zur Navigation springen

Schweineskandal in der Prignitz : Aufnahmen entlarven Mitarbeiter in Pinnow

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Ungepixeltes Material zeigt, wie eine Frau Ferkel tötet, eine Sau mit einer Eisenstange schlägt / Staatsanwaltschaft beginnt Ermittlung

von
erstellt am 19.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Stammen die heimlich aufgenommenen Bilder und Videos des Vereins Animal Rights Watch aus dem Ferkelgut Pinnow oder nicht? Detlef Schlichting, Geschäftsführer der Ferkelgut Pinnow GmbH & Co.KG, hatte dies gegenüber unserer Zeitung verneint, sprach von einer aufgestellten Behauptung der Tierschützer. Die Aufnahmen zeigen, wie Mitarbeiter frisch geborene Ferkel totschlagen.

Nach unserem Bericht wandte sich Animal Rights Watch erneut an unsere Redaktion, stellte das Bildmaterial unverpixelt zur Verfügung. Diese Version sei auch den Behörden zugegangen. „So sind die Betriebe und Mitarbeiter identifizierbar, die Koordinaten der Anlage sind erkennbar“, sagt Pressesprecherin Sandra Franz.

Unsere Redaktion hat das Material gesichtet und können bestätigen, dass die gefilmten Mitarbeiter zu erkennen sind. Es ist klar zu sehen, wie sie Tiere werfen, erschlagen und in einem Fall zur Eisenstange greifen, um eine Sau zu schlagen. Der Redaktion liegt aber kein Material vor, das belegt, dass es sich um den Ferkelstall in Pinnow handelt. Dazu erklärt Sandra Franz: „Gefilmte GPS-Koordinaten zu den einzelnen Anlagen sind im ungeschnittenen Material enthalten, das den Behörden vorliegt.“

Zur Aussage des Geschäftsführers, dass keine Nottötungen vorgenommen werden, sagt Franz: „Auf dem Videomaterial sieht man auch keine Nottötungen, sondern das sehr routiniert ablaufende Töten schwacher, aber an sich überlebensfähiger Ferkel. Das ist eindeutig illegal.“ Die rechtliche Situation in Sachen Ferkeltötung sei eindeutig geregelt.

Demnach dürften Ferkel bis fünf Kilogramm in Ausnahmen durch Betäubung per stumpfen Schlag auf den Kopf, danach Ausbluten, getötet werden. Sandra Franz verweist dazu auf das Tierschutzgesetz, in dem eine entsprechende EU-Verordnung berücksichtigt sei. Personen die so eine Tötung vornehmen, müssten ihre Sachkunde gegenüber dem Amtsveterinär nachweisen.

Anfang Juli hätten Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen per Erlass nochmal eindeutig das Töten von „lebensschwachen“ Ferkeln, also kleiner und schwacher Ferkel verboten, Sachsen-Anhalt folgte Anfang August, so Franz weiter. Das Töten sei nur bei nicht überlebensfähigen Ferkeln gestattet. Das Töten überzähliger Ferkel sei verboten. Animal Rights Watch behaupte, dass Betriebe wie Pinnow nur die Ferkel aufziehen, die rentabel seien. Zusätzlicher Aufwand wie beispielsweise eine und Handzufütterung werde nicht betrieben.

Geschäftsführer Detlef Schlichting hatte gesagt, dass Tötungen nicht aus wirtschaftlichen Interessen heraus durchgeführt werden. Ziel sei, so viele Ferkel wie möglich aufzuziehen.

Aussage steht gegen Aussage. Der Landkreis hat nach Sichten des Bildmaterials Strafanzeige gegen den Pinnower Betrieb gestellt. Gestern bestätigte die Staatsanwaltschaft Neuruppin, dass die Unterlagen vollständig eingegangen seien, einschließlich einer DVD. Jetzt würden die Ermittlungen beginnen, deren Ausgang sei aber völlig offen. Zunächst werde das Material gesichtet, dann noch einmal mit der zuständigen Amtstierärztin Dr. Sabine Kramer gesprochen. Erst nach Abschluss der Ermittlungen würde über eine mögliche Klage entschieden.

Animal Rights Watch habe gar kein Interesse daran, einzelne Betriebe anzuklagen. „Das würde vom eigentlichen Problem ablenken“, begründet Sandra Franz. Der Verein wolle eine öffentliche Debatte über die Haltung von Nutztieren anregen. Die Bestrafung einzelner Betriebe würde die Probleme hingegen nicht lösen. „Nur wenn keine Tiere mehr für menschliche Interessen genutzt werden, hat dieses unermessliche Leid ein Ende“, sagt Sandra Franz.


zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen