zur Navigation springen

PETA sucht Hundezüchter in Lübzow-Ausbau auf : Amtsarzt: Kein gravierender Missstand

vom

Die Tierschutzorganisation PETA filmte am 5. Februar illegal bei dem Bärenhundezüchter Carsten Kieback aus Lübzow-Ausbau. Grund: Mangelhafte Tierhaltung. Doch laut einer Amtstierärztin geht es den Tieren gut.

svz.de von
erstellt am 13.Feb.2013 | 07:38 Uhr

Lübzow-Ausbau | Mangelhafte Tierhaltung. So lautete nach Auskunft der PETA-Tierschützer die Information. Ohne Erlaubnis versuchen Mitglieder der Organisation, am frühen Nachmittag des 5. Februar das Anwesen des Hundezüchters Carsten Kieback in Lübzow-Ausbau zu betreten und zu filmen.

"In Tarnuniformen, ausgerüstet mit Kameras und Taschenlampen, verschaffen sich drei Männer vom Wald her Zutritt zu unserem Grundstück", berichtet Carsten Kieback. Auf ihrer Brust prangt das Schild: PETA-Tierschutz. "Sie sahen einfach nur gruselig aus", so der Hausherr. Stehenden Fußes informiert seine Frau die Polizei. Die kam auch sofort, war zeitweise gar mit fünf Streifenwagen präsent. Letztlich einigte man sich: Die Tierschützer durften aufs Anwesen, allerdings ohne Kameras. Dennoch gab es für sie eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs und "auch Körperverletzung, denn wir erlitten einen Schock", sagt Carsten Kieback und dabei deutet er auch auf seine Frau.

Er habe wahrlich nichts gegen Tierschützer und schon gar nichts gegen Kontrollen von Amts wegen, doch alles muss nach Recht und Gesetz und gesittet ablaufen. "Kontrolle muss sein, sonst ufert womöglich auch die Tierzüchtung aus", so Kieback.

Seit 20 Jahren züchtet der 63-Jährige auf seinem Anwesen in Lübzow-Ausbau Bärenhunde. Im Durchschnitt habe er zwischen 15 bis 20 Hunde, ohne Welpen. "Mit Nachwuchs sind es dann natürlich mehr." Ende des Jahres erreichte ihn ein Notruf. Ein 84-jähriger Zuchtfreund aus der Nähe von Stendal war ins Krankenhaus gekommen. Wohin mit den Hunden? "Täglich zum Füttern bis nach Stendal, das konnte ich nicht." Also wurden alle Vierbeiner "eingepackt" und mit aufs eigene Gehöft genommen. Doch statt der angekündigten vier, fünf Welpen waren es 16 Hunde.

Die Kleinen haben mittlerweile neuen Familienanschluss gefunden, doch die größeren Mischlinge, sie sind schätzungsweise zwischen einem und zwei Jahre alt, suchen noch ein neues Zuhause. "Und das dringend, ich brauche den Platz", fügt Carsten Kieback an. Denn eigentlich wollte er schon längst mitten beim Renovieren der Zwinger sein. "Statt dessen sind wir hier eine einzige Baustelle. Es sieht hier aus wie Kraut und Rüben." Doch der Frost und der unverhoffte vierbeinige Zuwachs hätten bislang alle seine Pläne zunichte gemacht.

Ein Zustand, den die Vierbeiner offensichtlich nicht so dramatisch sehen. Sie tollen in der Sonne herum, denn, wer sich verträglich gibt, dem gehört das ganze Anwesen - Baustelle und Natur pur so weit das Auge blickt. Andere sind in den recht großzügigen Zwingern, denen man allerdings auch ansieht, dass sie schon 20 Jahre stehen. Die Hunde selbst wirken alles andere als vernachlässigt oder unterernährt, auch wenn nicht alle kugelrund sind. "Es gibt auch bei den Menschen dicke und dünne."

Hunde, das sei sein Leben. Tiere in Not, da schellen bei ihm die Alarmglocken, sagt der 63-Jährige. Insofern hofft er, dass die Vierbeiner, die er aufgenommen hat, schnell neuen Familienanschluss finden. Wer nicht zu vermitteln ist, der habe natürlich Bleiberecht, wenn notwendig bis ans Ende seiner Tage, wie eine erblindete Hündin.

Die Tierschutzorganisation PETA schweigt zu dem Fall. Unter anderem wollten wir wissen, ob PETA das Grundstück illegal betreten hat und ob solch Handeln das übliche Vorgehen der Organisation sei. Außerdem baten wir PETA um eine fachliche Einschätzung zur Tierhaltung auf dem Hof. Die knappe Antwort klingt so: "Der von Ihnen angesprochene Fall ist momentan in Bearbeitung. Aufgrund der Aktualität äußern wir uns derzeit nicht dazu und bitten hierfür um Ihr Verständnis." Grundsätzlich lasse sich sagen, "dass wir in der Regel von achtsamen Tierfreunden auf mangelhafte Tierhaltungen hingewiesen werden", teilte die Pressestelle mit.

Deutlich ausführlicher antwortet Amtstierärztin Dr. Sabine Kramer. Sie räumt ein, dass die Tierhaltung und das Zusammenleben von Mensch und Tier auf Kiebacks Hof zunächst ungewöhnlich anmuten mögen. "Es hat aber weder in der Vergangenheit noch aktuell einen Grund gegeben, die Tiere vom Hof zu nehmen oder Herrn Kieback die Tierhaltung zu untersagen."

Beanstandungen gebe es häufiger zum Zustand der Hütten und Zwinger. Mehrfach wurde der Hundezüchter aufgefordert, diese zu reparieren oder komplett zu erneuern, so Kramer. "Dem ist er in der Regel nachgekommen."

Die Zwinger hätten eine sehr gute Größe, die Hunde könnten sich gut bewegen, das Zusammenleben im Rudel entspreche ihrer Natur und sorge für ausreichend soziale Kontakte. "Wir haben die Hunde nie schlecht ernährt vorgefunden", betont die Amtsärztin. Aktuell habe ihre Behörde nach der PETA-Aktion Herrn Kieback aufgefordert, den Tierbestand zu reduzieren. Stellenweise müsse außerdem der Boden aus hygienischen Gründen ausgetauscht bzw. eine neue Drainage verlegt werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen