Axel Franke sagt Nein

<fettakgl>Axel Franke stellte</fettakgl> sich Donnerstagabend vor. In Plattenburg arbeitet er seit Jahren ehrenamtlich  als Gemeindevertreter.
Axel Franke stellte sich Donnerstagabend vor. In Plattenburg arbeitet er seit Jahren ehrenamtlich als Gemeindevertreter.

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22. Juni 2012, 06:00 Uhr

Perleberg | Kann man mit einer Stasi-Vergangenheit - welcher auch immer - für ein öffentliches Amt kandidieren? Die Diskussion darum flammt immer wieder auf, nicht erst seit den jüngsten Auseinandersetzungen um den Bürgermeisterposten Fred Fischers in Perleberg - aber seither im Speziellen. In der Gesamtmitgliederversammlung der Partei "Die Linke" am Donnerstagabend in Perleberg schieden sich genau an diesem Dissens die Geister. Der Grund: Axel Franke aus Glöwen stellte sich als Kandidat für das Bürgermeisteramt der Gemeinde Plattenburg zur Verfügung. Für die Wahl am 23. September gibt es derzeit mit Anja Kramer, Jürgen Beinio und Eberhardt Pietsch (jeweils Einzelkandidaten) sowie Andreas von Freymann (CDU) vier Bewerber.

Da die Linke in Plattenburg keinen Gemeindeverband hat, entscheidet der Kreisverband über die Aufstellung. Als Axel Franke sich im Saal des Hotels "Stadt Magdeburg" dem Auditorium vorstellte, redete er nicht lange um den heißen Brei: "Ich war 13 Jahre lang Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit." Allerdings, so Franke, sei er zu keiner Zeit operativ tätig gewesen. Als Berufssoldat habe er fast ausschließlich im rückwärtigen Dienst gearbeitet, zuletzt als Heizer in einer Dienststelle bei Glöwen. Diesen Job übte er später im Auftrag der Gemeinde weiter aus. Anfang Juni dieses Jahres stellte der 54-Jährige bei der Jahn-Behörde den Antrag auf Akteneinsicht. "Ich werde Kopien meiner Unterlagen fertigen lassen und alles offen legen. Jeder, der es möchte, kann die Akten einsehen", ergänzte Axel Franke. Und auch, dass er aus seiner Vergangenheit zu keinem Zeitpunkt je ein Geheimnis gemacht habe. "Allerdings habe ich auch keine Lust, mir ein Schild um den Hals zu hängen", umschrieb Axel Franke seine Situation.

Das überzeugte nicht jeden Genossen. Die Meinungen in der Diskussion klafften weit auseinander, reichten von "jemand mit so einer Vergangenheit hat nichts auf der Position zu suchen" bis zu "geh’ diesen Schritt, wir müssen das aushalten". Auf eine emotionale Diskussion folgte das geheime Votum. 47 gültige Stimmen wurden abgegeben, 26 Parteimitglieder stimmten mit Ja, 17 mit Nein. Mit 55,5 Prozent wurde Axel Franke als Bürgermeisterkandidat der Linken bestätigt.

Der Glöwener jedoch nahm die Wahl nicht an. Das sei keinesfalls der Rückhalt, den er sich vorgestellt habe, begründete Franke seine Entscheidung, die die Mehrheit der Anwesenden überraschte und die dennoch mit zögerlichem Applaus bedacht wurde. "Es wäre schade, wenn du beschädigt aus der Sache herausgehen würdest", hatte zuvor Hartmut Winkelmann aus Pritzwalk warnend gegenüber Axel Franke geäußert. Winkelmann kandidierte selbst zweimal für das Bürgermeisteramt in Pritzwalk. Zumindest das wird dem Glöwener erspart bleiben.

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