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Der Prignitzer

22. November 2017 | 08:38 Uhr

Asylbewerber bleiben in Wohnungen

vom

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erstellt am 30.Jul.2013 | 06:18 Uhr

Prignitz | Hungerstreik unter den brandenburgischen Asylbewerbern, unschöne Lebensbedingungen in der Erstaufnahmeeinrichtung in Eisenhüttenstadt und Landkreise, die laut Innenstaatssekretär Rudolf Zeeb gar über eine Unterbringung in Zelten oder Turnhallen nachdenken - das ist die Situation der Asylbewerber in Brandenburg, im Sommer 2013. Im Landkreis Prignitz ist die Situation eine völlig andere. Hier leben die Asylbewerber in Wohnungen und das soll auch so bleiben.

Wenn Rudolf Zeeb mehr Anstrengungen von den Landkreisen fordert, kann die Prignitz sich zurücklehnen. "Seit dem 1. Juli 2009 haben wir kein zentrales Heim mehr, sondern bringen alle Asylbewerber in Wohnungen unter", sagt Torsten Uhe, Erster Beigeordneter des Landrates. Damit folge der Kreis nicht nur einer Empfehlung der Landesregierung, sondern sei zugleich der einzige Kreis im Land, der alle Flüchtlinge in Wohnungen einquartiert.

Daran habe sich aktuell nichts geändert, auch wenn die Zahl der Flüchtlinge in der Prignitz wie im gesamten Land stärker steigt, als erwartet. Mit 2000 Asylbewerbern hatte das Land in diesem Jahr gerechnet, die Prognose mittlerweile aber auf 3307 korrigiert. In die Prignitz sollten laut dem Verteilungsschlüssel statt 74 jetzt 114 Flüchtlinge kommen. Da der Kreis aber bereits im vergangenen Jahr mehr aufgenommen habe, als er musste, seien es weniger. Die zuständige Sachbereichsleiterin Korina Baade-Dams spricht von 93 Menschen. 57 seien bis einschließlich Juli bereits angekommen.

Nach Anhebung der Prognosen habe Korina Baade-Dams mit großen Vermietern im Kreis gesprochen, Kapazitäten abgefragt. Insgesamt seien in Perleberg und Wittenberge 42 Wohnungen angemietet. In Pritzwalk ist es eine Wohnung, drei werden dort noch vorbereitet. Auch für das nächste Jahr hätten die Vermieter Wohnungen angeboten. "Deshalb können wir sagen, dass wir aus heutiger Sicht mit den bisher bekannten Flüchtlingszahlen keine Übergangseinrichtung brauchen werden", erklärt Torsten Uhe. Der regionale Wohnungsmarkt sei aber auch bei weitem nicht so angespannt wie in den berlinnahen Kreisen.

Dem Landkreis stehen pro Jahr und Asylbewerber 7480 Euro zur Verfügung. Davon müsse nicht nur die Miete, sondern auch die Wohnungseinrichtung bezahlt werden. Zu der gehört eine Grundausstattung mit Betten, Tischen, Schränken. Auch Behandlungskosten fallen unter diese Pauschale. Ein Schnupfen ebenso, wie eine Operation. "Mehrkosten muss der Kreis alleine tragen", sagt Uhe. Und falls sich das Antragsverfahren in die Länge zieht, werde die Pauschale nach dem vierten Jahr gestrichen, der Kreis trage dann alle Kosten. Aktuell trifft das auf zehn Personen zu, ergänzt Korina Baade-Dams.

Der Kreis erhebt zugleich eine Forderung an das Land. Dieses gewähre zusätzlich zur Pauschale Zuschüsse für die Übergangseinrichtungen. "Aber für Wohnungen gibt es keinen Zuschuss, obwohl das Land ja gerade diese Form der Unterbringung fordert", weist Torsten Uhe auf einen eklatanten Widerspruch hin. Wenn aber politisch Wohnungen für Asylbewerber gewollt seien, müsste das finanziell berücksichtigt werden, formuliert Uhe die Auffassung des Landkreises Prignitz.

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