Wittenberge : Australier feierten deutsche Weihnachten

Die Australier Geoffrey und Marina Hirst mit ihren Kindern Alexia und Katya (l.) feiern gemeinsam mit Steffen und Katharina Gitter sowie den Kindern Erik und Solvey Weihnachten.
Die Australier Geoffrey und Marina Hirst mit ihren Kindern Alexia und Katya (l.) feiern gemeinsam mit Steffen und Katharina Gitter sowie den Kindern Erik und Solvey Weihnachten.

Familie aus Australien besucht Verwandte in Wittenberge. Kinder erleben das erste echte deutsche Weihnachtsfest.

23-11368050_23-66107917_1416392348.JPG von
27. Dezember 2017, 04:50 Uhr

Sehnsuchtsvoll geht der Blick zum Himmel. Aber der Wunsch bleibt unerfüllt. Keine Schneeflocke rieselt herab. Sie haben auf Sonne und Beachparty verzichtet, haben die Shorts im Schrank gelassen, stattdessen die wärmsten Sachen eingepackt, die sie finden konnten.

Geoffrey und Marina Hirst sind mit ihren Kindern Alexia und Katya um die Welt geflogen, um einmal das deutsche Weihnachtsfest zu feiern. Sie leben in Australien, in Brisbane. Gestern waren es dort 29 Grad, in Wittenberge vier.

Räuchermännchen, Pyramide, Schneeball. Diese deutschen Worte hat Geoffrey in der ersten Woche gelernt. „Wir waren auf dem Striezelmarkt in Dresden und haben uns München angeschaut“, sagt Marina Hirst, deren Eltern aus Annaberg-Buchholz im Erzgebirge stammen. Auch dort sind sie gewesen und hatten sogar ein wenig Schnee. Die geschnitzten Dekorationen haben sie fasziniert, besonders die filigranen Schwibbögen.
Heiligabend sind sie mit dem Zug in Wittenberge angekommen. „Marina ist meine Großcousine“, sagt Steffen Gitter. 17 Jahre haben sie sich nicht gesehen, die Kindern kennen sich nicht. Es gibt so viel zu erzählen, es werden so viele Bilder gezeigt und Erlebnisse ausgetauscht.
Durch Marinas deutsche Wurzeln sind ihnen die hiesigen Weihnachtsbräuche vertraut. Es sei aber ein Unterschied, das Fest hier zu feiern oder eine deutsche Weihnacht in Australien . „Bei uns gibt es keine Lichterketten und kein Lametta. Rote Kerzen finden wir mit Glück bei Ikea“, erzählt Marina Hirst.
Fast alle Australier haben einen künstlichen Baum. Echte Bäume gibt es zwar, aber sie seien mit rund 100 Euro recht teuer. Es sind auch keine Tannen, sondern Pinien. Bei ihnen steht ein echter Baum im Wohnzimmer. „Wir nehmen sogar echte Kerzen, auch wenn ständig die Klimaanlage läuft, weil es so heiß ist.“
Geschenke gibt es im jährlichen Wechsel mal zu Heiligabend, mal am Morgen des erstens Feiertages. „Geoffrey ist gebürtiger Brite“, erklärt Marina Hirst und weil er mit seiner Familie lange Zeit in Kapstadt gelebt hatte, hat ihr gemeinsames Weihnachtsfest auch eine südafrikanische Note. Sie müssen selbst lachen, wenn sie aus ihrer bunten Biographie erzählen und beiläufig erwähnen, dass jeder von ihnen aufgrund seiner Staatsangehörigkeiten zwei bis drei verschiedene Reisepässe besitzt.
Nach dem Trubel in Dresden und München, nach all den Sehenswürdigkeiten und Menschenmassen genießen sie in Wittenberge das beschauliche Leben einer deutschen Kleinstadt. Uhrenturm im Veritaspark, Ölmühle und Jahnschulviertel stehen auf dem Programm.

Der Spaziergang führt an der Elbe und an den Hochwassermarken im Nedwighafen vorbei. Alexia und Katya wollen wissen, welche gefährlichen Tieren im Fluss leben. Bei ihnen gibt es im Brisbane-River Haie und in vielen anderen australischen Flüssen leben Krokodile. Die Antwort klingt beruhigend, aber beim Hinweis, dass man in der Elbe baden könne, bleibt dann doch eine gewisse Skepsis.
Abends sitzen sie bei einer Feuerzangenbowle vor dem bunt geschmückten Baum, spielen Kniffel oder Uno. Kulinarisch servieren die Gastgeber Klassiker wie Ente und Stollen. Die große Überraschung aber ist der Raclette-Abend. „Das kannten wir noch gar nicht“, sagt Geoffrey.
Wenn sie morgen über Berlin die Rückreise nach Down Under antreten, wird es Wochen dauern, alle Eindrücke zu verarbeiten. Da bleibt die Frage, wie ihre Traum-Weihnacht 2018 aussehen sollte: „Am Morgen des 25. gehen wir in die Kirche, danach packen wir die Geschenke aus und essen Mittag. Nachmittags spielen wir mit Freunden Cricket“, sagt Geoffrey.
Marinas Wunschweihnacht würde so aussehen: „Heiligabend darf es tagsüber sehr warm sein, aber abends beim Kirchgang müssten die Flocken wirbeln. Zurück im weihnachtlich geschmücktem Haus lassen wir das Jahr Revue passieren, die Kinder machen Musik. Dann packen wir unsere Geschenke aus, essen gemeinsam Abendbrot.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen