Anlaufstelle für Frauen in Not

Eine Prostituierte wartet am Dienstag (04.08.09) an der Bundesstrasse 5 bei Muencheberg (Maerkisch-Oderland) in Brandenburg auf Kundschaft. Der Strassenstrich an der B5 in Richtung Polen boomt. ddp
Eine Prostituierte wartet am Dienstag (04.08.09) an der Bundesstrasse 5 bei Muencheberg (Maerkisch-Oderland) in Brandenburg auf Kundschaft. Der Strassenstrich an der B5 in Richtung Polen boomt. ddp

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18. Oktober 2011, 07:42 Uhr

Königs Wusterhausen | Die erste Beratungsstelle für Prostituierte und von Menschenhandel betroffene Frauen in Brandenburg, wurde am Dienstag in Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) eröffnet. Es war zugleich der Europäische Tag gegen Menschenhandel.

Der katholische Sozialverein "In Via" betreibt die Einrichtung. "Leider ist das Thema so aktuell wie vor 100 Jahren", sagte "In Via"-Chefin Anne Dietrich-Tillmann. Frauen würden in Berlin und Umland Arbeit suchen, landeten aber nicht selten auf dem Straßenstrich oder bei Zuhältern.

Die zwei Mitarbeiter der Anlaufstelle wollen Frauen in Notlagen zu Ämtern und Gerichten begleiten. "Wir vermitteln kostenlose Gesundheitschecks und bieten AIDS-Prävention", erklärte Margarete Muresan, Sozialarbeiterin. Die Standortwahl sei auf Königs Wusterhausen gefallen, weil die Stadt mit ihrem Regionalbahnhof verkehrsgünstig liege. "Wir sind hier direkt an Berlin dran, aber auch nur eine Autostunde von der polnischen Grenze entfernt", erklärte Muresan. In der Grenzregion seien Hilfofferten besonders gefragt.

An Brandenburgs größtem Straßenstrich an der Bundesstraße 5 hinter Seelow bieten täglich bis zu 20 Prostituierte ihre Dienste an. Schätzungen zufolge sind beidseits von Oder und Neiße um die 1500. Die Sozialarbeiter wollen vor allem Streetworking betreiben, also die Frauen direkt auf der Straße aufsuchen. Schwerpunkt soll die Bundesstraße 5 sein. Dort soll der Kontakt zu den Frauen hergestellt und Visitenkarten, Kondome und Tee verteilt werden. "So wollen wir überhaupt erst einmal ins Gespräch kommen", sagte Sozialarbeiterin Muresan. Die Frauen an der B 5 seien zum großen Teil Bulgarinnen, aber auch aus Rumänien. Auf Wunsch könnten Betroffene in Frauenheimen oder Schutzwohnungen unterkommen.

Der Landkreis Dahme-Spreewald ist landesweit der erste, der ab 2012 Schutzwohnungen in Eigenregie betreibt. Einen kurzen Draht soll es zur Stadt geben. "Wir sind über diesen Anlaufpunkt froh, denn die Stadt ist von der Problematik unmittelbar betroffen", sagte Petra Gröhnke, Gleichstellungsbeauftragte in Königs Wusterhausen. Hier würden vor allem Vietnamesinnen im ältesten Gewerbe der Welt arbeiten.

Ein Schwerpunkt der Beratungsstelle sei die Vermittlung medizinischer Hilfe, sagte Margerete Muresan. Viele Betroffene stünden nicht nur unter dem Druck von Zuhältern, sondern besäßen auch keine Krankenversicherung. Nicht alle Frauen seien allerdings Opfer von Menschenhandel. Sehr viele hätten einfach wirtschaftlichen Druck, ihre Familien zu ernähren.

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