zur Navigation springen

Königsgrab von Seddin : Archäologen wieder am Grab

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Der Tote war ein Mann, etwa 30 bis 40 Jahre alt und wohl eine hohe Person der Spätbronzezeit– Der Grabhügel war würdig eines Pharao

Der „König von Seddin“ bleibt namenlos. Auch über sein Volk ist nichts zu erfahren. Bekannt ist auf jeden Fall: In der Prignitz war einst einer der Hotspots der Bronzezeit. Ein Grabhügel, zufällig entdeckt 1899, gilt unter Fachleuten immer noch als Sensation. Gut 125 Jahre später versuchen Archäologen erneut, dem Fundort Geheimnisse zu entreißen.

„Mit dem Dornröschenschlaf ist es vorbei“, sagt der Landesarchäologe und Direktor des Landesamtes für Denkmalpflege, Franz Schopper. Den Forschern geht es nicht um außergewöhnliche und wertvolle Funde, die ans Tageslicht geholt werden. Sie wollen erkunden, welche Bauleute mit welchen Techniken im 9. Jahrhundert vor Christi dieses Grab schufen.

Bereits der antike Dichter Homer – er lebte vermutlich um 850 vor Christi – habe in seinen Dichtungen zum Kampf um Troja über besondere Grabhügel berichtet, sagt Archäologe Jens May vom Landesamt. Sie ähnelten dem aus der Prignitz verblüffend. In den vergangenen Jahren hat er sich immer wieder mit dem Seddiner Grab beschäftigt. Am Ende der Bronzezeit und am Übergang zur Eisenzeit lebten dort Menschen, über die kaum etwas bekannt sei. „Schriftliche Überlieferungen fehlen“, sagt der Archäologe.

Bei Öffnung des Grabes Ende des 19. Jahrhunderts wurden etwa 40 Objekte gefunden: Tassen, Halsringe, Beile, ein Kamm und ein Schwert. Aus einer reich verzierten Amphore ist mittlerweile die Asche des Toten verschwunden. Die Schätze gingen Anfang des 20. Jahrhunderts für 120 Reichsmark an das Berliner Märkische Museum. Nur noch ein Drittel ist dort heute im Original vorhanden. Kopien zeigt auch das Regional- und Stadtmuseum Perleberg.

May ist sich sicher, dass der Bestattungsplatz lange und sorgfältig ausgesucht wurde. „Hier blieb nichts dem Zufall überlassen“, sagt er.

Feldsteine bilden zunächst einen Ring mit einer Höhe von einem Meter und einem Durchmesser von etwa 62 Metern. Nicht ganz in der Mitte steht die Grabkammer, ebenfalls aus Feldsteinen. Sie hat eine Decke aus mehreren Schichten Sand und Steinen. Der Hügel bringt es auf imposante zehn Meter. „Wir fragen uns: Welche technischen Hilfsmittel wurden benutzt und woher stammte die große Menge Sand?“, so May.

In 60 Meter Entfernung um die Anlage entdeckten Archäologen 2002 eine etwa 290 Meter lange Reihe aus einzelnen Gruben. In regelmäßigen Abständen konnten 150 Löcher mit einem Durchmesser von 80 Zentimeter und einer Tiefe von maximal einem Meter freigelegt werden; „Zweck noch unbekannt“, erläutert May.

Vielleicht dienten sie religiösen Zwecken? Die Löcher waren mit Steinen gefüllt, die einmal großer Hitze ausgesetzt waren. „Kochstellen waren es aber nicht“, weiß der Archäologe. Feinste Knochenreste wurden zwar identifiziert, doch noch ist unklar, ob sie menschlichen oder tierischen Ursprungs sind. „Alle Informationen müssten nun wie ein Puzzle zusammengesetzt werden“, sagt Landesarchäologe Schopper.

„Heute verstehen wir Grabhügel nicht als isolierte Denkmäler, sondern sie sind in einen größeren Kontext eingebunden“, betont Svend Hansen, Leiter der Eurasien-Abteilung am Deutschen Archäologischen Institut. Mit neuen Forschungen solle dem größten Grabhügel Norddeutschlands die Aufmerksamkeit verschafft werden, die ihm lange versagt geblieben sei. Aus größerer Entfernung ist auch heute der Grabhügel noch sichtbar.

Für Touristen bleibt der geheimnisvolle Ort ein beliebtes Ziel. Besucher können durch ein Metallgitter in die leere Grabkammer eines mutmaßlichen Königs der Bronzezeit blicken. Auch das Betreten ist erlaubt.  

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen