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Museum Perleberg : Ausstellung erhielt Gesichter

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Nachfahren des Perleberger Kommunisten Max Theiß kamen ins Stadt- und Regionalmuseum / Erinnerungen wurden lebendig

von
erstellt am 05.Apr.2016 | 05:00 Uhr

Viele Perleberger werden sich noch daran erinnern: Die heutige Friedrich-Gedike-Oberschule trug bis kurz nach der Wende einen anderen Namen, nämlich den von Max Theiß. Das Schicksal des Perlebergers steht derzeit im Fokus der Wanderausstellung der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten „Terror in der Provinz Brandenburg. Frühe Konzentrationslager 1933/ 34: … Alt Daber, Havelberg und Perleberg“, die noch bis 10. April im Stadt- und Regionalmuseum zu sehen ist.

Die Schau dokumentiert die eng mit den Ereignissen in der Reichshauptstadt Berlin verknüpfte „Machtergreifung“ in der Provinz Brandenburg, wo der Terror gegen die politischen Gegner des NS-Regimes bereits mit dem 30. Januar 1933 begann. An diesem Tag wurde in Perleberg das Stadtparlament aufgelöst und Gegner der Nationalsozialisten verhaftet, so auch in der Nacht vom 10. zum 11. Mai der Kommunist Max Theiß (1902-1974) und weitere 25 Männer, darunter zahlreiche Anhänger der KPD und SPD.

Max Theiß’ Urenkelin Juliane Doehler aus Dresden ist eine junge Frau mit sehr viel Familiensinn – das gilt auch für die anderen Nachfahren des Perlebergers. „Ich denke oft darüber nach, habe meine Uroma, Hildegard Theiß, ja auch noch live erlebt“, erzählt sie. Dass sie den Namen des Urgroßvaters als Suchbegriff ins Internet eingibt, komme hin und wieder vor – dieses Mal stieß sie auf die aktuelle Ausstellung der Heimatstadt von Max Theiß. Für die Familie war sogleich klar, dass sie natürlich im Museum vorbeischaut. Und das tat sie am Sonntagnachmittag.

Sehr zur Freude auch von Museumsleiter Frank Riedel. „Wenn sich zu einer Ausstellung zur Zeitgeschichte auch noch Zeitzeugen einfinden, dann bekommt das Ganze ein Gesicht und wird außerdem sehr lebendig“, sagt Riedel. Lebendig ist Max Theiß tatsächlich in der Erinnerung der Verwandten. Tochter Annemarie Bergmann (Töplitz/bei Werder) oder auch Enkel Peter Theiß, der bei Max und Hildegard aufwuchs, wissen noch viele Details, haben ein genaues Bild von Max Theiß vor Augen, wenn sie ins Erzählen kommen. Er sei ein Mann gewesen, der sich nicht verbiegen ließ, stets zu seinen Überzeugungen und Werten stand und sich selbst treu blieb. Als „sehr verschlossen, aber sehr aufrichtig, fleißig und technisch findig“ wird Theiß im Entlass-Zeugnis nach der dreimonatigen Inhaftierung in Perleberg beschrieben. Der Eisenbahner und Werkzeug-Schlossermeister arbeitete seinerzeit im Raw Perleberg, ging später auch einer Tätigkeit in der damaligen SED-Kreisleitung nach. Allerdings nicht für lange Zeit. Juliane Doehler weiß zudem, dass ihr Urgroßvater jemand war, der sich für gute Arbeitsbedingungen einsetzte. „Das scheint sich so ein bisschen wie ein roter Faden durch unsere Familie und die Generationen zu ziehen. Ich zum Beispiel bin auch Mitarbeiter-Vertreterin, engagiere mich auf dieser Strecke“, berichtet die Dresdnerin mit dem Geburtsnamen Theiß.

Bei Kaffee und Gebäck wurde geplaudert und in Erinnerungen gekramt. Frank Riedel hatte Materialien aus dem Stadtarchiv mitgebracht – und Familie Theiß/Bergmann hatte, außer ganz vielen Anekdoten, auch etwas dabei: den Vaterländischen Verdienstorden in Gold , den Max Theiß 1965 erhielt. Der Perleberger verstarb 1974. Die heutige Oberschule wurde 1983, als der Schulneubau fertiggestellt war, nach ihm benannt. Theiß’ Grab befindet sich in Töplitz .



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