Forstwirtschaft : Auf dem Weg zur Baumkrone

Günter Pump ist bereit, die 50 Meter hohe Douglasie zu erklimmen. Oben warten 20 bis 30 Kilogramm Zapfen.
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Günter Pump ist bereit, die 50 Meter hohe Douglasie zu erklimmen. Oben warten 20 bis 30 Kilogramm Zapfen.

Der Zapfenpflücker Günter Pump klettert auf eine Douglasie im Gadower Forst. Sein Ziel: So viele Zapfen wie möglich herunterzubringen

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18. August 2015, 12:00 Uhr

Das Klettergeschirr ist angelegt, die Spezialschuhe einsatzbereit, der Zapfenpflückerstab in der Hand, ein leerer Sack am Gürtel befestigt und zu guter Letzt auch noch das Seil um den Baum gelegt: Nun kann es endlich losgehen – der Aufstieg zur Baumkrone. Denn dort oben, in ungefähr 50 Metern Höhe, hängen die Zapfen der Douglasie mit ihren begehrten Samen, die Günter Pump einsammeln möchte.

Seit 7 Uhr morgens ist der Zapfensammler in dem Gadower Forst unterwegs. Mit einem Fernglas habe er zuvor in die Wipfel geschaut, erzählt er. Schließlich müsse sich ein Aufstieg auch lohnen. Oben angekommen, werden dann zuallererst mehrere Zapfen angeschnitten und geschaut, ob diese nicht gar hohl oder von Insekten befallen sind. Schließlich können nur aus funktionstüchtigen Samen später einmal neue Douglasien wachsen.

„20 bis 30 Kilogramm Zapfen werden pro Baum ungefähr gesammelt“, so Pump. Drei, maximal vier Douglasien schaffe er an einem Arbeitstag zu erklimmen. „Es ist schön dort oben“, sagt er und erzählt, dass ein Zapfensammler vor allem eins sein muss – schwindelfrei. Seit 23 Jahren klettere nun bereits in die Baumkronen. „Ich bin früher zum Sammeln auch durch ganz Deutschland gefahren, nun bin ich aber vor allem im Gadower Forst unterwegs“, so Pump.

Er ist einer von schätzungsweise 100 Zapfenpflückern, die es in Deutschland gibt, sagt der Geschäftsführer der Forstbetriebsgemeinschaft Ferbitz, Holger Galonska, der an diesem Tag mit im Wald ist. Auch Galonska selbst sammle ab und zu hier Zapfen und habe vor geraumer Zeit einmal Zapfenpflücker ausgebildet. So ist auch Günter Pump dazu gekommen. Doch nicht viele bleiben nach der Ausbildung dabei: „Maximal zehn Prozent üben die Tätigkeit später noch aus“, sagt Galonska. Die knochenharte Arbeit sowie die schwindelerregende Höhe schrecken einige dann doch ab.

Günter Pump mache die Höhe aber nichts aus. „Man muss ja nicht nach unten schauen“, sagt er lächelnd. Außerdem mache seiner Meinung nach das Abseilen nach getaner Arbeit besonders viel Spaß.

Wieder am Waldboden angekommen, werden die Zapfen dann in die Säcke verteilt und anschließend am Forsthaus gesammelt. „Eine Tonne liegt hier bereits“, sagt Galonska. Insgesamt vier bis fünf Tonnen sollen aus dem 100 Hektar großen Douglasienbestand des Gadower Forstes herausgeholt werden. „Das Gold des Waldes“, wie Galonska die Zapfen nennt, könne nämlich nicht jedes Jahr gepflückt werden. Alle sechs bis sieben Jahre ist es soweit, erzählt er. Die Nachfrage an den Zapfensamen sei groß. „Die Douglasie hält dem Klimawandel stand und zählt zu den gesündesten Bäumen in Deutschland“, erzählt er. Deshalb sind die Samen bei Saatgutbetrieben und Baumschulen sehr begehrt.

Und so heißt es für Günter Pump an diesem Tag wieder rauf auf den nächsten Baum. Denn ans Aufhören denkt der 57-Jährige noch lange nicht: „So lange ich noch fit bin, werde ich weiter klettern und die Zapfen pflücken.“

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