zur Navigation springen

Bürgermeisterwahl Perleberg : Annett Jura ist neue Bürgermeisterin

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Perleberger Votum für Stadtoberhaupt fiel mit 54,5 Prozent eindeutig aus

svz.de von
erstellt am 18.Jan.2015 | 21:38 Uhr

Von Lars Reinhold und Doris Ritzka

Perleberg hat gewählt. Die Siegerin heißt Annett Jura. Die parteilose 41-jährige Juristin, die von der Listenvereinigung SPD, CDU, FDP, Bauernverband und Bündnis 90/Grüne nominiert wurde, wird im März als neue Bürgermeisterin ins Rathaus der Kreisstadt einziehen. Für die nächsten acht Jahre ist sie damit Hauptverwaltungsbeamtin Perlebergs.

Anett Jura erhielt 3097 Stimmen, das entspricht 54,5 Prozent. Für ihren Kontrahenten, den 57-jährigen Amtsinhaber Fred Fischer, der abermals für die Linke antrat, stimmten 2582 Perleberger, das entspricht 45,5 Prozent. Das Wahlergebnis fiel damit deutlicher aus als erwartet. Die Wahlbeteiligung lag bei 54,7 Prozent, so das vorläufige Ergebnis. Bei den Bürgermeisterwahlen vor acht Jahren nahmen 50,3 Prozent der Perleberger ihr Wahlrecht wahr.

Sie, Annett Jura, stehe für einen politischen Neuanfang in der Kreisstadt, argumentierte die 41-jährige Mutter von zwei Kindern auf ihren rund 80 Wahlveranstaltungen, auf denen sie in den vergangenen drei Monaten auftrat und, wie sie sagt, auf große Zustimmung stieß.

Für Fred Fischer war es der dritte Bürgermeisterwahlkampf und wohl auch der schwerste. Seine möglichen Stasi-Verwicklungen hatten vor drei Jahren das Stadtparlament gespalten. Das spiegelte sich auch im Wahlkampf, der zunehmend schärfer und polemischer wurde, wider. Fischer setzte auf Kontinuität – Erreichtes sichern und ausbauen. Der Mehrheit der Wählern reicht das augenscheinlich nicht. Nach seiner Niederlage verhehlte Fischer nicht, dass „es schon weh tut, wenn acht Jahre Arbeit für die Stadt so wenig zählen“. Bis zum 1. März sei er noch Bürgermeister, was dann werde, dazu wollte er sich noch nicht äußern.

Am 20. Januar gibt der Wahlausschuss und das endgültige Ergebnis der Bürgermeisterwahl bekannt. 

_________________________________________________

Als gegen 18.46 das Ergebnis erstmals per Projektor an die Wand im „Deutschen Kaiser“ in Perleberg geworfen wird, ist das einzige, was bei Annett Jura noch angespannt ist, die Lachmuskulatur.  Sie hat es geschafft. 54,5 Prozent der gültigen Stimmen entfallen auf die Herausforderin von Amtsinhaber Fred Fischer. Jura ist Bürgermeisterin von Perleberg. Die Bürger haben entschieden.

Applaus brandet auf, Jura nimmt Glückwünsche entgegen. Als erstes gibt es einen Kuss von ihrem Ehemann Stephan Schneider, der im Nachhinein zugibt, relativ ruhig gewesen zu sein. „Sie hat alles gegeben, aber die Wahl heute haben eben die Perleberger getroffen.“ In ihrer Ansprache bedankt sich  Annett Jura bei all ihren Unterstützern, hebt aber besonders Malte Hübner-Berger, stellvertretender Vorsitzender der Perleberger SPD hervor. „Malte war in den letzten Wochen Sekretär, Pressesprecher und Fotograf für mich. Vor allem aber war er der Motivator, der mir stets gesagt hat: ,Wir schaffen das!‘.“

„Ich bin einfach nur froh und glücklich und freue mich auf auf meine neue Aufgabe“, sagt Jura, nachdem der erste große Jubel verhallt ist. „Und ich wünsche mir, dass alle, die sich in der Wahlkampfzeit politisch engagiert haben – egal auf welcher Seite – am Ball bleiben und wir Perleberg voran bringen.“

Freude natürlich auch bei ihren Unterstützerparteien. „Ich hatte bis kurz vor Wahlende ein richtiges Scheißgefühl“, gesteht Hartmut Schneider, Fraktionsvorsitzender der SPD. „Aber jetzt freue ich mich, dass die Perleberger so deutlich für den Neuanfang, für Ruhe und Sachlichkeit gestimmt haben.“

CDU-Fraktionschef Rainer Pickert ist ebenfalls zufrieden. Die Unsicherheit war schon zu spüren, und dass es so deutlich ausgefallen ist, dass freut mich sehr.“ Er sei sich sicher, so Pickert, dass im Rathaus jetzt ein anderer Wind wehen werde und  es wieder mehr Miteinander von Bürgermeisterin und Stadtverordneten gibt.

Während man sich im Kaisersaal in den Armen liegt, gibt es bei der Linkspartei  im Hotel „Stadt Magdeburg“ Trauerstimmung und auch Tränen. Noch bevor das eigentliche Ergebnis die Runde macht, ergreift Thomas Domres, Fraktionsvorsitzender der Linken, kurz das Wort, dankt für das, was Fred Fischer in den acht Jahren geleistet hat. Und eines habe der Wahlkampf geschafft, die Stadt sei wieder politisch geworden, es wurde diskutiert über die Frage, wohin sich Perleberg entwickeln soll.  Sein Wunsch: „Alle die sich eingesetzt haben, egal für welchen Kandidaten,   sollen sich weiter einmischen. Und es  soll dabei wieder zu einer fairen und sachlichen Zusammenarbeit kommen.“ Die Dinge, die passiert sind, seien sachlich aufzuarbeiten gemessen an  Kommunalverfassung,  Geschäftsordnung und Hauptsatzung. Es sei wichtig, die Debatten im Blick zu behalten, „aber so kann es nicht weiterlaufen. Das schadet der Stadt“. 

Applaus trotz Niederlage gibt es für Fred Fischer. Er selbst macht alles andere als einen freudigen Eindruck, auch wenn viele ihn umarmen. „Dass mehr als die Hälfte  der Bürger anders gewählt hat, das muss man erst verdauen.“  Annett Jura, „die noch nicht einen Tag als Bürgermeisterin gelebt hat, wünsche ich alles Gute.“ Er übergebe eine Stadt mit einem ausgeglichenen Haushalt, wo die Daseinsvorsorge funktioniere, die Kultur, die sich entwickelt hat mit einer sanierten Stadt.  Er werde Montag wie gewohnt zur Arbeit gehen, denn bis zum 1. März sei er noch Bürgermeister. Was dann werde, wird man sehen, „aber“ –  an seine Unterstützer gerichtet, „ihr braucht Euch um mich keine Sorgen zu machen“.  Dr. Kirsten Tackmann, Bundestagsabgeordnete für die Linken, betonte, dass Fischer viel für Perleberg geleistet habe. „Das Wahlergebnis, dass ist Demokratie. Diese akzeptiere und respektiere man. Perleberg habe ein großes Problem, das nicht nur mit Fred Fischer zu tun hat. „Ich hoffen, dass man einen Neuanfang hinbekommt.“

Wenig später gratuliert  der abgewählte Bürgermeister seiner Amtsnachfolgerin mit einem Blumenstrauß. „Ich hoffe, sie kann an  die Erfolge  meiner Amtszeit anknüpfen“ sagte er und verwies darauf, dass es nicht einfach sein werde, die in zwei Lager gespaltene Stadt zu einen.
 

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen