Freiwilligendienst : Auf Augenhöhe mit den Opfern

Marie Glissmann trifft Überlebende des Holocaust und ehemalige Zwangsarbeiter, spricht mit ihnen über ihr Leben, hilft ihnen im Alltag.
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Marie Glissmann trifft Überlebende des Holocaust und ehemalige Zwangsarbeiter, spricht mit ihnen über ihr Leben, hilft ihnen im Alltag.

Prignitzerin Marie Glissmann engagiert sich sozial in Minsk und trifft Überlebende des Holocaust – Teil I unseres Porträts

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01. September 2015, 12:00 Uhr

Seit einem Jahr engagiert sich die Prignitzerin Marie Glissmann in Weißrussland für soziale Projekte. Unsere Autorin hat sie besucht und berichtet in zwei Teilen über ihre Arbeit, ihre Erfahrungen.

Marie Glissmann steht am Bahnhof von Minsk und läuft ihrer Besucherin entgegen. Die 21-jährige lebt dort seit einem Jahr am Stadtrand von Minsk, wo architektonisch abwechslungsreich gestaltete Plattenbaukolosse die alten Holzhaussiedlungen verdrängen.

Während der 40-minütigen Busfahrt Richtung Malinowka, erreichen wie die Freiwilligenwohngemeinschaft im Südwesten von Minsk über Stadtautobahnen, die weitläufig an Wiesen und Parks angrenzen. In der WG leben zwei weitere junge Frauen: Berit und Helene, die über Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, ASF, ein Jahr lang in einem anderen Land Erfahrungen sammeln wollen.

Für Geschichte hat sich Marie Glissmann schon als Abiturientin interessiert, sie nahm teil an Jugendgeschichtsprojekten am Wittenberger OSZ und begegnete dort neben ihrem Geschichtsunterricht auch Zeitzeugen, die Geschichte anhand eigener Erfahrungen vermittelten und stellte ihre Arbeitsergebnisse in Jugendgeschichtsmessen in Potsdam vor. Sie engagiert sich politisch bei den Jusos, wird für ein Jahr deren stellvertretende Vorsitzende. Sie beginnt, die Gebärdensprache zu lernen, nimmt an einer Israelreise für Jugendliche teil und möchte vor ihrem Studium ein Jahr lang in einem anderen Land leben und arbeiten.

Viele Jugendliche wollen nach Israel, für die 21-jährige ist aber Belarus viel spannender, darum bewirbt sie sich für dieses Land, nimmt nach dem Abitur und einem Vorbereitungstraining in Deutschland und in der Ukraine teil und reist im September 2014 nach Minsk.

Es geht um die Interessen der Opfer des Nationalsozialismus, des Holocaust, sowie der Veteranen des Zweiten Weltkrieges , um soziale Hilfeleistung und Unterstützung für die Opfer des Nationalsozialismus.

Fünf Tage in der Woche bietet Marie Glissmann diese Hilfeleistung, jeden Tag an einem anderen Ort. Sie besucht Seniorinnen, Überlebende des Holocaust, kauft für sie ein, putzt die Wohnung und spricht viel mit ihnen über ihre Erfahrungen und notiert ihre Schicksale.

Parallel dazu wirkt sie im jüdischen Sozialzentrum Chessed Rahamin, im Kinderkrebskrankenhaus Barawljany, besucht Menschen in einem jüdischen Seniorenheim, lernt Behinderteneinrichtungen kennen und freundet sich in der Geschichtswerkstatt mit ehemalige Zwangsarbeiterinnen an, die ihr von ihren Schicksalen in einer Ausstellung erzählen.

Marie Glissmann bereitet Veranstaltungen für Holocaustopfer und ehemalige Zwangsarbeiter vor. Geschäftsführerin Anshelika Anoschko bescheinigt ihr herausragendes Engagement bei ihrer Arbeit mit den Opfern. Besonders von ihrem hohen Empathievermögen und ihrer Spontaneität sei sie begeistert.  

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