Entdeckungen in alten Akten : Archive luden zu Zeitreisen ein

Ein Blick auf alte Fotografien und Postkarten: Die Leiterin des Wittenberger Stadtarchivs Susanne Flügge mit den Besuchern Lilly und Christian Runge.
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Ein Blick auf alte Fotografien und Postkarten: Die Leiterin des Wittenberger Stadtarchivs Susanne Flügge mit den Besuchern Lilly und Christian Runge.

Die „Gedächtnisse“ der Städte Wittenberge und Pritzwalk beteiligten sich Sonnabend am bundesweiten „Tag der Archive“

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06. März 2016, 20:45 Uhr

Teils versanken die Besucher in alter und neuerer Literatur über die Elbe, blätterten durch Alben mit alten Postkarten, stöberten in Personenstandsbüchern und lasen sich intensiv die Schautafeln im Flur zur Ausstellung „Mobilität im Wandel – Wittenberge und die Elbschifffahrt“ durch. Am Sonnabend öffnete das Wittenberger Stadtarchiv im Rahmen des bundesweiten „Tages der Archive“ seine Türen – und das bereits zum sechsten Mal. „Wir wollen uns der Öffentlichkeit präsentieren und das verstaubte Image ablegen“, sagte Susanne Flügge, Leiterin des Wittenberger Stadtarchivs. In diesem Jahr hatte der Verband Deutscher Archive (VDA) eben das Thema „Mobilität im Wandel“ vorgegeben. „Und da passt die Elbe hervorragend, wir haben sie vor der Haustür“, betont Susanne Flügge.

Aber nicht nur die ältere Generation fand den Weg ins Rathaus. Zum Beispiel war auch die achtjährige Lilly Runge mit ihrem Vater da. „Wir haben uns Alben mit Postkarten und Fotografien durchgeblättert. Da kann Lilly sehen, wie es hier früher aussah“, sagt Christian Runge, der mit seiner Tochter auch beim Quiz mit vier Fragen zur Ausstellung mitmachte und meinte: „Wenn man sich die Schautafeln vernünftig durchliest, kann man die Fragen beantworten.“ Wer es bis dato noch nicht weiß, erfährt zum Beispiel, wann der „Hammelwerder“ durchstochen wurde – Antwort: im Jahr 1820.

Genauso ist zu erfahren, dass der planmäßige Ausbau der Elbe hier 1815 begann, Arbeiten am Elbhafen in Wittenberge 1832, der Herz’sche Kanal (Mühlengraben) 1838/1839 gebaut wurde, um die Stepenitz mit dem Elbhafen zu verbinden, die Eisenbahnbrücke mit Drehbrücke 1847 errichtet und am 12. April 1945 gesprengt wurde, Behelfsüberbauten und Neubau folgten. Genauso wie der Neubau der Elbbrücke, die 1978 freigegeben wurde. Die Ausstellung ist noch mindestens einen Monat zu sehen, wie Susanne Flügge sagte.

Wer wesentlich mehr dazu wissen wollte, wie die Elbe schiffbar wurde, war bestens beim Vortrag von Roland Schneider „150 Jahre Elbstrombauverwaltung“ aufgehoben. Der Wittenberger arbeitete selbst bis zur Rente in der Wittenberger Außenstelle im Wasser- und Schifffahrtsamt Magdeburg und befasste sich viele Jahre mit der Elbregulierung zwischen Havelberg und Dömitz. Er lud die Zuhörer zu einer Zeitreise zur Schiffbarkeit der Elbe ein. Bis 1850 war die Elbe unreguliert, um 1900 erfolgte der Mittelwasserausbau und, und, und. „Heute ist die Elbe ein kultivierter Strom in einer Kulturlandschaft.“


Pritzwalker Archiv in neuen Räumen


Auch das Pritzwalker Stadtarchiv machte am Sonnabend seine Türen auf. Das Team um Christiane Knorn konnte sich über einen Mangel an Besuchern nicht beklagen – was sicher auch mit daran lag, dass die neuen Räumlichkeiten die Neugier der Interessierten aus der Dömnitzstadt und der Umgebung weckten. „Seit Oktober sind wir hier am Kietz untergebracht und glücklich“, berichtet Angela Kludas, die die im gleichen Haus – darüber – befindliche Stadtbibliothek leitet, daneben aber auch im Archiv mitarbeitet. Alles befinde sich jetzt auf einer Ebene, der Zugang für Nutzer sei barrierefrei. Am alten Standort, im Stadt- und Brauereimuseum, habe man stets Treppenaufgänge überwinden müssen.

Ein wenig Glück und wochenlanger Fleiß der Pritzwalker Hausmeister sorgten zudem dafür, dass sich auch die Ausstattung sehen lassen kann: Die Stadt erfuhr von nicht mehr benötigten, modernen Archivregalen im Berliner Bundesinnenministerium, konnte sie dort abbauen und in Pritzwalk wieder aufbauen. 1500 laufende Regalmeter gibt es hier, 800 sind momentan belegt. „Wir sind auf Wachstum ausgerichtet“, sagt Christiane Knorn. Hinzu kämen als Nächstes Archivunterlagen der Gemeinde Groß Pankow. Die Mitarbeiterinnen verzeichnen steigendes Interesse an Familien- und Ahnenforschung. Auch Schüler nutzen das Pritzwalker Archiv gern, z. B. für Facharbeiten. Ältester „Bewohner“ ist übrigens ein Gerichtsbuch von 1603-1770. „So richtig los geht’s bei uns aber erst mit Unterlagen ab 1820, nach dem Stadtbrand“, sagt Angela Kludas. Einige ihrer Kostbarkeiten präsentierten sie am Samstag den Besuchern.  
 

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