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Der Prignitzer

21. Oktober 2017 | 03:33 Uhr

Perleberg : Auf Du und Du mit Vogel Strauß

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Farm der gefiederten Schnellläufer mitten in der Stadt hat viele Besucher bereits auf den Geschmack gebracht

von
erstellt am 25.Aug.2017 | 12:00 Uhr

Über den Geschmack ist Dietmar Joesten 2004 im wahrsten Sinne des Wortes auf den Vogel gekommen, genauer gesagt auf Vogel Strauß. Seither haben diese Schnellläufer, die es auf immerhin 70 km/h bringen, ihr Domizil mitten in der Kleingartenanlage an der ehemaligen B 5 und damit mitten in Perleberg. „Uns kann man zu Fuß erreichen“, fügt Barbara Selent schmunzelnd an. Sie ist die gute Seele der Straußenfarm und vor allem des Hofladens. Und sie ist offensichtlich auch Gustavs heimlicher Schwarm. Wenn sie sich dem Gehege des neun Jahre alten Hahns nähert, dann schmeißt er sich in Pose. Karl, sein jüngerer Artgenosse, hat da kaum eine Chance.

Gustav ist so eine Art Maskottchen der Straußenfarm und gibt hier auch den Ton unter den Artgenossen an. Wenn man meint, das Röhren eines Hirsches aus der Kleingartenanlage zu vernehmen, dann ist Gustav auf Freiersfüßen bzw. hat gerade wieder für Nachwuchs gesorgt. Eigens dafür wirft er sich natürlich auch in Schale – roter Schnabel und gleichfarbige Schienbeine.

20 Küken tummeln sich derzeit auf der Farm, „wir hatten teilweise schon über 100 Strauße hier“, berichtete Barbara Selent. Allerdings übernahm der Brutkasten da die Mutterpflichten. Seit vier Jahren gibt einzig Mutter Natur vor, wie viele Straußenjunge nach sechs Wochen Brutzeit in die Vogelkinderkrippe kommen. Ob Henne oder Hahn, das bleibt aber vorerst noch ein Geheimnis, denn erst mit anderthalb bis zwei Jahren könne man das Geschlecht erkennen, sorgt Barbara Selent für Aufklärung. Da sind die Tiere längst dem Krippenalter entwachsen, denn wenn die Klappe von den schützenden vier Wänden ins Freigehege zu klein geworden ist, geht es in den Straußenkindergarten. Und hier lernen die Kleinen von den Großen, eben wie in einem Kindergarten.

Übrigens, in diesen Tagen bzw. Anfang September wird wieder Nachwuchs erwartet. Und was sich da durch die Eierschale ans Licht der Welt pickt, ist alles andere als flauschig. „Stoppelig trifft es eher“, gesteht die Vogelmutter ehrenhalber.

An die 65 Jahre, bis auf ein Gardemaß von 2,60 Metern und bis zu stattlichen 150 Kilo können es Strauße bringen. „Gustav dürfte so um die 2,40 Meter groß sein“, schätzt Barbara Selent und eben noch ein Jungspund. Während die Hennen für Nachschub in Gestalt von Eiern, Fleisch und Wurst etc. im Hofladen sorgen, wird der stolze Hahn wohl noch sein Gnadenbrot auf der Farm bekommen.

Die Straußenfarm in der Kleingartenanlage ist längst in vieler Munde. Wen wundert’s, gilt das Fleisch der Schnellläufer doch als zart und überaus fett- und cholesterinarm. Letzteres trifft auch auf die Eier zu. Eines dieser Riesenvögel entspricht der Menge von rund 15 Hühnereiern und so reicht es spielend für eine sechsköpfige Familie, was da in der Pfanne brutzelt. Will man jedoch ein gekochtes Frühstücksei vom Strauß, dann heißt es den Wecker früher zu stellen, denn jenes braucht schon seine 90 Minuten. „Aber es schmeckt. Einziges Problem, es gibt noch keine passenden Eierbecher“, ergänzt Barbara Selent und der Schalk blitzt aus ihren Augen. Stichwort Augen – die von Gustav und seinen Artgenossen sind wunderschön groß und die langen Wimpern lassen jede Frau vor Neid erblassen. Ansonsten ist schon erstaunlich, was mit kurzem Gras – langes mögen sie nicht –, Pellets und Getreidebrei für stattliche Vögel heran wachsen. Füttern ist hier Chefsache. Unterstützt wird Dietmar Joesten dabei von seiner Frau Silke und beide trifft man so auch täglich auf der Farm an. Schließlich müsse nach den Tieren gesehen werden, denn Medikamente für die großen Vögel gibt es nicht. Die kommen aber überaus gut mit dem hiesigen Klima zurecht. Bei Wind und Wetter zieht es sie nach draußen. „Sie versammeln sich sitzend im Kreis und erzählen sich ihre Vogelläuschen“, schlussfolgert Barbara Selent lachend. Obwohl in freier Wildbahn die Strauße in weitaus wärmeren Gefilden vorkommen, so sie lieben sie dennoch Temperaturen um die 24 Grad Celsius. Wenn hingegen die Sonne so richtig vom Firmament scheint, dann sind die Plätze unter den schattigen Bäumen, die es auf der Farm ausreichend gibt, die begehrtesten. Ihr Zuhause ist schon nahezu ideal und so wachsen sie auch auf, bevor sie dann an Ort und Stelle geschlachtet und als Filet, Steak oder Wurst, letztere macht die Fleischerei Hildebrandt, wieder Leute auf den Geschmack bringen.
 

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