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Aufregung in Lindenberg : Angst vor dem Mann mit der Axt

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Seit Monaten sorgt ein 32-Jähriger in einem Wohngebiet in Lindenberg für Angst und Schrecken.

von
erstellt am 11.Mär.2017 | 12:00 Uhr

Es kracht, es klirrt, Glassplitter fliegen durch das Haus. „Ich habe nur noch gezittert, solche Angst hatte ich“, erzählt die Frau, die am 8. Februar gegen 14 Uhr erleben musste, wie ein junger Mann mit der Axt den Briefkasten, eine Lampe und die Eingangstür zu ihrem Haus attackierte. Dieser Angriff war der Höhepunkt einer ganzen Reihe von Übergriffen, denen sich Bewohner im Lindenberger Wohnpark an der Feldstraße, wo auch zahlreiche Kinder leben, seit Monaten ausgesetzt sehen. „Wir haben Angst und wir wissen nicht, was noch kommt“, sagen sie. Nein, ihre Namen möchten sie nicht öffentlich gemacht haben. Wer wisse denn, wozu der Mann noch fähig ist, sind sich die 20 Lindenberger einig, die sich zu einer Art Krisenbesprechung getroffen haben.

Angst macht ihnen ein 32-Jähriger, von dem die Beamten nach dem Axtangriff am 8. Februar im Pressebericht sagen, er sei der Polizei bekannt.

Ja, er ist der Polizei bekannt, sagt einer der Männer in der Runde. „Aber was hilft es uns?“, fragte eine anderer aus der Runde. „Fragt doch lieber, wer uns hilft und vor allem schützt“, wirft ein anderer Mann ein. Die Stimmung ist angeheizt. Die Lindenberger fühlen sich alleingelassen. Deshalb haben sie auch den „Prignitzer“ an diesem Abend zu sich gebeten, wenigstens öffentlich machen wollen sie ihr Problem. „Vielleicht hilft uns das ja irgendwie“, sagt eine der Frauen.


Menschen fühlen sich hilflos


Die Menschen fühlen sich hilflos. Sicher, nach dem Axtangriff ist der 32-Jährige vom Notarzt zwangseingewiesen worden, wie es heißt, soll er gegenwärtig in einer geschlossenen medizinischen Einrichtung behandelt werden. „Und was wird, wenn er wieder da ist?“ Immer wieder wird diese Frage laut. Alle zucken mehr oder minder ratlos die Schultern. Ortsbürgermeister Karl-Heinz Brüdigam sagt, dass er sich an das Wittenberger Ordnungsamt gewandt hat, „weil doch Gefahr im Verzug ist, aber für solch eine Gefahr ist man dort nicht zuständig“, gibt er die behördliche Antwort weiter.

„Also werden wieder Reifen zerstochen, Scheiben eingeschlagen?“, fragt resigniert einer der Bewohner. Mit dieser Frage ist der Damm gebrochen. Die Frauen und Männer erzählen von diversen Vorfällen, die sie dem Besagten anlasten bzw. bei denen sie ihn beobachtet hätten. Eine Frau erzählt, sie habe den 32-Jährigen im Sommer dabei erwischt, wie er die große Panoramascheibe des Wohnhauses eingeworfen habe.

Eine andere Lindenbergerin erzählt von vier zerstochenen Autoreifen und davon, dass der Mann den Grundstückszaun eintrat: „Auf meine Worte, ich rufe die Polizei, hat er nur gegrinst.“ Andere erzählen von Dreck, den sie laufend vor der Tür finden. Das kreiden sie dem jungen Mann ebenso an wie sechs zerstochene Reifen an weiteren Autos oder Steine, die über Grundstücksgrenzen fliegen ohne Rücksicht darauf, dass Menschen verletzt werden könnten. Und sie erzählen davon, der Mann hätte sogar schon mit seinem Luftgewehr in Fenster geschossen. „Jedes Mal, wenn wieder etwas geschehen ist, erstatten wir Anzeige bei der Polizei. Die kommt auch, nimmt alles auf. Aber für uns ändert sich nichts. Wir leben weiter in Sorge um unser Hab und Gut, ja sogar um unser Leben, zumal auch viele Kinder hier zu Hause sind“, resümieren die Leute. Sie fragen: „Wer schützt uns als Opfer?“

Der 32-Jährige, der bei einigen Taten von Leuten beobachtet wurde und dem sie weitere Vorfälle anlasten, wohnt nicht in Lindenberg, aber sehr nahe Verwandte von ihm, bei denen er sich wohl regelmäßig aufhalte. Diese sollen sich auch schon einige Male für Vorfälle in der Nachbarschaft entschuldigt haben. „Aber das hilft uns nicht weiter“, sagt eine Bewohnerin, die nach eigenen Worten bei jedem Geräusch aufschreckt, „seit unsere Scheibe eingeworfen wurde“.


Staatsanwaltschaft erhebt Anklage


Ordnungsamtschef Gotthard Poorten kennt, wie er sagt, dieses Problem in Lindenberg. „Wir können als Amt aber wirklich nichts tun. Bei möglichen Straftatbeständen muss die Polizei tätig werden.“

Bei der Polizei laufen Ermittlungen wegen der Vorfälle in dem Lindenberger Wohngebiet. Das bestätigt auf Nachfrage Dörte Röhrs als Pressesprecherin der Polizeidirektion Nord in Neuruppin. Detaillierte Auskünfte zum Beschuldigten und zum Stand der Ermittlungen dürfe sie nicht geben, erklärt aber, dass es beispielsweise von der Anzahl der Zeugen, von der Komplexität der Vorkommnisse abhänge, wie schnell die Sachbearbeiter ihre Ermittlungen abschließen und die Unterlagen an die Staatsanwaltschaft gehen.

Auskunft dazu gibt der Neuruppiner Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann, denn dort liegen bereits die Ermittlungsunterlagen zu einigen Fällen vor. „Wir haben uns entschlossen, Anklage gegen den Beschuldigten zu erheben“, sagt der Oberstaatsanwalt auf Nachfrage. Der Mann, der in Lindenberg für Angst sorgt, ist bei der Staatsanwaltschaft kein Unbekannter. Er ist bereits für Straftaten – allerdings von geringerer Tragweite – verurteilt worden. „Deshalb“, so drückt es Lehmann aus, „haben wir die neuerlichen Vorfälle zum Anlass genommen, zwei Anklagen wegen dreier Taten zu erheben.“ Die Vorwürfe lauten auf Sachbeschädigung und Körperverletzung. Der Oberstaatsanwalt macht deutlich, dass die Staatsanwaltschaft in diesen Fällen nicht zwingend eine Anklage erheben müsste. Aber wegen der vorangegangenen Verurteilungen „wollen wir die neuerlichen Vorfälle einer gerichtliche Ahndung zuführen“. Laut Oberstaatsanwalt wird vor dem Amtsgericht in Perleberg verhandelt. Wie dieses Gericht gestern mitteilte, findet die erste öffentliche Verhandlung am 28. März um 10.30 Uhr statt.  

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