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Medizinische Versorgung : Amt hilft der Arztpraxis in Berge

vom
Aus der Redaktion des Prignitzers

Angenommen aber noch nicht wirtschaftlich – steiniger Weg für Mediziner auf dem Lande

svz.de von
erstellt am 21.Dez.2015 | 17:34 Uhr

„Mein Beispiel zeigt, warum viele Ärzte zögern, auf dem Land zu praktizieren“, sagte gestern Dr. Thorsten Hörmann in seiner vor acht Monaten eröffneten Praxis in Berge. „Noch habe ich zu wenige Patienten, um wirtschaftlich zu arbeiten. Es wird eineinhalb bis zwei Jahre dauern, bis ich einen Patientenstamm aufgebaut habe und sich die Praxis trägt.“

Diese Entwicklung kam für den designierte Amtsdirektor von Putlitz-Berge, Hergen Reker, und den Amtsausschussvorsitzenden Bernd Dannemann nicht überraschend. Daher hatten sie über das Kreisausgleichsbudget einen Betriebskostenzuschuss durchgesetzt. Das Amt und die Kommunen stocken die 63 900 Euro vom Kreis mit 16 000 Euro Eigenmitteln auf. Ein Zuschuss kam auch aus der Nachbargemeinde Karstädt. Die Mittel steht bis 2018 bereit. „Alle Kommunen im Amt waren dafür, denn sie haben die Startprobleme erkannt und wollen, dass die Praxis erhalten bleibt“, so Dannemann.

Der Amtsdirektor sah die Übergabe der Mittel mit einem lachenden und einem weinenden Auge. „Wir leisten einen Beitrag zur Sicherung der Praxis, mit der die medizinische Versorgung im Amt deutlich verbessert wurde. Mit drei Ärzten sind wir gut aufgestellt“, betonte er. „Das Verhalten des Gesundheitsministeriums macht mich jedoch wütend. Aus Potsdam hat noch niemand im Amt oder bei Dr. Hörmann angerufen und Unterstützung angeboten. Aber es wird davon gesprochen, ein Programm ,Ärzte aufs Land’ ins Leben zu rufen.“

Im Ministerium glaube wohl niemand, dass es gelungen sei, einen Arzt in einem Ort mit weniger als 800 Einwohnern anzusiedeln, sagte Dannemann. Er machte dem Mediziner Mut, den Weg weiter zu gehen. „Es fällt jedem Patienten schwer, eine Praxis zu verlassen, in der er lange versorgt wurde und zu einem anderen Arzt zu gehen.“ Auch wenn er bei Dr. Hörmann gut betreut werde, wie Bürgermeister Werner Eckel sagte. „Ich höre nur Gutes. Und die Zusammenarbeit mit der Pflege und Intensivpflege läuft bestens.“ Berge hatte das Grundstück für die Praxis einem Investor günstig verkauft, um die Ansiedlung von Praxis und Intensivpflege zu erleichtern.

Angesichts der Patientenstruktur vom Zweijährigen bis zur Hundertjährigen sieht Hörmann optimistisch in die Zukunft. Das sei eine gute Basis. Die Patienten kommen bisher fast nur aus dem ländlichen Raum der Prignitz, kaum aus Städten und auch nicht aus Mecklenburg-Vorpommern. Neue will der Mediziner auch in Karstädt gewinnen, wo er oft im Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigung unterwegs ist. „Auf jeden Fall kann ich durch die Unterstützung des Amtes deutlich ruhiger meinen Weg gehen und Weihnachten feiern“, sagte Hörmann.

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