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Perleberg gibt sich biberfreundlich : Appetitzügler für Meister Bockert

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Verbissschutz für alte Buchen im Rosetal, dem Eldorado für den Biber, den man hier auch halten will

Perleberg ist inzwischen praktisch von Biberburgen umzingelt. An der Neuen Mühle hat Meister Bockert, wie der Biber in der Fabel genannt wird, seit langem „gesiedelt“, im Eichhölzer Weg, Mitten in der Stadt an der Kleingartenanlage, unterhalb des Rieseleiwehres sowie an Jeetze und Rose. Diese Beobachtungen können unsere Leser Heiko Irgang und Horst-Dieter Zaplo nur bestätigen. Man muss nicht lange suchen, um auf Spuren zu stoßen, die den exzellenten „Holzfäller“ verraten. Und der macht eben auch nicht vor den alten großen Buchen im Rosetal halt. „Warum schützt man diese Bäume nicht und haust sie einfach ein?“, fragt Horst-Dieter Zaplo. Als Beispiel nennt er Viesecke, wo die Bäume, die der Biber bevorzugt, einen Schutz erhalten haben.

Der Prignitzer wandte sich an Stadtförster Stefan Koepp, der das Problem natürlich kennt.

Der Bibers als streng geschützte Art hat in den letzten Jahren eine erfreuliche Entwicklung genommen. Auch weil versucht werde, ihm entsprechenden Raum zu geben. Das Rosetal sei ein solcher, so Stefan Koepp. Ausgehend von seiner großen ökologischen Bedeutung habe man dieses Gebiet möglichst natürlich belassen. Das heißt, man finde hier eben auch einen großen Anteil an Totholz und Laubholzreliquien wie die alten Ulmen – faktisch ein Eldorado für den Biber. Hier sehe man Meister Bockert auch weitaus lieber, als in wirtschaftlichen Kultur, sprich im Mais. „Denn da richtet er wirklich Schaden an, wird womöglich noch gejagt.“ Wenn er gestört oder ihm sein Lebensraum streitig gemacht werde, dann sucht er sich einen neuen. Insofern sei man froh, dass er sich das Rosetal ausgeguckt habe und nicht die Laubholzaufforstungen entlang von Jeetze und Stepenitz. Meterweise habe man etliche Bäume bereits eingehaust, gerade Jungbestände von Eichen. Doch alle könne man nun mal nicht einzäunen, dafür fehlen die finanziellen Mittel und die personellen erst recht, macht Stadtförster Koepp deutlich. In Absprache mit der Stadt wolle man aber die alten Buchen im Rosetal mit einem Verbissschutzmittel einstreichen. „Das ist keine chemische Keule mit der wir hier hantieren, das Mittel ist in Schutzgebieten zugelassen und wird eigentlich gegen Rotwildverbiss eingesetzt. Doch auch dem Biber mundet es offensichtlich nicht“, weiß Stefan Koepp aus Erfahrung.

Der Biber fühlt sich in der Perleberger Region augenscheinlich sehr wohl, „wir sind ein biberfreundliches Gebiet“, fügt Koepp schmunzelnd an. In den Kleingartenanlagen an der Stepenitz hielt nach dem Winter manch Hobbygärtner vergebens Ausschau nach seinem Apfelbaum, der zuvor noch am Ufer stand. Und auch die Rieseleiwiesen seien ein bevorzugter „Bauplatz“ von Meister Bockert. „Hier haben wir ausreichend Pappeln und hier stört er auch niemanden.“

Dennoch werde der streng geschützte Biber immer mehr auch zum „Problembürger“. Und zwar überall dort, wo es um Hochwasserdämme gehe. In den Fällen muss er umziehen, sprich werde gefangen und umgesiedelt, so der Stadtförster.


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erstellt am 08.Apr.2014 | 08:00 Uhr

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