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Der Prignitzer

21. Oktober 2017 | 21:37 Uhr

Totschlag : Angst vor dem Angeklagten

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Perleberger muss sich in Neuruppin wegen Körperverletzung mit Todesfolge verantworten

von
erstellt am 22.Jan.2017 | 21:00 Uhr

Vier Körperverletzungen, davon eine mit Todesfolge, werden dem gebürtigen Perleberger Heiko G. zur Last gelegt. Dafür muss er sich seit letzter Woche vor dem Landgericht Neuruppin verantworten.

Wäre Marko F. im Januar 2007 rechtzeitig ärztlich behandelt worden, könnte er wahrscheinlich heute noch leben. Zu diesem Ergebnis kam der Rechtsmediziner Dr. Christian König. Doch Marko F. wurde erst nach Tagen tot in seiner Perleberger Wohnung aufgefunden.

Verantwortlich für den gewaltsamen Tod soll der 45-jährige Heiko G. sein. Er muss sich unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge vor dem Landgericht Neuruppin verantworten. Ein Vorwurf, den der Angeklagte für möglich hält, wie er am ersten Verhandlungstag sagte.

Er gab zu, den 30-jährigen Marko F. geschlagen zu haben, zunächst im Spaß. Doch dabei blieb es nicht. Bei der Obduktion am 30. Januar 2007 wurden unter anderen bei dem Opfer mehrere Rippenbrüche und Einblutungen festgestellt. Der Mann hatte eine Blutalkoholkonzentration von drei Promille.

Obwohl, wie König sagte, eine Beurteilung aufgrund der fortgeschrittenen Verwesung schwierig war, ließen sich die Verletzungen wohl auf eine massive Gewalteinwirkung zurück führen. Die Kombination aus eingeschränkter Atmung, Blutverlust und Alkohol habe zu einem Kreislaufschock und damit letztlich zu einem Organversagen geführt, so König.

Dass mit dem Angeklagten, insbesondere dann, wenn er Alkohol getrunken hat, nicht gut Kirschen essen ist, bestätigten am zweiten Verhandlungstag mehrere Zeugen. Sie alle hatten Begegnung mit den Fäusten des Angeklagten gemacht, zumeist aus nichtigem Anlass. Das hatte auch sein Neffe Marco S. zu spüren bekommen. Der 27-Jährige hatte – wie sein Bruder am ersten Verhandlungstag – sichtlich Angst vor dem Angeklagten und weigerte sich, in dessen Gegenwart auszusagen. Er beschrieb seinen Onkel als unberechenbar. Er und sein Bruder hatten sich entschieden, den Onkel anzuzeigen, nachdem dieser sie massiv bedroht hatte.

Heiko G. habe eines Abends im Sommer 2015 vor seiner Tür gestanden, so Marco S. Er solle bei seinem Bruder nachfragen, ob der „ihn angeschissen hätte“. Bei ihm ginge es um acht bis 14 Jahre. „Sollte er mich verraten haben, hast du die längste Zeit einen Bruder gehabt“, soll Heiko G. zu Marco S. gesagt haben. Der wusste nach eigenen Angaben nicht, wovon der Onkel redete. Dass dieser den Tod von Marko F. und seine eigene Rolle dabei meinte, erfuhr Marco S. erst später.  


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