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Anklage gegen zwei Schüler von Eliteschule

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erstellt am 07.Feb.2012 | 05:40 Uhr

Potsdam | Nach den Missbrauchsvorwürfen an der Potsdamer Sportschule "Friedrich Ludwig Jahn" hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei 16-Jährige erhoben. Den Jugendlichen werde eine gemeinschaftlich begangene Nötigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung vorgeworfen, sagte Behördensprecher Ralf Roggenbuck gestern. Laut Anklage haben sich die Nachwuchshandballer Ende September 2011 im Internat der Eliteschule an zwei Mitschülern im Alter von 13 und 14 Jahren vergangen. Wann sich die Schüler vor dem Jugendrichter des Amtsgerichts Potsdam verantworten müssen, steht noch nicht fest.

Anders als zunächst vermutet, sehen die Ermittler keinen sexuellen Hintergrund der Tat. "Es wird davon ausgegangen, dass es sich um eine Bestrafungsaktion ohne sexuelle Motivation gehandelt hat", sagte Roggenbuck. Diese Bewertung decke sich mit den Erkenntnissen des Bildungsministeriums, sagte Sprecher Stephan Breiding.

Die beiden 16 Jahre alten Schüler waren für zwei Wochen suspendiert worden. Danach durften sie zurückkehren. Sollten sie allerdings erneut auffallen, droht der Rauswurf. Außerdem mussten sie an einem Konfliktschlichtungsprogramm teilnehmen, so Breiding. Eines der Opfer hat die Schule verlassen. Im Internat wurden die gesamte Führungsriege sowie ein Trainer suspendiert und eine Übergangsleitung eingesetzt. Inzwischen gibt es eine neue Internatsleitung. Die frühere Chefin, die zur Zeit der Übergriffe im Urlaub war, ist an anderer Stelle tätig. Zwei Mitarbeiterinnen wurden gekündigt. "In diesen Fällen lag nach unserer Ansicht ein grobes Fehlverhalten vor", sagte Stadtsprecher Jan Brunzlow. Die Betroffenen wehren sich jedoch vor dem Arbeitsgericht gegen die Kündigung.

Hintergrund war, dass sich die Opfer zwar Betreuern anvertraut hatten, diese jedoch zunächst nichts unternahmen. Um derartige Fehler künftig zu vermeiden, schalteten die Behörden Profis in Sachen Kinderschutz ein: Mitarbeiter der Beratungsgesellschaft Start sollten die Erzieher sensibilisieren und die Abläufe in der Einrichtung unter die Lupe nehmen. Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) werden die Aktivitäten aufmerksam verfolgt. Er behält sich vor, dem Internat den Elitestatus zu entziehen. "Nachdem der Schulträger bereits Maßnahmen an der Schule eingeleitet hat, können die Vorwürfe jetzt auch vor Gericht geklärt werden", sagte ein Sprecher. "Der DOSB wird eine Bewertung vornehmen, wenn alle Ergebnisse aus den laufenden Verfahren vorliegen."

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