An der winterlichen Elbe unterwegs : Auf Flucht vor dem Winter an die Elbe

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Bei Müggendorf haben 3000 Weißwangen-, Bleß- und Saatgänse ihr Quartier.

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05. Februar 2018, 11:00 Uhr

Falk Schulz stellt ein Stativ auf und befestigt darauf sein Fernrohr. Der Vorsitzendes des kreislichen NABU ist auf Beobachtungstour entlang der Elbe. Sein Spektiv mit der bis zu 60-fachen Vergrößerung lässt den Gänsetrupp, der in einiger Entfernung eine Grünfläche an der Straße nach Müggendorf bevölkert, nah erscheinen, einzelne Tiere sind sehr gut zu erkennen. Was er sieht, versetzt Schulz etwas ins Staunen. Mit Saat- und Bleßgänsen haben sich, wie er sagt, ungewöhnlich viele Weißwangengänse eingefunden. Noch vor etlichen Jahren, so der Ornithologe, waren diese Gänse, deren Brutgebiet sich in arktischen Tundren befinden, hier im Winter eher selten zu beobachten, sind weiter nach Süden gezogen. „Das Rast- und Zugverhalten der Tiere hat sich verändert“, erklärt der Prignitzer NABU-Chef. Dafür ausschließlich den Klimawandel verantwortlich zu machen, ist aus seiner Sicht zu einfach. „Da wirken komplexere Zusammenhänge.“

Die Gänse bei Müggendorf, es sind an die 3000 Vögel, werden in den nächsten Tagen vielleicht die Flächen wechseln, auf denen sie ihr Futter finden, weiterziehen werden sie aber nur dann, so Schulz, wenn das Wetter sie dazu zwinge, also der Winter mit Macht hereinbricht. Schulz spricht von Winterflucht, die genau so weit führe, wie es gerade nötig sei.

Leuten, die die Gänse beobachten möchten, rät Schulz, sie nicht aufzuscheuchen. Das beunruhige nicht nur Tiere, sondern könne auch dazu führen, dass die Gänse sich auf der Suche nach anderen Futterplätzen auf Ackerflächen niederlassen. Für Landwirte eine unangenehme Vorstellung. Ihre Schlafplätze finden die Wintergäste in Elbnähe. „Die Bedingungen sind derzeit günstig. Durch den Wasserstand sind viele Flächen flach überstaut“, erklärt Schulz.

Er beugt sich erneut über das Beobachtungsfernrohr und hält nach Gänsen mit Halsbändern Ausschau. Um das Zugverhalten der Vögel zu erforschen, erhalten Tiere diese Kennzeichnung. Es handle sich um ein internationales Forschungsprojekt, „an dem auch wir von der Fachgruppe Ornithologie im NABU uns beteiligen“, erklärt Schulz. Jede Beobachtung trage dazu bei, das Wissen über Zugverhalten zu vervollständigen. Schulz berichtet, „dass wir schon Gänse anhand ihrer Ringmarkierungen identifizieren konnten, die mehrere Jahre hintereinander hier überwinterten.“

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