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Der Prignitzer

20. November 2017 | 22:27 Uhr

An Windrädern scheiden sich die Geister

vom

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erstellt am 26.Feb.2012 | 08:04 Uhr

Potsdam | Sie sind markante Kolosse in der Landschaft. Riesige Rotorblätter drehen sich mit surrendem Geräusch. Windkraftanlagen sind in Brandenburg ein wichtiger Teil der Energiestrategie 2030 der Landesregierung von SPD und Linkspartei, die gerade diskutiert wird. Erneuerbare Energien zur Stromerzeugung werden von allen Parteien im Landtag mehr oder weniger stark als Alternative zur Braunkohle gesehen. Doch es gibt neben all den Vorzügen auch Bedenken an Energieerzeugung durch Wind, wie eine Umfrage ergab. In Brandenburg stehen mehr als 3000 Windkraftanlagen und liefern Strom. Mit einer installierten Leistung von 4000 Megawatt Strom nimmt das Land Platz zwei nach Niedersachsen ein.

Meist stehen Windräder in wenig besiedelten Regionen - doch sie rücken näher. Viele Betroffene sind genervt vom Schlagschatten der Rotorblätter und von dem ständigen Drehgeräusch. Auch verschandeln sie die Landschaft. 20 Bürgerinitiativen haben sich gerade an den Petitionsausschuss des Landtages gewandt. Wie Landtagssprecherin Katrin Rautenberg sagte, werden sie derzeit bearbeitet. Erste Stellungnahmen von Behörden lägen bereits vor. Der Sprecher der Bürgerinitiative Fichtenwalde (Potsdam-Mittelmark), Stefan Müller, befürchtet die Zerstörung der Landschaft. "Eine Anlage frisst unwiederbringlich etwa 6000 bis 7000 Quadratmeter Wald", kritisiert er. Die Bürgerinitiativen fordern einen Abstand von mindestens 3000 Metern zu Wohnsiedlungen, bisher empfiehlt die Landesregierung einen Abstand von mindestens 1000 Metern.

"Brauchen wir überhaupt soviel Winderenergie", fragt Müller vor dem Hintergrund, dass zwei Prozent der Landesfläche für die Anlagen zur Verfügung gestellt werden sollen - bislang ein Prozent. Es müsse mehr in Speicherkapazitäten investiert werden. Jede erzeugte Kilowattstunde Strom sollte beim Kunden ankommen. "Für den Betreiber ist es ein Millionengeschäft: wird das Windrad wegen momentaner Überkapazitäten abgeschaltet, erhält er trotzdem Geld", sagt er.

Wirtschaftsminister Ralf Christoffers (Linke) bringt die Ziele einer Neuordnung der Brandenburger Energiepolitik auf eine einfache Formel: "Je schneller es gelingt, mit regenerativer Energie die Energieversorgung zu sichern, desto schneller kann auf fossile Energieträger verzichtet werden." 2030 solle der Anteil am Energieverbrauch bereits bei 40 Prozent liegen. Konflikte seien dennoch zu erwarten. Er betont: "Die Menschen müssen deshalb so früh wie möglich einbezogen werden."

Der regionale Energiedienstleister Enviam mit Sitz im sächsischen Chemnitz sieht eine andere Möglichkeit zur Akzeptanz: Privatanleger konnten sich finanziell an zwei Windrädern in Frehne (Prignitz) beteiligen, dafür winken bis zu sechs Prozent Gewinn im Jahr. Enviam-Sprecher Stefan Buscher sagt: "Die Resonanz war riesig."

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