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Der Prignitzer

15. Dezember 2017 | 18:55 Uhr

Chemie : Analysen für Fortgeschrittene

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Schüler erweitern in einem zweiten Forschungsblock am Prignitzer Institut für Thermoanalytik ihr Wissen

von
erstellt am 23.Okt.2015 | 12:00 Uhr

Die Handgriffe sitzen, wirken beinahe routiniert. Griff zu den Gerätschaften, Blick auf Skalen und Gefäße, nachdenkliches Stirnrunzeln. Notizen in kryptischen Zeichen. Und alles von vorn. Beobachtet man die sechs Gymnasiasten aus Perleberg und Wittenberge bei ihrer Arbeit in den Labors des Prignitzer Instituts für Thermoanalytik, kurz PIT, hat man den Eindruck, hier sind Profis am Werk, die sich in der Chemie bestens auskennen.

Und ein kleines bisschen stimmt das auch, denn es ist nicht ihr erster Einsatz im PIT. Alle sechs sind Teilnehmer eines freiwilligen Chemiekurses, der sie über drei Jahre in den Schulferien immer wieder ins Labor führt. „Was wir hier vermitteln, ist das Handwerkszeug eines jeden Chemikers: die Analysemethoden“, sagt Dr. Claus Otto, bekannt durch das von ihm gegründete Unternehmen Dr. Otto GmbH, das sich seit 1990 mit der Gewinnung von Pflanzeninhaltsstoffen und der Entwicklung entsprechender Technologien erfolgreich am Markt behauptet. Inzwischen im Ruhestand, gibt Otto sein Wissen im PIT-Kurs an interessierte Jugendliche weiter.

„Wir befinden uns immer noch in der ersten Phase des Projekts“, sagt Otto. „Die drei Gruppen zu je zwei Schülern sollen zunächst die Grundlagen kennen lernen und sich anschließend auf bestimmte Arbeits- und Analysemethoden spezialisieren.“

Der Chemiker versteht das Projekt als Schnittstelle zwischen Schule und Universität. „Aus der eigenen Erfahrung heraus weiß ich, dass viele Studienanfänger es schwer haben, in der Chemie Fuß zu fassen. Hier wollen wir ansetzen und Grundfertigkeiten, die für ein Chemiestudium essenziell sind, jenseits des Unterrichts vermitteln.“

Hannes Reinhardt und Matthis Ehlert beschäftigen sich mit einem sehr männlichen Thema: der Herstellung von Kräuterbitter. Dazu haben sie Wacholderbeeren gemahlen, Ethanol zugesetzt und das ganze filtriert. „Getrunken wird hier aber nicht“, betont Claus Otto augenzwinkernd, wenngleich die hier eingesetzten Stoffe aufgrund ihrer Reinheit bedenkenlos zum Verzehr geeignet seien. „Außerdem haben wir Apfelsaft zur Gärung angesetzt“, sagt Hannes und deutet auf eine Flasche mit einem Gärröhrchen im Korken, in dem es blubbert.

Weit weniger spektakulär sieht die Arbeit von Hermann Röber und Johannes Stanek aus, die sich mit technischen Messverfahren wie der Kalorimetrie befassen. „Damit lassen sich Vorgänge in Stoffen anhand von Temperaturdifferenzen erkennen“, erklärt Claus Otto, während Hermann Diagramme auf einem Bildschirm aufruft. So könnte beispielsweise der Gipsgehalt eines Mörtels bestimmt werden – ein Anwendungsfall, der in der Denkmalpflege bei historischen Bauten praktische Anwendung findet. „Man muss sich da schon reinfuchsen, aber dann ergeben die Kurven auf dem Bildschirm auch Sinn“, kommentiert Johannes.

Zwischen roher Gewalt und filigranen Glasapparaturen wechseln Madita Kudla und Jennifer Roder. Die beiden gewinnen Pflanzenöle. „Rapssaat haben wir klassisch mit der Presse bearbeitet und so Rapsöl gewonnen“, sagt Madita. Aus geschroteten Birnenkernen hingegen löst der Dampf von erhitztem Petrolether das Öl heraus. „Man muss sich schon intensiv mit der Materie beschäftigen“, sagt Madita. „Aber wenn man es verstanden hat, macht es einfach Spaß, denn hier lernen wir Sachen, für die im Lehrplan der Schule überhaupt keine Zeit bleibt.“

Auch in den Winterferien im Februar ziehen sich die sechs Nachwuchschemiker wieder die weißen Kittel an und setzen ihre spannenden Experimente im PIT fort.

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