zur Navigation springen

Die Prinzen in der Stadtkirche : Auf Tuchfühlung mit dem Publikum

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Leipziger Pop-Band kommt am 30. August in die Wittenberger Stadtkirche und verspricht ein intensives Musikerlebnis.

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2014 | 12:00 Uhr

Die Zeit im Leipziger Thomaner- und im Dresdner Kreuzchor haben die gestandenen Männer, die heute Mitte 40 sind und seit mehr als 20 Jahren unter dem Namen „Die Prinzen“ landesweit Konzerthallen füllen, nie vergessen. „Aus diesem Grund ist es für uns immer wieder etwas Besonderes, in Kirchen aufzutreten“, sagt Bariton Henri Schmidt. Am 27. August dieses Jahres begeben sich die Leipziger von der Ostsee aus auf eine Konzerttour durch Gotteshäuser, und machen am 30. August in der Wittenberger Stadtkirche Station.

„Natürlich fragen viele Kirchengemeinden bei uns an, ob wir bei ihnen auftreten wollen. Und wenn sich die Möglichkeit bietet und die Räumlichkeiten passen, folgen wir diesen Einladungen gern. Allerdings schauen wir auch, wo wir noch nicht waren, und schlagen den Kirchengemeinden einen Auftritt vor“, so Schmidt. Nachdem die Prinzen bereits in der Wunderblutkirche in Bad Wilsnack und in der St. Jacobikirche Perleberg zu hören waren, kam ihr Gastspiel in Wittenberge eher zufällig zustande. „Ich war mit meiner Familie zum Jahreswechsel auf dem Weg nach Mecklenburg-Vorpommern“, sagt Bassist Mathias Dietrich, „und habe im Vorbeifahren die Kirchen gesehen“. So sei die Idee entstanden, der Kirchengemeinde ein Konzert vorzuschlagen.

Gezögert haben die Elbestädter nicht. „Wir haben da keine Berührungsängste“, sagt Christoph Walter vom Gemeindekirchenrat. „Allerdings ist es für uns schon etwas Neues. Klassische Konzerte oder solche mit Kirchenmusik haben wir ja regelmäßig. Mit den Prinzen aber betreten wir Neuland.“ Allerdings sehe man das Konzert als Chance, die Kirche weiter zu öffnen. „Für viele Menschen gibt es eine Hemmschwelle, die sie hindert, eine Kirche zu besuchen. Diese Hemmschwelle wollen wir senken.“ Auch die Musiker haben ihre Erfahrungen mit der Hemmschwelle. „Unsere Fans kommen sehr gern zu den Kirchenkonzerten, denn dabei erleben sie uns sehr nah, es ist fast eine intime Beziehung zwischen uns und dem Publikum. Keine Absperrgitter, keine Security, manchmal teilen sich Band und Zuhörer sogar die Toilette“, sagt Bariton Schmidt und grinst. „Andererseits wissen viele am Anfang nicht so richtig, wie sie sich in der Kirche verhalten sollen. In ihren Augen steht dann förmlich die Frage ,Muss ich still sitzen oder darf ich feiern und mitklatschen?‘, und so kann die erste Viertelstunde eines Kirchenkonzertes mitunter recht zäh werden. Aber danach tauen sie meistens auf, und die Stimmung ist nicht viel anders als bei unseren großen Konzerten.“

So unterscheide sich das Publikum der Kirchenkonzerte nicht von dem der Club- oder Open-Air-Auftritte. „Unsere Tour beginnt an der Ostsee und endet am Bodensee. Wir können deutschlandweit auf eine tolle Fangemeinde bauen. Da spielen auch Ost/West-Konflikte keine Rolle, denn die Leute kommen wegen der Musik und nicht, weil wir aus Leipzig sind.“ Anders sieht es beim Alter der Fans aus. „Man wird ja nicht jünger, auch wir nicht. Aber Nachwuchssorgen haben wir keine. Das ist manchmal schon kurios, wenn jene, die früher als Teenager oder Studenten vor unserer Bühne abgefeiert haben, heute mit ihren eigenen Kindern kommen. Und die Kinder singen textsicher Lieder mit, die um Jahre älter sind als sie selbst“, so Schmidt.

Vor allem die Klassiker wie wie „Alles nur geklaut“, „Bombe“ oder „Mann im Mond“ sind es, die die Fans immer wieder hören wollen. „Das ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits würde man gerne mehr neues Material spielen, andererseits ist es ein großer Erfolg für eine Band, wenn eigene Titel zu Evergreens werden.“ Was brandneues Material angeht, muss Henri Schmidt die Besucher der Kirchentour allerdings enttäuschen. „Wir arbeiten aktuell an neuen Songs, die Veröffentlichung des nächsten Albums ist für 2015 geplant. Allerdings haben wir keine guten Erfahrungen damit gemacht, neue Stücke vorab schon live zu spielen.“ Trotzdem dürften sich die Fans kaum langweilen, denn über die Jahre haben die Prinzen ihre bekannten Stücke in verschiedensten Versionen gespielt. „Wir wollen uns ja selbst nicht langweilen“, so Schmidt.

Den Auftritt in der Stadtkirche eröffnen die Prinzen – ganz dem Ambiente angemessen – mit einem A-capella-Kirchenstück. Überhaupt wird es bei dem Konzert, für das voraussichtlich ab dem 10. Februar insgesamt 800 Karten verkauft werden, etwas ruhiger zugehen. „Die Kirchentour spielen wir ohne elektrische Instrumente, also unplugget. Viele Besucher werden überrascht sein, welch tolle Stimmung sich mit dezentem Einsatz von Ton- und Lichttechnik in der Kirche erzeugen lässt“, sagt Henri Schmidt. Eine Besonderheit der Wittenberger Kirche verrät er dann aber doch noch: „Es gibt keine Säulen im Kirchenschiff. So kann uns jeder Gast gut sehen. Das ist toll.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen