Diplomatischer Salon : Auf der Elbe lohnt jede Aktivität

Martin Hoeck (l.), Dagmar Ziegler und Lutz Lange (r.) sprechen mit Tschechiens Botschafter Tomáš Jan Podivínský über Ideen, wie die Elbe touristisch besser genutzt werden kann.
Martin Hoeck (l.), Dagmar Ziegler und Lutz Lange (r.) sprechen mit Tschechiens Botschafter Tomáš Jan Podivínský über Ideen, wie die Elbe touristisch besser genutzt werden kann.

Tschechiens Botschafter befürwortet den Tourismus und die Binnenschifffahrt. Der diplomatische Salon erwartet einen Gast aus Malta.

svz.de von
07. Dezember 2018, 05:00 Uhr

Bla bla sei nicht sein Ding. Statt vieler Worte bevorzugt Tschechiens Botschafter Tomáš Jan Podivínský Taten. Vom Diplomatischen Salon in Wittenberge kehrte er Mittwochabend mit Ideen zurück nach Berlin.

Auf einem Treffen vorab mit dem Wachstumskern (RWK) ging es um touristische Ideen für die Elbe. Parallel zum beliebten Elberadweg und Caravanplätzen soll eine Kanuwanderstrecke entwickelt werden. Botschafter Podivínský sei bereit, selbst ins Kanu zu steigen, die Strecke zu bewerben, sagt RWK-Sprecher Lutz Lange. Anliegende Gemeinden, das Projekt Kurs Elbe sowie Touristiker wollen Möglichkeiten suchen, diese Idee umzusetzen.

Im Salon wandte sich Podivínský direkt an die rund 80 Gäste: „Wenn Sie Ideen haben, wenn Sie Kontakte zu Unternehmen suchen oder eine Konferenz in unserer Berliner Botschaft wünschen, wenden Sie sich an uns, an mich.“

Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen seinem Land und Deutschland sind stark. Etwa 5000 deutsche Unternehmen seien in Tschechien aktiv. „Das Handelsvolumen zwischen unseren Ländern ist das achte Jahr in Folge um sechs bis neun Prozent gestiegen“, sagte Podivínský.

Ein Drittel des tschechischen Exports gehe nach Deutschland, 50 Prozent davon über den Hamburger Hafen in alle Welt. Deshalb trete er persönlich und Tschechien für eine bessere Befahrbarkeit der Elbe ein. „Wir brauchen an 345 Tagen im Jahr eine ausreichende Fahrrinnentiefe.“ Nahezu der gesamte Warentransport laufe über die Straße. „Die Reedereien sagen uns, die Zuverlässigkeit der Elbe fehlt.“ Das müsse sich ändern. Er sei für Umweltschutz, war selbst Umweltminister. „Aber ich habe etwas gegen Ökoterroristen.“

Das Thema Elbe steht in der Prignitz und im Wachstumskern seit Jahren auf der Tagesordnung. In zähen Verhandlungen hatten Bundestag und Umweltverbände ein Gesamtkonzept Elbe entworfen. Für 300 Millionen Euro soll in den kommenden 20 bis 30 Jahren die Befahrbarkeit des Flusses durch verschiedene Maßnahmen verbessert werden. Daran mitgearbeitet hat die Abgeordnete Dagmar Ziegler (SPD). Botschafter Podivínský und Ziegler kennen sich gut, mögen sich, was an diesem Abend deutlich wurde. Genau wie er, stehe sie für Taten und weniger für Worte, sagte Podivínský.

Von Moderator Benjamin Lassiwe auf die Haltung zur EU angesprochen, blieb Podivínský ganz der Diplomat. „Wir Tschechen wissen, wie wichtig die EU ist.“ Das Land wende sich nicht gegen die Union, „aber unsere Bürger jammern gerne und sie haben das Gefühl, Brüssel bevormunde sie“.

In der Landesgeschichte mussten die Tschechen häufig Bevormundung ertragen, daher die Ablehnung. Lassiwe hatte den Botschafter mit dem aktuellen EU-Barometer konfrontiert. Eine Mehrheit der Tschechen ist gegen einen Verbleib in der Union. Nur in Italien ist die Ablehnung noch größer.

Dass sich Tomáš Jan Podivínský sozial stark engagiert, erzählte er bei einem Treffen vorab mit den Rotary Clubs Perleberg und Wittstock. So unterstützt er mit seinem Prager Club unter anderem krebskranke Kinder, Behinderte, setzt sich für Jugendaustausch und für internationale Hilfsprojekte ein.

Wie schon für die Wirtschaft regte er auch auf der rotarischen Ebene eine Zusammenarbeit der Clubs entlang der Elbe an. Mögliche Themen könnten Kultur, regionale Produkte oder der Tourismus sein. Anregungen, die die Prignitzer Rotarier aufgreifen und bei einem Besuch in Prag vertiefen wollen.

Der Diplomatische Salon ist eine Veranstaltung der Hoeck-Stiftung und des Prignitzers. Als nächsten Gast begrüßen wir Maltas Botschafter Albert Friggieri. Als möglicher Termin ist März 2019 im Gespräch.

Hanno Taufenbach

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