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Ausschuss befürchtet: Biogasanlagen contra Tourismus

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erstellt am 10.Jun.2011 | 06:00 Uhr

Wittenberge | Im Gewerbegebiet Süd soll der von der Industriestraße abgehende Abschnitt der Laborstraße kein öffentlicher Weg mehr sein. Die Initiative dafür geht von den Betreibern der Biogasanlage aus, die sich in unmittelbarer Nähe befindet. Horst Jaruczewski, dessen C4 Nawaro GmbH die Betriebsführung in der Hand hat, erklärt den Sinn: "Wir möchten die Lagerfläche für die Biogasanlage erweitern. Benötigen dafür den Platz." Langfristig könne, so Jaruczewski, die Anlage selbst auch noch erweitert werden.

Rings um Wittenberge produzieren bereits 17 Anlagen

Die Mitglieder im städtischen Wirtschaftsausschuss folgen dem Wunsch, die Straße zu entwidmen, erst einmal nicht. In nichtöffentlicher Sitzung entschieden sie in dieser Woche, die Angelegenheit zurückzustellen. Die offizielle Begründung: Es gebe noch Klärungsbedarf.

Bevor sich die Abgeordneten zu der Straße verständigten, hatten sie sich vom Landkreis mit Frank Giese den bei der unteren Naturschutzbehörde für diesen Bereich zuständigen Mitarbeiter eingeladen, wenn auch nicht die Genehmigungsbehörde.

Anhand von Zahlen belegte Giese: Biogasanlage boomen rings um Wittenberge. Im Umkreis von 20 Kilometern rund um die Stadt produzieren derzeit 17 Biogasanlagen, Sachsen-Anhalt ist dabei noch gar nicht berücksichtigt. Im Landkreis gibt es 37 derartige Anlagen, 40 sind genehmigt, acht weitere beantragt.

Welche Mengen an nachwachsenden Rohstoffen Biogasanlage "fressen", verdeutlichte Giese anhand einiger Beispiele und von Vergleichen. So sei ein Hektar Mais notwendig, um 2 kW Leistung zu erzielen. Ein Hektar Gras - und es müsse schon gutes sein - bringt ein Kilowatt an Leistung. Die Biogasanlage in Süd produziert 640 kW. Angesichts dieser Zahlen fragten sich Ausschussmitglieder, wo sollen die Rohstoffe für die Gasproduktion herkommen? Die Sorge ist groß, "dass wir unsere Landschaft nicht nur verspargeln, sondern auch noch vermaisen", wie Ausschussmitglied Torsten Diehn es sagt. Große Gefahren sieht er durch die wie Pilze aus dem Boden schießenden Biogasanlagen "für das zarte Pflänzchen Tourismus, das sich bei uns entwickelt". "Wir beten jeden Tag den Gott des Elberadwegs an", er möge die Prignitz vor weiteren dieser Anlagen verschonen.

Horst Jaruczewski, selbst Mitglied im Wirtschaftsausschuss, warnte davor, sich bei Bewertungen von Bauchgefühlen leiten zu lassen. Sein Vorschlag: "Wir sollten einen kompetenten Fachmann hören."

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