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Gerichtsbericht : Axo-Chefs: Schuld sind die anderen

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Verantwortliche suchen Grund für Pleite bei Staatsanwaltschaft und Presse

von
erstellt am 30.Mai.2014 | 10:00 Uhr

Der Fall: Am Mittwoch wurden erste Zeugen im so genannten Axo-Verfahren vor dem Landgericht Neuruppin gehört.

Während sich das ehemalige Vorstandsmitglied der Axo-Group in Wittenberge, Wolfgang D., am Mittwoch nur sehr zurückhaltend zu seinem einstigen Arbeitgeber äußerte, war Ex-Aufsichtsratsmitglied Jürgen G. voll des Lobes, insbesondere über Heiko M. Der 41-Jährige muss sich gemeinsam mit seinem Bruder Ingo, seinem Schwiegervater Klaus G. und seinem Schwager Gordon G. wegen Steuerhinterziehung und Fördermittelbetruges vor dem Landgericht Neuruppin verantworten.

Aus Sicht von Jürgen G. hatte Heiko M. das „Zeug zu einer Führungspersönlichkeit“. Kennengelernt hatte Jürgen G. den Jungunternehmer über dessen Schwiegervater Klaus G. Dieser holte den ehemaligen Direktor der Wittenberger Zellstoffwerke 2003 in den Aufsichtsrat der Axo-Firmengruppe. Der habe gewollt, dass die Firma erhalten bleibt, sagte der 77-Jährige vor Gericht. Deshalb habe der Aufsichtsrat Ende 2005 an die Staatsanwaltschaft geschrieben. Die hatte bei einer Durchsuchung im März 2003 sämtliche Geschäftsunterlagen beschlagnahmt. „2120 Ordner“, so Heiko M. Der Zustand für das Unternehmen sei unerträglich gewesen, so Jürgen G. Die Auftragslage sei gut gewesen. Doch wegen der fehlenden Unterlagen hätten sie keinen Jahresabschluss machen können, Banken hätten ihnen keine Kredite mehr gewährt.

An der Entwicklung gab Jürgen G. auch der Presse eine Mitschuld. Die habe Gerüchte verbreitet, dass die Firma pleite sei. Damit tönte er in dasselbe Horn wie die Verteidigung, die „eine öffentliche Bloßstellung in der Presse“ bereits 2004 kritisierte. Bis heute gebe es 232 Presseartikel über ihn und seine Familie, so Heiko M. Aber auch die Staatsanwaltschaft bekam wieder ihr Fett weg. Er habe über ein Jahr versucht, die Firmenunterlagen wieder zu bekommen. Die würde die Staatsanwaltschaft bis heute nicht freigeben, „obwohl diese entlastendes Material enthalten“ würden. Zudem habe ihn Staatsanwalt Meier, als er sich in Amerika eine Existenz aufgebaut habe, am Telefon gesagt. „Sie Früchtchen, Sie kommen mal zurück.“ Der Angesprochene schüttelte nur den Kopf.

Am Mittwoch wird weiter verhandelt.



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