Petrijünger : Angler bangen um Karpfen

Das jährliche Karpfenangeln zählt für junge Angler und ihre Betreuer zu den Höhepunkten im Vereinsleben. Letztes Jahr ging ihnen dieses Prachtexemplar an den Haken.
Das jährliche Karpfenangeln zählt für junge Angler und ihre Betreuer zu den Höhepunkten im Vereinsleben. Letztes Jahr ging ihnen dieses Prachtexemplar an den Haken.

Naturschützer erwägen ein Besatzverbot, da es keine heimische Fischart sei

svz.de von
10. März 2015, 20:00 Uhr

Gegen den allgemeinen Trend verliert der Kreisanglerverband Perleberg keine Mitglieder, sondern gewinnt neue hinzu: Allein im vergangenen Jahr waren es 110. „Das hat uns selbst total überrascht und eine echte Erklärung haben wir dafür auch nicht“, sagt der Vorsitzende Manfred Ihl.

Am vergangenen Sonnabend trafen sich die Petrijünger zur ihrer Jahresversammlung und erhielten neben den Mitgliederzahlen noch mehr erfreuliche Nachrichten. Über 800 ehrenamtliche Arbeitsstunden wurden 2014 geleistet. Mitglieder aus 14 Vereinen reinigten Gewässerufer, führten Schnittarbeiten an Ufergehölzen und Fischbesatzmaßnahmen durch, listet Manfred Ihl auf.

Er betont, dass diese Arbeiten keine Last seien, sondern von den Anglern gern durchgeführt werden. „Angeln verbinden viele mit einem Naturerlebnis.“ Ruhe und Entspannung gewinnen an Bedeutung, der zappelnde Fisch am Haken werde für manchen zur Nebensache. „Vielleicht ist auch das ein Grund für unseren Mitgliederzuwachs. Angeln ist Stressabbau“, meint Ihl.

Das brandenburgische Fischereigesetz fördere die Entwicklung noch, da die Hürden zum Angeln niedrig sind. Es genügt, an die untere Fischereibehörde die Pflichtabgabe zu zahlen, um dann Tages- oder Wochenkarten zu erwerben. Weder eine Vereinsmitgliedschaft noch ein Lehrgang mit Prüfung sind erforderlich, wer Friedfische angeln möchte. Erst vor der Jagd auf Raubfische muss ein Fischereischein erworben werden.

Bei all den guten Nachrichten haben die Mitglieder des Verbandes aber auch eine große Sorge: „Die künftigen Naturschutzpläne im Biosphärenreservat Elbtalaue“, nennt Ihl es beim Namen. Schon vor rund zehn Jahren wurde weite Teile der Elbtalaue unter Naturschutz gestellt, aber das soll jetzt noch verschärft werden, so Ihl.


Angst vor Angelverboten


Die Entwürfe dafür liegen bereits öffentlich aus. „Wir befürchten zeitliche Reglementierungen oder Angelverbote an ausgewählten Gewässern.“ Eine andere Sorge betrifft die Zukunft des Karpfens. Es gebe Stimmen aus den Reihen des Naturschutzes, die den beliebten Speisefisch der Deutschen verbannen wollen. Begründung: Der Karpfen sei keine heimische Art. Deshalb sollen Gewässer nicht mehr mit ihm besetzt werden.

Unstrittig ist, dass der Karpfen ursprünglich aus Asien stammt. Allerdings, auch das dürfte unstrittig sein, brachten ihn bereits die Römer in der Antike nach Europa, schon im Mittelalter wurde er in Teichen gehalten und zählt heute zu den beliebtesten Zuchttieren. „In einem Protestschreiben wandten wir uns an den Biosphärenreservatsleiter Dr. Sven Rannow, der schnell reagierte, worüber wir uns gefreut haben“, sagt der Verbandsvorsitzende.

Es folgte ein gemeinsames Treffen, ein Austausch der Standpunkte, aber man sei sich nicht nähergekommen. Notgedrungen wollen die Angler abwarten, welche Entwicklung die Managementpläne für den Naturschutz einschlagen werden. Allgemein spricht Ihl von einem guten Verhältnis zwischen seinen Mitgliedern und den Naturschützern. Der Verband habe sogar einen Platz im Kuratorium der Biosphäre erhalten.

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