Perleberger Stadtoberhaupt : Auf ein Wort, Herr Bürgermeister

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Fred Fischer: Sieben Jahre Chef im Rathaus – eine Zeit geprägt von Erfolgen und parlamentarischer Kriegserklärung

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30. Dezember 2014, 08:00 Uhr

Mit zehn konkreten Vorhaben trat Fred Fischer am 1. März 2007 sein Amt als Bürgermeister von Perleberg an. Was ist aus den Versprechungen geworden? Der „Prignitzer“ will es wissen.

Neuanfang in der Verwaltung. Das klingt, als wartete alles nur auf Fred Fischer.

Fred Fischer: Natürlich nicht, die Verwaltung funktionierte. Schließlich arbeiten hier fähige Köpfe. Aber, bedingt durch die Krankheit und den Tod von Manfred Herzberg gab es längere Zeit keinen Bürgermeister. Es fehlte vor allem die Führung, wenn es um strategische Entscheidungen ging.

Was fällt strategisch in so einer kleinen Stadt denn so groß ins Gewicht?

Wir leben nicht auf einer Insel der Glückseligkeit. Ich sage nur Integriertes Städtebauliches Entwicklungskonzept (INSEK). Hier sind die Ziele und Projekte des Stadtumbaus bis 2020 festgeschrieben. Ein solches Konzept gab es nicht, damit auch keine Grundlage, um überhaupt an Fördermittel zu kommen. Das INSEK zu erstellen, war so eine der ersten Aufgaben. Inzwischen haben wir es bereits fortgeschrieben.

Die Verwaltung für die Zukunft umzubauen. Klingt wie eine Sprechblase. Ist sie gar geplatzt? Immer wieder hörte man, dass im Rathaus ein rauer Wind pfeift.

Ein guter Leiter macht sich gewiss nicht nur Freunde, denn er fordert und muss vor allem auch Verwaltungsvorschriften durchsetzen. Kreativität und ein Arbeiten miteinander ist in der Verwaltung sehr wichtig, aber nicht selbstverständlich.

Wie müssen wir uns das vorstellen?

Ein Platz wird saniert. Tief- und Hochbau, Umweltamt, Ordnungsamt, Betriebshof und wenn eine feierliche Einweihung geplant ist, auch noch das Kulturamt, haben hier ihren Part. Einer, sprich ein Fachamt, aber hat den Hut auf.

Und der Effekt?

Die rechte Hand weiß, was die linke tut, vieles kann auf kurzem Weg geklärt werden.

Die Verwaltung ist für die nächsten 20 Jahre qualifiziert – offensichtlich einer Ihrer Lieblingssätze.

Ganz einfach, weil er stimmt. Zehn Mitarbeiter haben sich in den Jahren entsprechend spezialisiert und qualifiziert, so dass wir dahingehend keine Probleme bekommen werden.

Einen Neuanfang versprachen Sie auch in der Zusammenarbeit mit den Abgeordneten. Davon kann angesichts der Querelen kaum die Rede sein.

Bis 2009 war die Welt noch in Ordnung. Mit der Kommunalwahl war der Krieg eröffnet, wurde nicht mehr sachlich argumentiert. Das beziehe ich auf meine Arbeit. Hinsichtlich der Verwaltung wird eine gute Arbeit geleistet, dafür spricht nicht zuletzt, dass ein Großteil der von ihr vorgelegten Beschlussempfehlungen einstimmig gefasst wurde. In fachlichen und strategischen Fragen gab es immer einen Konsens im Interesse der Stadt. Und das macht uns auch erfolgreich. Für mich ist es längst normal, dass unterschiedliche Parteien zu unterschiedlichen Themen auch unterschiedliche Meinungen haben. Doch unter dem Strich zählt nur: Was nützt der Stadt.

An der Wiederbelebung des Unternehmerstammtisches haben aber auch Sie sich die Zähne ausgebissen?

Einen Unternehmerstammtisch gibt es in Perleberg nicht. Ein solcher wird auch schwer zu etablieren sein. Aber wir haben den Stammtisch der Innenstadthändler. Wenn von 60 Innenstadthändlern 20 regelmäßig an einem Tisch sitzen, so ist das schon in Erfolg. Das gab es 20 Jahre nicht. Ein separater Stammtisch der Händler aus dem Schwarzen Weg ist vorstellbar, aber einer für alle, das funktioniert allein durch die Örtlichkeiten nicht. Definitiv wird es nicht einfacher für Gewerbe in der Stadt. Die Verwaltung kann Rahmenbedingungen schaffen wie Werbung, Straßen, Medien. Unternehmensentscheidungen kann sie nicht abnehmen, maximal Unterstützung seitens ihrer Wirtschaftsförderung anbieten. Und das machen wir.

Jugend ins Rathaus war einer Ihrer Slogan. Wo ist die Jugend?

Die Jugend zu begeistern, auf den Plätzen der Stadtverordnetenversammlung zu sitzen, das hat nicht geklappt. Das heißt nicht, dass sie kein Interesse an der Stadtpolitik hat. Sie will mitreden bei Themen, die sie betreffen. Und das soll sie. Dafür haben wir auch den Kooperationsvertrag mit dem Gymnasium – ein gegenseitiges Miteinander ist hier festgeschrieben und steht nicht nur auf dem Papier. Unsere Schüler wissen nicht nur wo das Rathaus steht, sie kommen auch ins Rathaus.

Wenn Sie Bürgermeister werden, dann flüchten die Investoren – ein Spruch der vor 7 Jahren durch Perleberg geisterte. Und?

Machen Sie sich selbst ein Bild: 7 Millionen im Ernährungsbereich, 3,9 Millionen in der Metallbranche, 92,1 Millionen in alternative Energien, 19,5 Millionen in das Gesundheitswesen, 10,45 Millionen in die Infrastruktur und 7 Millionen in den Tourismus wurden in den sieben Jahren in Perleberg investiert – von Privat plus Fördermittel.

Städtebaulich wurden 37 Millionen nach der Wende investiert, in den letzten sieben Jahren allein 13 Millionen, davon 10,6 Millionen, die wir als Fördermittel nutzen konnten. Beispiele dafür: Jahn-Sportpark, der innerhalb eines Jahres zu einer multifunktionalen Sportanlage mit Kunstrasenplatz und Tartanbahn ausgebaut wurde; Schuhmarkt, Mönchort mit dem Brunnen vor dem Museum; Pferdeschwemme, Gerätehaus für die Düpower Feuerwehr; Innen- und Fassadensanierung der Kita Piccolino, des Sanitärtraktes in der Kita Koloniestraße, der Dergenthiner Sportplatz oder die beiden verlässlichen Halbtagsschulen, Komplettsanierung des Beckens im Schwimmbad und … Im Tiefbau sind es der Wiesenweg, Waldsiedlung, alle Bushaltestellen, die Stele und viele Straßen. 31 private Gebäude in der Stadt wurden modernisiert, wo wir als Stadt Förderung gegeben haben, und drei kommunale Objekte – Museum, Akademie und der Saal im Freizeitzentrum „Effi“.

Bei der Auflistung – ich würde sagen, wenn das kein Wahlkampf ist.

Der Dienst als Bürgermeister ist immer Wahlkampf.

Und Sie wollen wirklich wieder Bürgermeister werden und nicht nur Ihren Pensionsanspruch sichern?

Nur so zu tun, da würde ich mich selbst belügen.

Vielen Dank für das Gespräch.

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