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Ein Tag als Tierpflegerin : Aug‘ in Aug‘ mit einem Nasenbär

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Volontärin Wibke Niemeyer füttert Tiere und mistet Ställe aus

svz.de von
erstellt am 23.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Früh morgens schon Tiergehege mit Heu einstreuen und Eselköttel zusammenkehren. Das hätte ich nicht gedacht. Es fühlt sich für mich wie Frühsport an. Was für einen Tierpfleger Alltag, ist für mich Neuland. Ich helfe an einem Vormittag im Tierpark Perleberg mit. Der Umgang mit Tieren beschränkt sich bei mir auf einen Wellensittich in der Kindheit. Vor Hunden habe ich Angst. Ob mir das zum Verhängnis wird? Solange die Tiere hinter Gittern sind, tun sie mir nichts.

Mein Dienst beginnt. Futterrunde. Ich begleite Tierpfleger Carsten Gliesche. Wir beladen das Multicar. Der Speisewagen. Sechs Kisten mit diversen trockenen Backwaren, zwei mit Obst und Gemüse, Eimer mit rohem Fleisch und toten Küken. Ich muss schlucken.

Das Buffet ist angerichtet. Die Essensausgabe startet bei den Stachelschweinen. Es riecht streng. Ich rümpfe die Nase. „Jedes Tier hat seinen Eigengeruch. Daran gewöhnt man sich“, sagt Gliesche. Ein Lächeln auf seinen Lippen. Die Stachelschweine sind wach. Warten auf ihr Frühstück. Wir füllen die Futternäpfe. Tauschen das abgestandene Wasser gegen frisches.

Auf zu den Braunbären. Ben und Biene sind augenscheinlich noch sehr träge. Gerade erst wach? „Sie haben erst vor kurzem ihre Winterruhe beendet. Da brauchen Zeit, um in Gang zu kommen“, erklärt Gliesche. Wir lassen die beiden ins Freigehege. Kontrollieren die Boxen. Bei Biene liegen noch Essensreste. Angeknabberte Paprika. „Sie isst generell weniger als Ben. Das ist aber nicht schlimm“, sagt Gliesche. Die Box wird mit Wasser eingeweicht und geschrubbt. Kein Putzmittel? „Die Bären haben eine ganz sensible Nase.“ Verteilen das neue Futter. Aber die Braunbären bleiben draußen. „Sie essen erst abends, wenn sie wieder zurück im Stall sind. Durch die Winterruhe müssen sie langsam an die Nahrungsaufnahme gewöhnt werden“, erklärt Gliesche.

Als Leckerli bekommen die Bären trockenes Brot. Ben streckt sich. Ich weiche einen Schritt vom Gitter zurück. Er weiß genau, was kommt. Ich werfe ihm ein Croissant über den Käfig zu. Er fängt es auf. Kaut genüsslich.

Über mir ein Krächzen. Schaue in den Himmel. Sehe zahllose Krähen und Raben. „Unsere ständigen Begleiter. Hier gibt es umsonst Futter“, kommentiert Gliesche.

Weiter zu den Nasenbären. Sie sind schon sehr aktiv. Klettern auf den Bäumen. Zum Frühstück kommen sie in den Stall. Neben Obst und Küken – diese fasse ich nicht an – verfüttern wir rohe Eier. Nasenbär Otto, Chef der Bande, kommt neugierig angelaufen. Schaut mich bettelnd an. Ich knie mich hin. Auge in Auge mit einem Nasenbär. Ich halte ihm ein Ei unter die Nase. Er greift zu. Ich sehe seine scharfen Krallen. Reflexartig ziehe ich meine Hand zurück. Meine Finger bleiben verschont. Und Otto frisst mir aus der Hand. Ich bin gerührt.

Von weitem höre ich ein tiefes „i-ah“. Am Eselsrevier wartet schon der Hengst. Er streckt seinen Kopf über die Stallmauer. „Die Tiere habe eine innere Uhr.“ Streicheleinheit zur Begrüßung. Der Esel nähert sich auch mir ohne Skepsis. Lässt sich streicheln. Berührt meine Finger, als ich ihm durchs dichte Fell am Hals fahre. Das kitzelt. Diese freundliche Begrüßung motiviert. Von den Tieren mit dem störrischen Ruf hätte ich das nicht erwartet. Kraftfutter und Heu stehen auf dem Speiseplan. Wir füllen die Futternapfe mit Pellets. „Darin enthalten ist Getreide wie Gerste und Hafer, aber auch Vitamine und Mineralstoffe – alles, was ein Wildtier braucht“, sagt Gliesche. Eine ausgewogene Ernährung ist für Esel wichtig. Die grauen Tiere kauen vor sich hin. Lassen sich nicht stören. Für uns Zeit zum Ausmisten. Carsten Gliesche drückt mir die Schaufel in die Hand. Zeigt mir, wie ich sie halten muss, damit er den Mist darauf schieben kann. Teamarbeit. Ich schaufle die Hinterlassenschaften auf eine Schubkarre. Ganz schön schwer.

Auffällig. An allen Stallungen liegen oder hängen Klobürsten. Wofür? „Die haben wir als Putzhilfsmittel entdeckt. Damit kommt man in alle Ecken, wenn wir die Kisten und Eimer nach der Fütterung sauber machen“, sagt Gliesche. Tierpfleger ist seine Berufung. „Ich liebe es, an der frischen Luft zu arbeiten“, sagt er.

Wir sind fertig. Die Tiere versorgt. Jetzt noch die leeren Kisten an der Futterküche abladen. Mittagspause. Die haben wir uns verdient.

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