Auf dem Abstellgleis

Verlassen und  vergessen, sehen viele dieser alten Bahnhöfe heute aus.
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Verlassen und vergessen, sehen viele dieser alten Bahnhöfe heute aus.

Was soll aus den Bahnhöfen werden? Zeugnisse der Eisenbahngeschichte als denkmalpflegerische Aufgabe

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18. Juli 2014, 17:16 Uhr

Matthias Baxmann lenkt in der jetzt erschienenen Halbjahreszeitschrift „Brandenburgische Denkmalpflege Heft 2/2013“ den Blick auf „Zeugnisse der Eisenbahngeschichte als denkmalpflegerische Aufgabe“.

Es geht dabei vor allem um die Bahnhöfe. In dem Beitrag finden sich Abbildungen der Bahnanlagen in Wittenberge, Klein Warnow, Bad Wilsnack und Streesow. Die klassizistischen Bahnhöfe an der Berlin-Hamburger Strecke mit ihrer auf Schinkel zurückgehenden Verschränkung von ästhetischem Anspruch und Funktionalität gelten als Vorboten der Moderne und zeugen vom Aufbruch in ein neues Zeitalter. Baxmann hält aber fest: „Leider scheint diesem kulturellen Erbe gegenwärtig nicht die Wertschätzung zuzukommen, die ihm eigentlich gebührt. Meist sind die Bahnhofsempfangsgebäude in Bad Wilsnack, Friesack, Glöwen, Karstädt, Klein Warnow, Neustadt an der Dosse, Paulinenaue, Wittenberge und Zernitz von jeglichem Bahnbetrieb abgekoppelt und verströmen, nachdem sie 150 Jahre betriebliche Nutzung, Krieg und die Mangelwirtschaft der DDR überstanden haben, in den allermeisten Fällen den morbiden Charme des Verfalls oder werden zur grotesken Projektionsfläche von städtisch subventionierten Comicstrips der Heimat- und Stadtgeschichte wie in Bad Wilsnack.“

Die Verbindung der Bahn mit den Städten und Gemeinden sowie dem Umland über die Bahnhöfe war im 19. Jahrhundert eine enorme Herausforderung für Planer und Architekten, lagen die Haltepunkte doch weit ab von den mittelalterlichen Stadtzentren, was heute gar nicht mehr so auffällt, da die meist „Bahnstraße“ genannte Verbindung sofort mit Wohnhäusern bebaut wurde.

Ein Eisenbahnanschluss führte zur Aufwertung der Städte und Landgemeinden, zudem initiierte er einen Bauboom. Baxmann betont: „Die Eisenbahn wurde überall zur Initialzündung einer neuen Zeit und eines grundlegenden gesellschaftlichen Wandels“, ist doch die Eisenbahn eng mit der technik- und wirtschaftsgeschichtlichen, politischen, militärischen, sozialen und kulturellen Geschichte des Landes verbunden. Betrachtet man aber heute den Zustand der vorhandenen Bahninfrastruktur, scheint diese am Beginn des 21. Jahrhunderts nicht mehr den Erfordernissen einer modernen Massenverkehrsgesellschaft zu entsprechen. Dabei war die Bahn bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts der Inbegriff des beschleunigten Lebens. „Darüber hinaus verkörperte sie die Duplizität von Demokratisierung des Reisens und Abbild der Klassengesellschaft des Industriezeitalters, wovon die denkmalgeschützten Zeugnisse des Eisenbahnverkehrs in Brandenburg ein beeindruckendes Zeugnis ablegen“, so Baxmann. Eine neue Nutzung der von der Deutschen Bahn AG aufgegebenen Bahnhöfe bleibt eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung.



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