zur Navigation springen

Landkreis Prignitz : Asylbewerber: Kapazität wird enger

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Dezentrale Unterbringung mit unbestrittenen Vorteilen stößt über kurz oder lang an ihre Grenzen / Künftig doch zentrale Unterbringung?

von
erstellt am 20.Mai.2015 | 12:00 Uhr

Der Landkreis Prignitz bringt als einziger in ganz Brandenburg alle Asylbewerber in Wohnungen unter. Bei den stark gestiegenen Zahlen, stößt dieses System an seine Grenzen. Zwar wird es schwerer, Wohnungen zu finden, dennoch hält der Kreis an diesem Konzept fest. Probleme sind vorprogrammiert.

Seit Monaten sucht die Verwaltung in allen Gemeinden aktiv nach freien Wohnraum, spricht gezielt kommunale und private Vermieter an. Um allen eine Wohnung geben zu können, weicht der Kreis auf abgelegene Dörfer aus. In der vergangenen Woche kamen erste Asylbewerber nach Lenzen. Auch in Baek und Glöwen leben welche.

Baek besitzt keine Einkaufsmöglichkeit, es gibt keinen Arzt, keine öffentliche Schule, aber eine private. Die betreibt neben der Kommune auch den zweiten Kindergarten im Dorf. „Eine gewisse soziale Infrastruktur ist damit vorhanden“, sagt Christian Müller, erster Beigeordneter des Landrates und zuständig für die Asylbewerber.

Die Gemeinde Groß Pankow wollte gern Asylbewerber aufnehmen, freien Wohnraum gab es aber nur in Baek, so Müller. Gemeinsam mit der Awo, die die Asylbewerber betreut, habe der Kreis zugestimmt. Ein Einkaufsmarkt im Ort sei von Vorteil, aber nicht das wichtigste Argument.

„Die Erfahrung zeigt, dass die meisten zu einem Großeinkauf nach Berlin fahren, sich dort mit Lebensmitteln eindecken“, erklärt Müller. Hauptgrund seien landestypische Angebote von Lebensmitteln, die es in deutschen Supermärkten in der Regel nicht gebe.

Dass der Kreis jede angebotene Wohnung nehme, sei ein falscher Eindruck. „Wir haben Wohnungen auf Grund ihrer Lage auch schon abgelehnt“, sagt Müller. Eine gute Zusammenarbeit gebe es mit den großen Vermietern in den Städten. „Genossenschaften haben sich ebenfalls geöffnet, verzichten teilweise auf den Pflichtbeitrag, den ihre Mieter sonst für eine Mitgliedschaft zahlen müssen.“

Dass alle Wohnungen eines Aufgangs oder gar eines ganzen Wohnblocks für Asylbewerber angemietet werden, sei nicht der Fall und auch künftig nicht beabsichtigt. Zumindest aus heutiger Sicht, denn der Zustrom wird unvermindert anhalten, gibt sich Christian Müller keiner Illusion hin. Schon im vergangenen Jahr wurde die Zahl der ankommenden Menschen nach oben korrigiert und sie steigt weiter. In diesem Jahr sollte der Kreis ursprünglich 330 Personen aufnehmen, inzwischen wird von 528 Menschen gesprochen. Tendenziell eher noch mehr.

Das bereitet einigen Kommunen Sorge. Offen mag darüber kaum jemand sprechen, aber Karstädt macht es. Rund 50 Asylbewerber und Flüchtlingen leben bereits im Ort. Sie waren willkommen. Aber jetzt diskutiert die Verwaltung darüber, keine weiteren kommunalen Wohnungen anzubieten. In dieser Woche positioniert sich dazu die Gemeindevertretung.

Der Kreis reagiert offiziell gelassen. „Wir lassen uns nicht vorschreiben, wo wir Asylbewerber unterbringen“, sagt Müller. Er begreift die Thematik auch als eine Chance für die Region: „Wir werden älter und wir werden weniger“, sagt er. Widersprechen kann man dem nicht. Für die vermieteten Wohnungen fließen Mieten, die längst versiegt waren.

In Lenzen hat ein privater Vermieter vier Wohnungen renoviert, die lange Zeit leer standen und auch Berge saniert kommunale Wohnungen, für die sich schwerlich heimische Interessenten gefunden hätten. Dennoch weiß auch Christian Müller dass bei allen Vorteilen der dezentralen Unterbringung die Kapazitäten früher oder später erschöpft sind. Ja, der Kreis suche nach Alternativen, räumt er ein. Müller schließt ein zentrales Heim nicht mehr kategorisch aus. Wie weit die Pläne gediehen sind, welche Immobilien oder Ortschaften im Gespräch sind, lässt er offen. Das letzte zentrale Heim befand sich in Perleberg, ist aber abgerissen worden. Die Zahl der Asylbewerber war damals weit unter 100 gesunken. 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen