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Der Prignitzer

21. September 2017 | 09:01 Uhr

Auf ein Bier zum Bahnchef nach Berlin

vom

svz.de von
erstellt am 14.Jun.2013 | 07:55 Uhr

Wittenberge | Kameras laufen, Fotoapparate und Mikrofone werden in Position gebracht: Als Bahnchef Rüdiger Grube gestern auf dem Wittenberger Bahnhof aus dem Berliner Zug steigt, folgt ihm ein Tross von 40 Journalisten. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG besucht das Fahrzeuginstandhaltungswerk in der Elbestadt.

Was die Mitarbeiter dort in den letzten Hochwassertagen geleistet haben, ist bis nach Berlin gedrungen. Um die Stepenitz zu stoppen, die im Rückstau auch das 250 000 Quadratmeter große Betriebsgelände zu überfluten drohte, haben die Beschäftigten an die 1,8 Kilometer Dämme und Deiche gebaut.

Damit er sich ein Bild von den Wassermassen machen kann, die vor der Werksmauer standen, gibt es gestern auf der Fahrt in den Betrieb einen kurzen Stopp am Weisener Kreisel. Bernd Lindow von der unteren Wasserbehörde beim Landkreis erklärt das Deichgefüge, spricht vom maroden Rehwischdeich.

Welch Unheil Wasser anzurichten vermag, hat Grube am eigenen Leibe erfahren. Er erzählt kurz, wie er als Zehnjähriger die Sturmflut in Hamburg miterleben musste. Noch immer fehlt auch der von der Landespolitik längst zugesagte Breeser Deichneubau mit Straße. Er würde auch für das Fahrzeuginstandhaltungswerk mehr Sicherheit bringen.

Jetzt hat das Werk die Initiative ergriffen. "Das Wasser stieg und stieg. Wir konnten doch nicht zulassen, dass uns die Hallen und die Gruben voll laufen, das Wasser in die teuren Maschinen dringt", berichtet Werkleiter Dietmar Schmidt dem obersten Bahnchef. "Um dreiviertel Zwölf in der Nacht zu Montag haben wir angefangen, im Werk eine zweite, höhere Verteidigungslinie zu bauen." Schmidt und Grube stehen vor dem Sandsackwall, der sich quer übers Werksgelände zieht. Der Werkleiter zeigt die Marke. Bis auf eine Pegelhöhe von 8,45 Meter war der Betrieb damit sicher.

"Ich bin wirklich sehr beeindruckt", sagt Rüdiger Grube - von dem, was die Mitarbeiter hier geleistet haben, von dem effektiven Zusammenwirken mit den anderen zum Konzern gehörenden Bereichen wie DB Services, Netz, Energie. Auch die Vernetzung des Werkes mit den örtlichen Behörden wie denen der Stadt Wittenberge und den vielen Helfern von Feuerwehren, THW und anderen spricht er an. Er bedankt sich bei allen. "Deshalb bin ich heute nach Wittenberge gekommen", sagt der Bahnchef auf "Prignitzer"-Nachfrage und betont: "Das Werk Wittenberge ist für uns von existenzieller Bedeutung."

Dietmar Schmidt, dem Rüdiger Grube als Werkleiter seine große Wertschätzung ausspricht, führt den prominenten Gast übers Betriebsgelände. Dass Grube beim Rundgang auch Jens Dierke trifft, ist kein Zufall. Dierke ist Servicebereichsleiter und nun auch so eine Art Deichgraf im Fahrzeugwerk. Der Breeser hat sein Wissen und Können als gestandener Feuerwehrmann eingebracht, als im Betrieb der Sicherheitsdamm gebaut werden musste.

Dietmar Schmidt sagt, er ist froh, Mitarbeiter wie Dierke im Werk zu haben. Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn belässt es nicht bei einem freundlichen Händeschütteln: "Ich lade Sie und Ihre Frau zu mir nach Berlin ein", sagt er. Eine Einladung, die er in ähnlicher Form gestern Vormittag noch einmal ausspricht. Sie gilt Auszubildenden im Betrieb. "Alle, die hier in den letzten Tage mitgeholfen haben, und wenn es 60 Azubis sein sollten, lade ich auf ein Bier ein, oder wir treffen uns zu einem Mittag- oder Abendessen", sagt er den jungen Männern, die in den letzten Tagen Tausende Sandsäcke füllten und verbauten. David Sondermann ist einer von ihnen. "Dass ich schon in meinem ersten Lehrjahr dem Bahnchef die Hand geben konnte, das werde ich so schnell nicht vergessen", sagt der junge Mann. Natürlich wollen er und seine Azubi-Kollegen der Einladung nach Berlin folgen. Ein solches Dankeschön gebe es doch wirklich nicht alle Tage, da sind sie sich einig.

Die Mitarbeiter im Fahrzeugwerk, als dem größten Arbeitgeber in der Region, haben dafür gesorgt, dass die Produktion auch in der Ausnahmesituation weitergehen konnte. "Wenn man durch die Hallen geht, sich vorstellt, alles einschließlich der teuren Technik wäre im Wasser versunken, dann kann man erst die Bedeutung dessen ermessen, was hier geleistet wurde", so der Bahnchef.

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