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Der Prignitzer

14. Dezember 2017 | 14:01 Uhr

Aufrüstung : Ansturm auf Waffengeschäft

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

In Perleberg rüsten viele Bürger auf / Die meisten kaufen Pfefferspray und Schreckschusspistolen / Nachfrage in Lenzen gering

svz.de von
erstellt am 09.Feb.2016 | 05:00 Uhr

Etwas ungläubig betrachtet Wilfried Bels seine Vitrine, in der die Schreckschusspistolen ausgestellt sind. Dort, wo normalerweise bis zu 15 Modelle Platz finden, sind es derzeit nur noch fünf. „Mehr habe ich nicht. Die Lager unserer Lieferanten sind leer“, erzählt der Inhaber des Perleberger Geschäfts WMG in der Puschkinstraße.

In den vergangenen Monaten hat Bels deutlich mehr Kunden bedient, die etwas zur Selbstverteidigung haben wollten. „Im Durchschnitt sind es ein bis zwei Kunden pro Tag. Früher war es höchstens einer im Monat, der etwas zum Selbstschutz verlangt hat“, erzählt Bels.

Den Hauptgrund vermutet der Geschäftsmann in dem derzeit alles beherrschenden Flüchtlingsthema. „Aber die starke Nachfrage hat bei uns schon im Oktober begonnen. Also lange vor den Silvester-Übergriffen in Köln.“ Die Palette der Kunden ist bunt gemischt. „Viele Urlauber haben sich bei uns eingedeckt, weil es bei ihnen zuhause nichts mehr gab. Es kommen häufig Väter, oder auch Großeltern, die etwas für ihre Enkel kaufen. Oder es kommen Frauen, die sich unsicher fühlen.“ Doch nicht nur die Flüchtlingsströme verursachen bei vielen eine diffuse Angst. „Es gab in letzter Zeit auch viele Einbrüche. Auch davor wollen sich die Menschen schützen“, weiß Wilfried Bels. Dabei verkaufe er Schreckschusspistolen nicht nur an Männer. „Auch Frauen sind interessiert. Sie kaufen meistens einen Revolver, weil der handlicher ist.“

Um so eine Waffe führen zu dürfen, ist der Kleine Waffenschein nötig. „Ich weise die Leute immer darauf hin. Kaufen und besitzen kann man sie auch ohne diesen Waffenschein. Sobald man die Pistole aber mit sich führt, muss man auch den Kleinen Waffenschein dabei haben sowie den Personalausweis“, erklärt Bels.

In Brandenburg gab es laut Polizei zum Ende des vergangenen Jahres insgesamt 7036 gültige Kleine Waffenscheine – Ende 2014 waren es 6491. Eine Statistik über die Anzahl der Kleinen Waffenscheine in den Landkreisen und kreisfreien Städten existiert nicht. „Das Polizeipräsidium als zuständige Waffenrechtsbehörde für das gesamte Land Brandenburg benötigt eine derart detaillierte Statistik zur ordnungsgemäßen Aufgabenwahrnahme nicht“, heißt es von der Behörde. Neben den allgemeinen Gefahren des Waffenbesitzes und der Handhabung sei im Einzelfall grundsätzlich abzuwägen, ob es sinnvoll ist, eine Waffe zu besitzen.

Ingo Meinhard, Geschäftsführer des Verbands der deutschen Büchsenmacher und Waffenfachhändler, ließ sich kürzlich in den Medien mit den Worten zitieren: „Die Menschen haben das Bedürfnis, ein persönliches Sicherheitsdefizit auszugleichen.“ Doch er betont, dass Pfefferspray – unsachgemäß eingesetzt – zu schweren Verletzungen, wie zum Beispiel Erblindung führen kann.

Jörg Deutsch, der in Lenzen auch Schreckschusswaffen und Pfefferspray anbietet, wurde die Tür in letzter Zeit nicht eingerannt. „Das gilt eher für Städte und Ballungsräume. Auf dem Land ist die Nachfrage nicht so groß.“

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