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Der Prignitzer

18. November 2017 | 07:44 Uhr

Angelverein Lenzen : Angler sind sauer

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Lenzener Verein bangt um Pachtvertrag und kritisiert Verwaltung sowie Abgeordnete der Stadt

von
erstellt am 27.Mai.2015 | 08:00 Uhr

Die Petrijünger des Angelvereins Lenzen sind sauer auf die Verwaltung und die Stadtverordneten. Die erteilten der vorfristigen Verlängerung des 2018 auslaufenden Pachtvertrages zwischen der Stadt und dem Landesanglerverband Brandenburg (LAVB) als Pächter der Fischereirechte für den Rudower See eine Absage.

„Man hat uns über ein halbes Jahr hingehalten, bis eine Entscheidung getroffen wurde. So geht man nicht mit zuverlässigen Vertragspartnern um“, sagt Ralf Behrens, stellvertretender Vorsitzender des Angelvereins Lenzen. Immerhin investiere der LAVB jährlich eine fünfstellige Summe für Pacht- und Besatzmaßnahmen in den mit 176 Hektar größten See der Prignitz.

Die Fakten: Seit der Übernahme der Fischereichrechte durch den Landesanglerverband im Jahr 2006 sind der Kreisanglerverband Perleberg (KAV) und die Lenzener als betreuender Verein für die Durchführung der Bewirtschaftungs- -und Betreuungsmaßnahmen im und am Rudower See zuständig.

Der LAVB habe für einen ökologisch ausgewogenen Fischbestand auf wissenschaftlicher Grundlage gesorgt. Die Besatzmaßnahmen seien protokolliert und dokumentiert. Und auch der Lenzener Angelverein mit seinen 200 Vereinsmitgliedern, davon 30 Kinder, als Partner investierte bei freiwilligen Arbeitseinsätzen tausende Stunden, sagt Ralf Behrens.

Sie hielten Angelstellen frei, schufen neue sowie Parkmöglichkeiten. Den Seewanderweg befreiten sie von umgestürzten Bäumen und abgebrochenen Ästen. Auch Laubbäume schnitten sie zurück, um den Laubeintrag im See zu verringern, sie bauten Tische und Bänke für Rastplätze, listet Behrens auf. All diese Arbeiten seien in Absprache mit dem Amt Lenzen-Elbtalaue und den zuständigen Naturschutzbehörden erfolgt.

Jahrelang nutzten die Angler das Bootshaus und den für die Öffentlichkeit zugänglichen Bootssteg am Campingplatz. Dafür wurde eine Vereinbarung mit der Stadt Lenzen geschlossen und eine Extrapacht bezahlt. Doch der Steg musste gesperrt werden, weil er marode ist.

In Absprache mit dem LAVB und dem ortsansässigen Angelverein unterbreitete der Kreisanglerverband der Stadt im Juli des vergangenen Jahres ein Angebot für eine Nutzungsvereinbarung, die die Sanierung des Bootsstegs umfasste. Die Kosten von rund 15 000 Euro wollte der Verband übernehmen. Im Gegenzug erwartete dieser eine vorfristige Verlängerung des Pachtvertrages.

Dieses an alle Stadtverordneten adressierte Schreiben wurde ins Rathaus geschickt. Wochenlang geschah nichts. Erst als der Verein nachfragte, gab es die Info, dass sein Schreiben Bestandteil der nächsten Stadtverordnetenversammlung (StVV) im September sein soll.

„Zuvor ging ich mit unserem Vorsitzenden Jürgen Kalowsky zur Sitzung der CDU/SPD, der stärksten Fraktion in der Stadt. Wir wollten ausloten, wie die Abgeordneten zu unserem Anliegen stehen“, erzählt Ralf Behrens, der aber eine Überraschung erlebte: „Keiner, wirklich nicht einer der Anwesenden hat von diesem Schreiben gewusst.“ Warum das Schriftstück nie die Abgeordneten erreichte, sei Spekulation und spekulieren wolle Ralf Behrens nicht.

Erneut verstrichen Wochen, ohne das etwas geschah. Im Oktober tagte das Stadtparlament, das Thema spielte wieder keine Rolle. Deshalb verfassten die Angler gemeinsam mit ihrem Kreisverband erneut ein Schreiben, in dem sie noch einmal ihren Standpunkt darstellten. Dieses schickten sie an alle Lenzener Abgeordneten persönlich, doch auch auf der Tagesordnung für die Dezember-Sitzung fehlte der Punkt.

Anfragen der Angler im öffentlichen Teil seien durch Amtsdirektor Harald Ziegeler und Bürgermeister Christian Steinkopf (CDU) unbeantwortet geblieben. Ja, sie seien mit fadenscheinigen Vorwänden abgekanzelt worden, gibt Ralf Behrens das Empfinden seiner Vereinsmitglieder wieder.

Angeblich würden Besatz- und Entnahmezahlen fehlen oder müsse die Wasserqualität des Sees noch geprüft werden, hieß es. Das gleiche Szenario wiederholte sich auf der Sitzung im Februar. Daraufhin sprachen selbst einige der Abgeordneten von einer „Hinhaltetaktik“. Zumindest einigte man sich darauf, eine Stadtverordnetenversammlung extra zu diesem Thema im April anzuberaumen.

Auf der platzte dann die Bombe. Das Thema wurde kurzerhand in den nicht öffentlichen Teil verschoben. Hier stimmte nach Informationen unserer Zeitung eine Mehrheit der Abgeordneten gegen eine vorfristige Pachtverlängerung und die Stegsanierung. „Es hat sich kurzfristig ein touristischer Anbieter gemeldet, der mit einem Förderprogramm das Fischereigelände neu beleben möchte“, erklärt Christian Steinkopf auf Nachfrage. Der Bürgermeister hatte zuvor jedoch auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass er lieber einen Bewirtschafter auf dem Rudower See sieht, meinte aber: „Wir werden mit den Anglern noch mal über die Situation beraten. Mein Wunsch ist es, dass der Verein mit einem Fischer zusammenarbeitet.“

Manfred Ihl vom Kreisanglerverband Perleberg lobt den großen Einsatz des Ortsvereins, kann die Entscheidung des Parlaments aber nicht nachvollziehen. „Die Stadtverordneten haben leider nicht erkannt, dass sie einen zuverlässigen Partner haben.“ Zumal die finanziell stets klamme Stadt auf den vereinbarten Pachtzins, der nach Meinung der Angler weit über dem Durchschnitt der üblichen Pachthöhe liegt, kaum verzichten könne.

 

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