Aufregung um den „Zwarte Piet“

Walda und Henk van Essen erzählen über Advents- und Weihnachtsbräuche unserer niederländischen Nachbarn, die den deutschen recht unähnlich sind

svz.de von
07. Dezember 2013, 00:34 Uhr

Andere Länder – andere Sitten. Das trifft insbesondere auf die Advents- und Weihnachtszeit zu. In unserer Serie „Weihnachten international“ geht es heute in die Niederlande.

Wer hätte gedacht, dass die niederländische Weihnachtstradition einmal ein Fall für die Vereinten Nationen wird? Auch Walda und Henk van Essen können nur mit Kopf schütteln und die Schultern zucken. Die Holländer betreiben in Perleberg die 5-Sterne-Ferienwohnung, Pension und Galerie „Carpe Diem“, verbrachten die meiste Zeit ihres Lebens in den Niederlanden und sind mit den dortigen Traditionen tief verbunden.

Im Fokus der UN-Experten steht im Herbst dieses Jahres der „Zwarte Piet“, die niederländische Version des Knecht Ruprecht. Er ist der Helfer von „Sinterklaas“, dem holländischen Nikolaus, und bei der UN nicht wohl gelitten, weil er ein rassistisches Bild von Menschen afrikanischer Herkunft vermittle, heißt es. Eine UN-Expertengruppe stellte eine Anfrage an die niederländische Regierung, die Aufklärung über die Gebräuche im Nachbarland zum Nikolaustag verlangt. Die Niederländer sind sauer: Sie wollen sich ihre Jahrhunderte alte Tradition nicht zerstören lassen, gehen für den „Zwarte Piet“ sogar auf die Straße und initiierten eine Facebook-Petition, die bis Ende Oktober bereits mehr als zwei Millionen Mal mit „Gefällt mir“-Klicks unterstützt wurde. „Wir sind über Generationen damit aufgewachsen und verstehen das nicht“, meint Walda van Essen.

Im Nachbarland nehmen die Weihnachtsdinge bereits Mitte November ihren Lauf. „Sinterklaas“, so berichten die van Essens, komme mit einem Dampfschiff aus Spanien an, „ein Ereignis, das bei uns sogar live im Fernsehen übertragen wird“, sagt Walda van Essen. „Sinterklaas“ zieht ins Nikolaus-Haus ein, die Kinder können ihn besuchen, Wunschzettel schreiben und werden bereits am 5. Dezember beschenkt. „Das kann man sich etwa so vorstellen, wie die Bescherung am 24. Dezember in Deutschland“, beschreibt Henk van Essen. Am 6. Dezember hat „Sinterklaas“ Geburtstag und verlässt per Schiff das Land wieder Richtung Spanien.

Und dann – ist Weihnachten schon vorbei? „Nein, danach kommt eigentlich erst das richtige Weihnachtsgefühl auf“, betont Walda van Essen. Dann erst werden auch die Weihnachtsbäume geschmückt und man steuert auf die eigentlichen Feiertage zu.

Die darf man sich in Holland allerdings auch nicht so vorstellen, wie man sie in hiesigen Gefilden kennt. Der Kirchgang ist am 24. Dezember durchaus üblich. Im Schenkrausch befindet sich aber niemand. Wie klein oder groß dann am 25. Dezember die Geschenke ausfallen, liegt daran, wie zuvor Nikolaus gefeiert wurde. Auf jeden Fall bringt der „Kerstmann“ die Präsente über Nacht. Die fallen allerdings zumeist klein aus, haben mitunter symbolischen Charakter. „Wissen Sie, die Holländer betrachten das alles etwas nüchterner als die Deutschen. Und zu den Feiertagen steht bei uns eher die Gemütlichkeit im Vordergrund“, macht Henk van Essen deutlich. Am 25. Dezember wird gemeinsam gespeist und spazieren gegangen, in der Hoffnung, dass vielleicht sogar Schnee liegt – was nicht so häufig vorkommt. Mit der Gemütlichkeit ist es dann aber auch schnell wieder vorbei, denn am 26. Dezember öffnen in den Niederlanden alle Geschäfte – Shopping ist angesagt.

Wie in vielen Nationen gibt es auch in den Niederlanden kulinarische Verführungen, die man nur in dieser Zeit des Jahres genießt. Walda van Essen haben es besonders die Spekulatius angetan. Üblich sind auch Schokoladenbuchstaben und Schokoladenmilch.

Freunde der holländischen Sprache und des entzückenden Dialekts kommen aber erst zum Jahreswechsel auf ihre Kosten, denn dann werden „Oliebollen und Appelflappen“ kredenzt. Während Oliebollen runde Teigbällchen sind und häufig Rosinen oder Korinthen enthalten, handelt es sich bei Appelflappen um in Teig ausgebackene Apfelscheiben. Beide Gebäcksorten werden vorzugsweise mit Puderzucker bestreut und können sowohl warm als auch kalt gegessen werden. „Das wird viel gebacken und überall angeboten. Jeder hat das zu stehen“, berichtet Walda van Essen. Mit ihrem Mann Henk wird sie das Weihnachtsfest in Perleberg zu zweit begehen, ganz gemütlich – wie zu Hause eben.

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