Industrie : Asiaten übernehmen Chemiewerk

Die Esteranlage ist das Herzstück des Wittenberger Werkes. Hier werden Azubis durch das komplexe System geführt.
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Die Esteranlage ist das Herzstück des Wittenberger Werkes. Hier werden Azubis durch das komplexe System geführt.

Cremer Oleo verkauft Standorte in Wittenberge und Witten (NRW) an Ölchemie-Konzern aus Malaysia

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10. September 2015, 17:04 Uhr

Das Wittenberger Chemiewerk im Industriegebiet Süd hat einen neuen Eigentümer. Vorbehaltlich der Zustimmung zuständiger Behörden übernimmt der Malaysische Konzern IOI Corporation das Werk vom bisherigen Betreiber Cremer Oleo sowie einen weiteren Produktionsstandort im westfälischen Witten und die dem Industriegeschäft zugeordneten Aktivitäten am Standort Hamburg, heißt es in einer Pressemitteilung von Cremer. Die insgesamt 250 Mitarbeiter, von denen rund 90 in Wittenberge beschäftigt sind, wurden gestern auf Mitarbeiterversammlungen durch die Cremer-Geschäftsleitung über die Veränderungen informiert.

Die IOIC ist eine an der Börse Malaysias notierte Aktiengesellschaft, mit mehr als 30  000 Mitarbeitern weltweit. Sie ist mit ihrem Tochterunternehmen IOI Oleochemical Industries (IOI Oleo) einer der weltweit führenden Produzenten oleochemischer Produkte, heißt es weiter. Ihre Aktivitäten umfassen die Produktion und den Vertrieb von Fettsäuren, Glyzerin, Seifennudeln und Fettsäure-Estern. Hier liegt der Schnittpunkt zu den beiden Cremer-Werken, deren Produktpalette mehr als 250 verschiedene Fettspezialitäten für die Produktion von Kosmetika, Pharmazie und Lebensmitteln sowie technische Anwendungen umfasst. In Wittenberge findet zusätzlich die Produktion von oleochemischen Basisprodukten statt.

„Es ist eine strategische Entscheidung der Cremer, die Sparte der Produktion zu veräußern“, sagte Unternehmenssprecher Oliver Schulz auf „Prignitzer“-Nachfrage. Man wolle sich perspektivisch mehr auf den Handel mit oleochemischen Grundstoffen konzentrieren. Bei der Suche nach einem Investor habe man Wert darauf gelegt, dass dieser die komplette Produktionssparte mit den Werken in Witten und Wittenberge und die zugehörigen Mitarbeiter in Hamburg übernimmt. „Das hat uns IOI auch so zugesichert, allerdings kann ich nicht für IOI sprechen, was die künftige Entwicklung der Standorte angeht“, sagte Schulz.

Bürgermeister Dr. Oliver Hermann würdigte das Engagement der Cremer Oleo in Wittenberge und sicherte dem neuen Eigentümer des Werkes eine gute Zusammenarbeit zu. „Die Prignitzer Chemie zählt zu den Traditionsunternehmen in Wittenberge. Wir danken der Firma Cremer für das langjährige Engagement hier in unserer Stadt sehr herzlich.“

Man wisse, dass nicht der Standort, sondern die Marktlage in einer globalisierten Welt die Ursache für den Verkauf ist. „Die IOI-Group als neuer Eigentümer ist ein weltweit agierendes börsennotiertes Unternehmen. Sie hat nach eigenem Bekunden die Standorte Witten und Wittenberge gewählt, um den Schlüsselmärkten in West- und Osteuropa näher zu sein. Das zeigt erneut, dass sich Wittenberge als Industriestandort im Wettbewerb behaupten kann“, so Hermann weiter.

Die malaysische Nachrichtenagentur Bernama vermeldete einen Kaufpreis von knapp 90 Millionen Euro, Cremer wollte dies aber nicht bestätigen. Laut Bernama verfolgt IOI mit dem Kauf das Ziel, sich mit Produktionskapazitäten in der EU zu platzieren. Außerdem erhoffe sich der Konzern einen Technologie- und Wissenstransfer zwischen Malaysia und Europa und will mit dem Engagement vor Ort die steigenden Importzölle auf oleochemische Produkte aus Malaysia in die EU umgehen. 

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