Archäologische Grabungen bei König Hinz : Ausflug in die Tiefe der Geschichte

Im Umfeld des Königsgrabes  hat sich einiges zum Positiven getan. Diesen  Sommer wird hier wieder geforscht.
Im Umfeld des Königsgrabes hat sich einiges zum Positiven getan. Diesen Sommer wird hier wieder geforscht.

Archäologen nehmen im Sommer das Königsgrab Seddin erneut etwas genauer unter die Lupe / Aufschluss zu Datierung und Bautechnik

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06. März 2014, 22:00 Uhr

Die reichste Bestattung des 9. Jahrhunderts v. Chr. im nördlichen Mitteleuropa – sie fand einst bei Seddin statt. Im Bewusstsein der Menschen ist das bronzezeitliche Grab des Königs Hinz tief verankert. Wissenschaftlern liefert es immer wieder Ansatzpunkte für die Forschung.

Das brandenburgische Landesamt für Denkmalpflege wird in diesem Sommer hier erneut mit Grabungen aktiv. Das bestätigte auf „Prignitzer“-Nachfrage Archäologe Jens May. „Vom 21. Juli bis 8. August wollen wir hier drei Wochen am Stück arbeiten“, blickt er voraus. Mit den Grabungen verfolgen die Experten verschiedene Ziele: „Wir erhoffen uns unter anderem weitere Hinweise auf die Konstruktion des Grabes. Woher kam das Material? Wie könnte das Ganze technisch abgelaufen sein?“, erläutert Jens May. Hintergrund: Der Grabhügel ist ein gewaltiges Bauwerk mit einem Durchmesser von rund 62 Metern, errichtet auf einer Fläche von zirka 3000 Quadratmetern. Um die 16 000 Kubikmeter Material wurden einst dafür aufgeschüttet. Bis im 19. Jahrhundert vermehrt Steine herausgeholt worden sind, stellte sich der Hügel noch imposanter als heute und kreisrund dar.

Ferner werden die Archäologen im Inneren des Hügels nach Resten der Verbrennungsstelle suchen. „Dort müsste sich Holzkohle befinden und anhand derer lässt sich die ziemlich genau bestimmen, wann das Begräbnis stattfand“, sagt Jens May. Momentan operiere man nur mit ungefähren zeitlichen Angaben. Aus den bisherigen Holzkohlefunden, die aus einem anderen untersuchten Horizont stammen, leitete man bisher sämtliche Datierungen ab. „Wir würden schon sehr gern verifizieren, ob wir es mit einer Begräbnisstätte aus Ende des 9. Jahrhunderts vor Christus oder aber vielleicht sogar aus Anfang des 9. beziehungsweise aus dem 8. Jahrhundert v. Chr. zu tun haben.“ Die Daten würden benötigt, um das bedeutende Prignitzer Bodendenkmal in den Zeit- und Kulturhorizont nicht nur nördlich, sondern auch südlich der Alpen richtig einordnen zu können. Viele Merkmale des Grabes, wie etwa die Beigabenzusammensetzung und die Art der Ausmalung der Grabkammer, lassen auf intensive Kontakte nach Südeuropa, insbesondere nach Mittelitalien schließen.

Die reichen Beigaben aus dem Grab des Königs Hinz kann man sich im Original übrigens in der Stiftung Stadtmuseum Berlin (Poststraße 13/14) anschauen. Kopien sind u. a. im Stadt- und Regionalmuseum Perleberg und im Schlossmuseum Wolfshagen ausgestellt. Zu einem Vortrag von Jens May über das Königsgrab Seddin, der am 12. März für die Abgeordneten der Groß Pankower Gemeindevertretung sowie für die Ortsbeiräte der Gemeinde angeboten wird, sind auch interessierte Bürger herzlich willkommen. Er findet im Groß Pankower Rathaus statt und beginnt um 18 Uhr.


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