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Der Prignitzer

11. Dezember 2017 | 20:13 Uhr

Organspende : Auf dem Weg in ein neues Leben

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Fernando Runge bekommt eine Niere seiner Mutter / heute findet die ersehnte Transplantation an der Uniklinik Rostock statt

von
erstellt am 03.Jun.2014 | 08:00 Uhr

Wenn Fernando Runge heute Vormittag die Narkose umfängt, kann der 24-Jährige aus Wüsten Vahrnow in der Gewissheit einschlafen, dass für ihn ein neues Leben beginnt, wenn er wieder aufwacht. Fernando Runge bekommt von seiner Mutter eine Niere gespendet. Spontan verreisen, mehr Zeit für die Freundin, Badminton spielen, wieder voll arbeiten – für Fernando soll ein normales Leben beginnen. „Angst habe ich keine“, sagte er gestern Vormittag, knapp 24 Stunden vor der OP. „Es kann ja nur besser werden.“ Zahlreiche Tests haben er und seine Mutter noch über sich ergehen lassen müssen, die Ärzte wollen jedes zusätzliche Risiko durch Infektionen ausschließen.

Im Alter von einem Jahr beginnt Fernandos Leidensweg mit einer Viruserkrankung. „Die hat meine Nieren mit der Zeit so geschwächt, dass ich seit anderthalb Jahren alle zwei Tage zur Dialyse nach Perleberg muss, jedes Mal sechs Stunden“, sagt Fernando, der im Anschluss an die Blutwäsche immer sechs Stunden als Bürokaufmann bei der Firma Schröder Transporte in Perleberg arbeitet, wobei er beinahe alle zehn Minuten eine Pause braucht. Abends fällt er dann erledigt ins Bett.

Sein einziger Ausweg aus dieser Situation: ein Spenderorgan. Die Wartezeit dafür beträgt üblicher Weise um die acht Jahre. Eine Chance auf frühere Besserung bietet eine Lebendspende, die nur unter Verwandten erlaubt ist. Für Fernandos Mutter ist es keine Frage, ihrem Sohn zu helfen. „Ich habe sofort Ja gesagt, habe keine Angst und bin überglücklich, dass es klappt“, sagt Carmen Runge. Glauben könne auch sie das alles noch immer nicht richtig – „Wahnsinn“ sei die medizinische Entwicklung.

Warum macht sie das für mich? Diese Frage habe sich Fernando unter Tränen gestellt, sagt er. „Als ich vor zwei Wochen erfuhr, dass mir die Niere meiner Mutter implantiert wird, habe ich vor Freude geweint.“ Er habe seine Mutter dann erst mal in den Arm genommen. Bis zu diesem Lichtblick gab es zahlreiche Rückschläge. Zunächst habe Fernandos Vater Frank seine Niere spenden wollen, die jedoch nicht vollkommen gesund ist. Als dann das Organ der Mutter getestet wurde, lag der Hepatitis-Wert nicht in der Norm, und eine Ohr-OP von Fernando kam auch noch dazwischen.

Doch nun ist der Weg in ein „zweites Leben“, wie der junge Mann es nennt, frei: Alle Werte liegen im Normalbereich, die Voruntersuchungen und psychologischen Gespräche sind überstanden, und Fernando hat Immunsuppressiva eingenommen, die sein Abwehrsystem herunterfahren, damit das neue Organ vom Körper nicht abgestoßen wird. „Wir transplantieren nur, wenn das Organ völlig gesund ist, der Spender wird diagnostisch komplett auf den Kopf gestellt“, sagt Professor Dr. Oliver Hakenberg, Leiter der Urologie am Universitätsklinikum Rostock. Dazu komme eine genaue Untersuchung der Anatomie des Organs. „Es gibt Nieren mit zwei und welche mit drei Arterien. Das müssen wir vorher wissen, um die Operation gut vorbereiten zu können.“

Der Eingriff selbst sei über viele Jahrzenhnte – die erste erfolgreiche Nierentransplantation gelang 1954 in den USA – technisch perfektioniert worden. „Die Entnahme der Niere dauert rund zwei Stunden, man muss extrem vorsichtig arbeiten, um das Organ und den Spender nicht zu verletzen“, so Hakenberg. Anschließend wird die Niere mit einer eisgekühlten Lösung gespült, um sämtliches Blut des Spenders zu entfernen. „Die Transplantation dauert dann noch einmal rund drei Stunden.“ Eine Lebendspende sei aber noch immer eine Herausforderung. „Es hängen eben zwei Leben dran, das sorgt bei aller professioneller Routine für eine gewisse Anspannung“, gibt der Arzt zu. Schließlich bleibe das Risiko, dass der Körper das Organ abstößt. „Eine Erfolgsgarnatie gibt es nicht.“

Wenn die beiden Operationen geglückt sind, beginnt für Fernando die Reha. „Der Spender kann nach einer Woche nach Hause oder eine Kur antreten“, sagt Operateur Hakenberg. Der Empfänger bleibe zwei bis drei Wochen in der Klinik und komme anschließend zur Reha. „Das ist notwendig, damit er den Umgang mit seinem neuen Organ und den Medikamenten, die er lebenslang zur Kontrolle des Immunsystems einnehmen muss, lernt.“

Nach dieser persönlichen Erfahrung mit der Organspende will sich Fernandos ganze Familie einen Organspendeausweis besorgen. „Es ist ein wichtiges Thema, mit dem man sich erst so richtig beschäftigt, wenn man selbst betroffen ist“, sagt Fernando. Auch aus diesem Grund habe er den Kontakt zur Zeitung gesucht. „Unsere Geschichte soll andere motivieren, sich überdie Organspende zu informieren. Das ist mir wichtig.“

Fernandos Freundin Michelle blickt ebenso hoffnungsvoll auf die Zeit nach der OP. „Ich freue mich schon darauf, dass Fernando dann mehr Elan haben wird und wir auch mal spontan wegfahren können.“

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