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Der Prignitzer

11. Dezember 2017 | 06:56 Uhr

Perleberg : Aufschlag zum 90. Geburtstag

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Dr. Gerhard Günther, der heute sein Wiegenfest feiert, brachte einst den Volleyball nach Perleberg und spielt noch heute aktiv

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2016 | 12:00 Uhr

Glückwunsch zum 90. Geburtstag sagt der Prignitzer heute Dr. Gerhard Günther. Bei vielen alteingesessenen Perlebergern dürfte der Doktor noch in aller Munde sein, denn etlichen hat er im wahrsten Sinne des Wortes so manches Mal auf den Zahn gefühlt.

Seit 1955 praktizierte der gebürtige Wittstocker in Perleberg als Zahnarzt. „Als wir damals hierher kamen, waren Wohnungen knapp“, erinnert sich der Jubilar. Im Hinterhaus der damaligen Poliklinik haben sie gewohnt. Später zogen sie dann in die Wohnung des damaligen Kreisarztes und bis heute ist jenes Haus in der Dobberziner Straße das Zuhause von Dr. Günther. Hier hatte er auch seine Zahnarztpraxis, die heute sein Sohn führt.

Er lebte für seinen Beruf, der ihn letztlich auch wieder zurück zum Sport brachte. Und dem hält er noch immer die Treue, nicht vor dem Fernseher, sondern aktiv, versteht sich. Von Kindesbeinen habe er Sport getrieben, in der Schule waren die Kurzstrecke und Weitsprung seine Disziplinen, als Jugendlicher frönte er dem Segelflugsport. Übrigens, geflogen wurde schon damals in Perleberg.

Soldat, dreieinhalb Jahre Gefangenschaft, an Sport war da nicht zu denken. „Wir hatten so wenig zu essen, dass wir uns kaum auf den Beinen halten konnten“, erzählt er. Als dann die Mauer in Berlin gebaut wurden, da hatte Perleberg auf Schlag nur noch zwei Zahnärzte. „Von morgens 7 Uhr bis abends 7 Uhr stand ich am Zahnarztstuhl.“ Stress und Hektik diktierten den Alltag. Auf der Suche nach einem körperlichen Ausgleich kam der damalige Neu-Perleberger 1964 wieder zum Sport, wurde Mitglied in der BSG Medizin. „Das war der Verein für die Gesundheitsberufe in Perleberg“, erzählt er schmunzelnd. Hier traf man sich zum Korbball und damals auch noch zum Geräteturnen.

Im Urlaub an der Ostsee entdeckte Gerhard Günther dann seine Liebe zum Volleyball. „Heute kaum vorstellbar, aber die Sportart war damals hier noch nicht so bekannt.“ Dennoch konnte der Doktor schnell auch andere für diesen Sport begeistern. Ab 1967/1968 frönten die Medizinfreizeitsportler neben dem Korbball und der Gymnastik fortan auch dem Volleyball. Und das bis heute. Immer montags ab 20 Uhr verwandeln die mit dem Sport in die Jahre gekommenen 16 Herren die Schollturnhalle in ein Volleyballfeld. Und dann heißt es nach der gebührenden Erwärmung: Aufschlag und ran ans Netz.

Mit seinen 90 Lenzen ist Dr. Günther der Senior unter den Volleyballern. „Bei uns spielen 80- und 70-Jährige, die Jüngsten stehen kurz vor der Rente.“ Sie seien mit dem Volleyball alt geworden und dabei jung geblieben, möchte man sofort anfügen. Der Jubilar ist schließlich der lebende Beweis. Mit der Jugend wollen sie sich aber längst nicht mehr messen. „Die sind zu schnell für uns“, gesteht Gerhard Günther. Auch dem Korbball haben sie inzwischen abgeschworen, die Gefahr, sich zu verletzen, sei zu groß.

Doch Volleyball wird weiter gespielt, so lange es geht. „Vor zwei Jahren habe ich mir gesagt, wenn du 90 bist, hörst du auf. Jetzt bin ich es, aber aufhören – das geht nicht.“ Es sei die Freude an der Bewegung und der Spaß, den man in der Gemeinschaft findet, die er einfach nicht missen möchte. „Wir sind eine eingeschworene Truppe, ich freue mich immer schon auf Montag, 20 Uhr. Und den anderen geht es auch so.“

Seit 50 Jahren frönen sie gemeinsam ihrer sportlichen Leidenschaft, das verbinde, „das ist mehr als eine Sportlerfreundschaft“. All die Jahre traf man sich zudem nicht nur am Netz. Gemeinsam wurde in die Pedale getreten, es ging zum Spargel- und zum Eisbeinessen nach Lübzow oder das Training wurde im Sommer kurzerhand an den Rudower See verlegt. Schwimmen und baden, das sind die anderen Leidenschaften des Jubilars. Und wenn es draußen schon entsprechend warm ist, dann wird auch am 1. Mai angebadet.

Am Sonnabend wird aber erst einmal in großer Runde der 90. Geburtstag gefeiert. Denn mittlerweile ist die Familie auch schon ganz schön groß geworden – drei Kinder, fünf Enkel und zwei Urenkel, der Jüngste ist gerade erst geboren. Und natürlich mit dabei: die Sportfreunde, die Volleyballer.  

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