In der Backstube : Ausbildung gegen den Trend

Gila Gräbnitz, hier mit einem Schokopuddingstamm, hat bei Bäcker- und Konditormeister Ulf Grünberg eine Ausbildung begonnen.
Gila Gräbnitz, hier mit einem Schokopuddingstamm, hat bei Bäcker- und Konditormeister Ulf Grünberg eine Ausbildung begonnen.

Gila Gräbnitz will Konditorin werden und ist im Kreis die einzige Bewerberin. Meister Ulf Grünberg führt sie in die süßen Geheimnisse ein

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08. September 2017, 20:45 Uhr

Kaum jemand will noch Bäcker oder Konditor werden. Neben dem Friseurhandwerk führen diese Berufe die Liste der unbeliebtesten Ausbildungen an. Gila Gräbnitz aus Meyenburg stellt sich diesem Trend entgegen. Seit dem 1. August ist sie Auszubildende in der Bäckerei & Konditorei von Ulf Grünberg in Lenzen.

Sie hat die in diesem Jahr einzig ausgelobte Ausbildungsstelle des selten gewordenen Handwerksberufs in der Prignitz angetreten. Für die Ausbildung ist sie extra von Meyenburg nach Lenzen gezogen. Zur Berufsschule fährt sie nach Brandenburg/Havel.

„Ich wollte nicht den ganzen Tag im Büro sitzen, wollte lieber etwas handwerkliches mit Lebensmitteln machen. Ich habe aber festgestellt, dass es nicht unbedingt Koch sein muss“, sagt die 19-Jährige, die nach eigenen Angaben schon immer gern gebacken hat.

Mit abgeschlossenem Abitur hätte Gila eigentlich nur zwei Jahre lernen müssen. „Aber ich habe mich für drei Jahre entschieden. Im ersten Lehrjahr wird ganz viel Grundlagenwissen vermittelt. Das würde mir später für die Prüfungen fehlen“, meint sie.

Für Ulf Grünberg ist Gila Gräbnitz ein Glücksfall. „Sie wollte um jeden Preis Konditorin werden, hat sogar zweimal nachgefragt, ob es mit der Ausbildung klappt“, erzählt der Bäcker- und Konditormeister.

„Gila hat sich bisher sehr gut geschlagen. Wir haben sie ins kalte Wasser geworfen, haben vom ersten Tag an versucht, ihr möglichst viel zu vermitteln. Bei ihr war von Anfang an zu spüren, dass sie lernen will.“

In den letzten Jahren sei es schwierig geworden, Lehrlinge zu finden. „Ganz oft scheitern die jungen Leute schon am Praktikum, weil sie völlig falsche Vorstellungen von unserem Beruf haben“, weiß Ulf Grünberg.

Nicht für Gila Gräbnitz, die sich mit Praktika bei Knut Diete in Wittenberge oder jüngst in Berlin auf ihren Weg in die süße Welt der Cremes und Schokoladen vorbereitete. Und sie sieht sich bei Grünbergs gut aufgehoben. „Am zweiten Tag durfte ich gleich an einer Hochzeitstorte mitarbeiten. Das war schön. Es ist genau das, warum ich die Ausbildung mache.“ Dabei ist der Beruf wahrlich kein Zuckerschlecken. Noch beginnt der Arbeitsalltag für Gila erst um 4.30 Uhr, später um 2 Uhr. Doch die zierliche junge Dame nimmt es mit dem ihr eigenen Humor. „Das stört mich nicht, das ist ja eigentlich ein ganz normaler Tagesablauf. Nur etwas verschoben“, meint sie lachend.

Wer wie Gila den Beruf des Konditors erlernen will, sollte viel Herzblut und „Kenntnisse in Mathematik, Physik, Biologie und Chemie mitbringen“, erklärt Meister Grünberg. „Und Kreativität“, ergänzt Ehefrau Annemarie, die selbst das Konditorhandwerk bei Grünberg erlernt hat. „Pralinen- oder Dekorherstellung, Schokoladenverarbeitung. Das ist der Unterschied zum Bäcker.“

Kreativität bringt Gila Gräbnitz mit – auf verschiedenen Gebieten. Sie fotografiert und schreibt für Internetmusikmagazine. Ihr Traum: Ein Café eröffnen. Leckere Torten würde es dort gewiss geben.

 

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