zur Navigation springen

Perleberger Stadtgeschichte auf der Spur : Archäologen graben auf Galgenberg

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Internationales Aufgebot von Experten und Studenten auf Spurensuche an ehemaliger Perleberger Richtstätte

von
erstellt am 16.Aug.2017 | 05:00 Uhr

Am Galgenberg wird seit Montag gegraben. Bis zum 1. September begeben sich hier unter Richtstättenarchäologin Dr. Marita Genesis von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) Studenten der Uni und der Humboldt-Universität zu Berlin auf archäologische Spurensuche. Mit einem Absolventen der University of Bradford sowie Kollegen aus Polen und Tschechien ist ein internationales Team in Perleberg am Graben. Das Stadt- und Regionalmuseum werde den Sachbereich Denkmalschutz des Landkreises Prignitz bei der Forschungsgrabung unterstützen, die Wissenschaft faktisch nach Perleberg holen, betont Henry Schweigel, zuständiger Fachbereichsleiter bei der Stadt.

Am 12. Oktober des Jahres 1850 wurde Peter Braun auf dem Galgenberg öffentlich hingerichtet. Wo jener aber wahrhaftig verscharrt wurde, wie für Hingerichtete üblich, weiß niemand mit Bestimmtheit zu sagen. Auf jeden Fall wurde das Urteil als erstes und einziges mit dem Beil vollstreckt. Auf dem Sterbebett soll Brauns Bruder gestanden haben, dass er der eigentliche Mörder war. So erhielt Peter Braun auf der Nordseite des Weinberges ein Grab in Blickrichtung Groß Buchholz, wo er einst als Kossät lebte.

Nicht vordergründig der Fall des Peter Brauns hat nun die Archäologen auf den Plan gerufen ist von Frank Riedel, Leiter des Stadt- und Regionalmuseums, zu erfahren. Und doch dreht sich die Forschungsgrabung um diese Thematik. Der Perleberger Galgenberg galt einst als bedeutende Richtstätte in der Mark Brandenburg. Und so hofft man hier Erkenntnisse über die Durchführung von Strafvollstreckungen zu erhalten. Diese ergeben sich zum einem aus den Befunden, wie Fesselung, fehlender Schädel oder atypische Körperlage, und zum anderen aus den anthropologischen Untersuchungen. Aus letzteren können sich Hinweise auf Hieb-, Schnitt- und Bruchverletzungen ergeben.

Ebenso bedeutsam sei hier die Frage nach der Art der Anlage des Galgens. In ihrer Bauausführung kann sie beispielsweise auf die finanziellen Möglichkeiten der Stadt aber auch auf die politische Unabhängigkeit vom Landesherren hinweisen.

Am 22. August, 18 Uhr, wird eine erste Bilanz bei einem archäologischen Abend zur Forschungs- und Lehrgrabung auf dem Hof des Stadt- und Regionalmuseum präsentiert, zu dem Museumsbesucher und die Stadtverordneten eingeladen sind. Bei Gegrilltem werden die Studenten in lockerer Runde über Erkenntnisse, eventuelle Funde und Befunde berichten. Der Eintritt ist frei.

Zudem wird es am 24. August eine spezielle Führung am Grabungsort für Kinder der Ferienhorte der Perleberger Grundschulen geben.

Für 2018 ist die Dokumentation der Grabungsergebnisse zur Rechtsgeschichte des Mittelalters und der frühen Neuzeit in einer Buchpublikation geplant.

 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen