Medizinische Versorgung : Ausreichend Ärzte sind im Dienst

Alles dicht: In der Friedrich-Ebert-Straße ging das gesamte Praxishaus zeitgleich in den Urlaub.
Alles dicht: In der Friedrich-Ebert-Straße ging das gesamte Praxishaus zeitgleich in den Urlaub.

Christian Berndt reagiert auf Kritik einen Patienten zum Thema Urlaubsvertretung

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04. November 2014, 08:00 Uhr

Kein Patient sei in Not, wenn Wittenberger Ärzte im Urlaub sind und ihre Praxen schließen. Mit dieser Aussage reagiert Christian Berndt, Facharzt für Allgemeinmedizin, auf unseren Beitrag „Ärzte im Urlaub, Patienten in Not“ vom vergangenen Sonnabend. Darin hatte ein Patient seine Erfahrungen geschildert, wie er in der vergangenen Woche vergeblich zu mehreren Praxen ging, die teilweise als Vertretung angegeben waren.

Christian Berndt spricht von einer „unfairen Darstellung“ in der Zeitung. Der Patient habe vor seiner verschlossenen Tür in der Dr. Gebauer Straße gestanden. „In unserem Haus war nur meine Praxis geschlossen. Sowohl Doris Pawelzik als auch Dr. Torsten und Dr. Thomas Bock hatten offen“, sagt er.

Dass der Patient bei Doris Pawelzik ein volles Wartezimmer antraf, sei bei Urlaubsvertretungen der Normalfall. „Dann muss man halt etwas mehr Wartezeit einplanen“, so Christian Berndt. In dem geschilderten Fall sei es um ein Asthmaspray gegangen. „Wer nur ein Rezept benötigt, kann dass in der Praxis sagen, muss dann ganz gewiss nicht mit den anderen Patienten warten“, gibt der Allgemeinmediziner einen Tipp.

Helfen würden auch städtische Apotheken, insbesondere bei lebensnotwendigen Medikamenten wie Insulin oder Asthmaspray. „Das geben Apotheken auch schon mal ohne Rezept in Vorleistung aus, wenn der behandelnde Hausarzt im Urlaub ist. Dann genügt es, dieses Rezept nachzureichen.“ Im äußersten Notfall würde auch das Kreiskrankenhaus an den Wochenenden Notfallpatienten mit solchen wichtigen Medikamenten versorgen.

Christian Berndt widerspricht der Aussage, dass es eine fehlende Absprache zwischen den Ärzten gebe. „In unserem Haus in der Gebauer Straße planen wir den Urlaub gemeinsam, jetzt gerade für 2015. Niemals sind alle Praxen in unserem Haus geschlossen.“ Zum Beweis zeigt er auf einen großen Wandkalender, in dem farblich untersetzt erkennbar ist, wann welche Praxis geschlossen hat. Auch mit anderen Ärzten außerhalb des Hauses wie beispielsweise Lutz Dieckmann stimme er sich ab.

Dass es dennoch wie in diesem Fall zu einer falschen Information für die Patienten kam, sei in der Tat ein Fehler, räumt Christian Berndt ein. Kurzfristig hätten sich Änderungen ergeben, so dass nicht jeder von ihm angegebene Vertretungsarzt im Dienst war.

Zugleich bittet er um Verständnis: „Einige der Ärzte haben selbst schulpflichtige Kinder oder ihre Angestellten und deshalb kommt es in den Ferien zu zeitgleichen Praxisschließungen.“ Das dürfe man den Ärzten nicht verwehren.

„Mit Handzetteln informieren wir unsere Patienten Wochen vorher über Urlaubszeiten und auf dem Vertretungsplan steht der Hinweis, in den anderen Praxen zur Sicherheit anzurufen“, so Christian Berndt.

Die Kassenärztliche Vereinigung ist für die ärztliche Versorgung zuständig. Eine Sprecherin hatte bestätigt, dass die Ärzte untereinander die Vertretung regeln, es keine Vorgabe gebe, wie viele Praxen mindestens geöffnet sein müssen.


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