragte für Brigitte M. eine Bewährungsstrafe. Ihr Sohn dagegen soll ins Gefängnis.

"Sie wollten sich persönlich bereichern", warf gestern der Staatsanwalt den beiden Angeklagten vor. Sie hätten systematisch der im baden-württembergischen ansässigen Firma Axo-Automotive Geld entzogen - und dadurch letztlich deren Pleite herbeigeführt. Die Automotive war eine Tochterfirma der Axo-Group in Wittenberge, für die Heiko M. maßgeblich verantwortlich gewesen sein soll. Seine Mutter war ab Oktober 2002 bis zum Verkauf der Axo-Automotive im August 2003 deren Geschäftsführerin.

Vier Monate bereits abgezogen

Wegen Untreue, Bankrotts, versuchten Betruges und Urkundenfälschung beantragte der Anklagevertreter für Heiko M. eine Gesamtstrafe von zweieinhalb Jahren. Das heißt, geht es nach dem Staatsanwalt, wird Heiko M. ins Gefängnis gehen müssen. Seine Mutter kam besser davon. Für sie forderte der Staatsanwalt eine Strafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung.

Bei beiden zog er wegen der langen Verfahrensdauer vier Monate ab. Sie gelten als vollstreckt. Zudem soll Brigitte M. 3000 Euro an die Staatskasse zahlen.

"Die Krise kam nicht vom Himmel. Die Firma sollte von den Angeklagten in den Ruin geführt werden", sagte der Staatsanwalt gestern. Vieles hätte daraufhin gedeutet, dass die Axo-Automotive in Zahlungsschwierigkeiten gesteckt hätte.

Dafür würden unter anderem Mietrückstände für die Produktionshalle, nicht gezahlte Urlaubsgelder und ausstehende Finanzamtsforderungen sprechen, so der Staatsanwalt. Heiko M. habe entschieden, der Tochterfirma nicht aus der Patsche zu helfen, sondern sie auszuplündern und dann das illiquide Unternehmen an einen zweifelhaften Käufer, die Salida, zu veräußern. Bei dieser handelt es sich aus Sicht der Staatsanwaltschaft um einen "professionellen Begleiter von Insolvenzstraftätern".

Es sei eine reine Schutzbehauptung des Angeklagten, dass erst die Salida die Pleite herbeigeführt habe. Unter anderem wurde Geld aus der Firmenkasse genommen - deklariert als Bonuszahlung für Geschäftsführerin Brigitte M. Das wäre im Geschäftsführeranstellungsvertrag nicht vorgesehen gewesen, eben so wenig wie eine Abfindung in Höhe von 18 000 Euro.

Heiko M. habe sich als faktischer Geschäftsführer die Vertragsverhandlungen mit dem Hauptkunden der Axo-Automotive mit 31500 Euro honorieren lassen. "Die Verhandlungen waren ein Fiasko", so der Staatsanwalt. Sie führten letztlich zur Kündigung des Vertragsverhältnisses. Der Staatsanwalt bezifferte den aufgelaufenen Gesamtschaden auf rund 600 000 Euro. "Heiko M. war der Macher", sagte er. Seine Mutter sei nicht federführend gewesen, sondern hätte die Anordnungen ihres Sohnes ausgeführt. "Betrüger produzieren eine Lüge nach der anderen, sind aber in der Feinarbeit schlampig", sagte der Staatsanwalt. So hätten sie anhand von Unterlagen so manches Kriminelle aufdecken können.

Am 6. Januar wollen die Verteidiger plädieren.

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