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Verabschiedung vom Prignitzer Polizeichef : Auf Uniform folgt der Pilgerstab

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Peter Schröder startet auf Pilgerwegen in den Ruhestand. Aus zwei geplanten Jahren in der Prignitz wurden 15.

Verbrecher jagt Peter Schröder künftig nur noch im Fernsehen. Der Prignitzer Polizeichef hat morgen seinen letzten Arbeitstag, geht in den Ruhestand. Seine Heimreise am Montag tritt er weder mit dem Auto noch mit dem Zug an. Peter Schröder pilgert ins 600 Kilometer entfernte Niederberg bei Köln.

Die Prignitz war nicht sein Wunschziel, gibt der 60-Jährige freimütig zu. Als seine Vorgesetzen vor 15 Jahren mit ihm über den Dienstort Perleberg sprachen, fügte er sich eher in die Notwendigkeit, als dass er langfristig mit der Region plante. „Maximal zwei Jahre sagte ich dem Innenminister.“ Es sollten 15 werden.

Die Region und die beruflichen Aufgaben haben ihn dann doch fasziniert. Das begann mit dem Hochwasser 2002, nur wenige Wochen nach seinem Dienstantritt. „Ich bin durchs Wasser geprägt worden“, erklärt er und begründet dies mit seiner elfjährigen Tätigkeit als Dezernatsleiter im Präsidium der Wasserschutzpolizei des Landes Brandenburg.

1997 war Schröder beim Oderhochwasser im Einsatz. Er sah die überschwemmten Gebiete, zitterte mit Anwohnern um den Halt der Deiche und entschied für sich: „Nie wieder wollte ich eine überschwemmte Landschaft sehen müssen.“ Dieses Schicksal drohte Prignitzern im Sommer 2002.

Die Katastrophe blieb aus und Schröder spürte einen enormen Zusammenhalt in der Region. „So einen Schulterschluss hatte ich zuvor nicht erlebt und das zeichnet die Prignitz auch jenseits eines Hochwassers aus.“ Als Beispiel nennt er den erfolgreichen Kampf um den Erhalt der Polizeiwache in Wittenberge. Nur dank des breiten Widerstands konnte dies erreicht werden.

Aus heutiger Sicht sei das eine richtige Entscheidung gewesen. „Wir brauchen diese Wache“, so Schröder. Als falsch bezeichnet er den von der Politik durchgesetzten Personalabbau. Die Prignitz verlor bis zu 20 Polizisten im Außendienst.

Ein Personalabbau mit Folgen: „Wir führen weniger Geschwindigkeitskontrollen durch, können im Bereich der Drogenkriminalität nicht so stark kontrollieren, wie es sein müsste.“ Der Drogenkonsum nehme zu, die Polizei wisse, dass es auf Veranstaltungen und auch an Schulen einen Handel gebe.

Die Politik habe ihren Fehler erkannt und sei dabei, ihn zu korrigieren. So sei die Zahl der Polizisten in der Prignitz schon wieder gestiegen, das Durchschnittsalter sank von 52 auf 42 Jahre. Aktuell versehen 143 Polizisten ihren Dienst in der Prignitz, bis Jahresende werden es 153 sein.

Besonders freut Peter Schröder, dass die Abteilung Prävention wieder verstärkt wird. Geplant war eine Reduzierung auf zwei Kollegen, „wir konnten drei durchsetzen“. Jetzt kommen zwei weitere dazu, so dass dieses fünfköpfige Team wieder umfangreich tätig werden kann. „Prävention muss sein und bleiben“, fordert er. Zwar ließen sich ihre Erfolge nicht direkt nachweisen, aber er ist überzeugt davon, „dass die jahrzehntelange gute Präventionsarbeit mit ein Grund für den Rückgang der Kriminalität in der Prignitz ist“.

Die größten Einsätze während seiner Dienstzeit führte er während der Hochwasser. „2013 hatten wir vier Hundertschaften plus unsere eigenen Kollegen im Einsatz.“ Aber auch die Absicherung des Castortransportes mit zwei Hundertschaften und eigenen Kräften sowie die Einsätze auf der Goa-Party in Putlitz bleiben ihm in Erinnerung.

Tödliche Verkehrsunfälle und eine zunehmende Gewaltbereitschaft gegenüber Polizisten sind die weniger guten Erinnerungen. Eine landesweite Tendenz, die die Prignitz längst erreicht habe. Umso mehr jedoch freut es ihn, dass die Beschwerden von Bürgern über Polizisten deutlich weniger geworden seien. „Wir haben ein gutes Image in der Region.“

All das wird Peter Schröder hinter sich lassen. Er hat unter acht Ministern gedient, fünf verschiedene Uniformen einschließlich der NVA-Uniform in der DDR getragen. Jetzt sei es genug. Seine Entscheidung für den Ruhestand sei auch eine Entscheidung für die Familie, nachdem er all die Jahre an den Wochenenden pendeln musste.

Seinen Rucksack für die Pilgertour hat er gepackt, die Isomatte ist geschnürt. Unterkünfte in Kirchen und Jugendherbergen sind gebucht, Peter Schröder ist marschbereit. Im Gepäck wird er einige gute Krimis haben, vor allem die skandinavischen liebt er. Zeit zum Lesen hat er jetzt mehr als genug.

 

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erstellt am 27.Apr.2017 | 12:00 Uhr

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