Arzt schlägt Alarm

<fettakgl>Diese Härchen des Eichenprozessionsspinners</fettakgl> lösen teils heftige Allergien aus.<foto>Hanno taufenbach</foto>
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Diese Härchen des Eichenprozessionsspinners lösen teils heftige Allergien aus.Hanno taufenbach

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19. Juni 2012, 10:54 Uhr

Lanz/Lenzen | Wenn Behördenmitarbeiter weiter das Problem Eichenprozessionsspinner banalisieren, sollten sie sich mal mit dem Lenzener Arzt Mathias Temmler unterhalten, der von bis zu 200 Patienten spricht, die über Beschwerden klagen. Unsere Zeitung traf nicht nur Temmler, sondern wagt auch einen Blick über Kreisgrenzen hinaus. In Rheinsberg reagierten beispielsweise Polizei und Rathaus.

Die Auswirkungen des sich explosionsartig ausbreitenden Eichenprozessionsspinners auf die in der Elbtalaue lebenden Menschen spürt Mathias Temmler seit Wochen. "Wir behandeln täglich gleich mehrere Patienten mit den typischen Symptomen", erzählt der Allgemeinmediziner vom Hausarztzentrum Temmler in Lenzen. 150 bis 200, so schätzt er, hätten sich allein in den zurückliegenden Wochen in der Praxis vorgestellt.

Meist würden die Patienten über stark juckenden Ausschlag klagen und über Atemprobleme nach dem Kontakt mit den giftigen Härchen der Raupen an unbedeckten Körperteilen. Besonders häufig komme der Ausschlag an der Innenseite der Unterarme, im Nacken oder in der Kniekehle vor.

Der Arzt könne gegen die Beschwerden Salben zur Beruhigung der Hautausschläge sowie antiallergische Tabletten verschreiben. Die Kosten dafür werden von den Krankenkassen allerdings nicht getragen, weiß Mathias Temmler. Er könne den Leuten in den vom Spinner befallenen Gebieten nur raten, lange Sachen zu tragen und die Bereiche so weit wie möglich zu meiden.

Doch das ist mitunter schwer. Insbesondere in Lanz liegen die Raupen auf mehreren Grundstücken, weht der Wind immer wieder neue Härchen herüber. Mit ihnen nicht in Berührung zu kommen, ist fast unmöglich.

Mathias Temmler habe schon im vergangenen Jahr bei den Behörden auf das wachsende Problem aufmerksam gemacht. "Ich habe Briefe ans Gesundheits- und Schulamt geschrieben", erzählt er, nachdem es an der Grundschule Lanz zu Problemen kam, und die Schüler reihenweise bei ihm vorstellig wurden. Lediglich vom Schulamt wurde Temmler gefragt, was denn seiner Meinung zu tun wäre. "Entweder die Schule schließen oder die Bäume absägen", lautete seine drastische Antwort.

Beide Vorschläge wurden nicht berücksichtigt. "Ich habe fast den Eindruck, hier geht der Naturschutz vor dem Schutz des Menschen", erklärt Mathias Temmler und teilt damit die Ansicht vieler Betroffener aus der Region, die sich auch bereits in unserer Zeitung zu Wort meldeten.

Betroffen von den giftigen Tieren sind auch touristische Wege, wie zum Beispiel der bundesweit bekannte Reitweg zwischen den Landesgestüten Neustadt/Dosse in Brandenburg und Redefin in Mecklenburg. Urlauber machen zwangsweise Bekanntschaft mit den Tierchen.

Nicht anders ist es auf dem Radweg Wittenberge-Wentdorf entlang der B 195. Wer hier radelt, kommt mit den Raupen ebenfalls unweigerlich in Berührung. Doch scheinbar niemand von den Behörden scheint das sonderlich zu interessieren. Warnschilder gibt es nicht.

Ganz anders im Nachbarkreis Ostprignitz-Ruppin. In Rheinsberg warnt sogar die Polizei vor den gefährlichen Raupen auf dem Radweg an der L 15 zwischen Rheinsberg und Charlottenau. Sogar Rheinsberg Bürgermeister wurde durch die Polizei informiert und reagierte: Umgehend veranlasste er das Aufstellen von Warnschildern.

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