Instandsetzung in Wittenberge : Am Lindendeich beginnt das Bauen

Anwohner Helmut Wagner glaubt nicht an eine spürbare Verbesserung der Situation und zeigt auf die jetzige Mulde, in der kein Wasser abfließen kann.
Anwohner Helmut Wagner glaubt nicht an eine spürbare Verbesserung der Situation und zeigt auf die jetzige Mulde, in der kein Wasser abfließen kann.

Planer erklären geplante Maßnahmen, aber Anwohner zweifeln am Sinn der Arbeiten.

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11. Oktober 2018, 05:00 Uhr

Im November sollen Reparaturarbeiten am Lindendeich beginnen. Konkret geht es um einen 700 Meter langen Abschnitt beginnend an der Straße Im Hagen in Richtung Klärenweg. Dienstagabend wurde die Maßnahme Anwohnern im Rathaus vorgestellt. Die Reaktionen liegen zwischen Hoffen und Skepsis.

Grund für die Arbeiten sind dauerhafte und schwerwiegende Probleme bei Hochwasser. Sickerwasser trat aus dem Deich aus, gefährdete dessen Stabilität und sorgte für viel Wasser auf der Straße und den angrenzenden Grundstücken, erklärte Wassili Simou vom Landesumweltamt. Dieses ist Auftraggeber. Es handele sich um keine vollständige Deichsanierung, sondern nur um eine Instandsetzung, betonte Simou. Man wolle das Sickerwasser reduzieren und kontrolliert abfließen lassen. Ganz werde sich die Situation aber nicht bereinigen lassen.

Der vorhandene Deich wurde 1997 ausgebaut. „Seitdem sind unsere Erkenntnisse massiv vorangeschritten“, sagte Rainer Fritze vom Ingenieurbüro Pöyry in Perleberg, welches die Maßnahme planerisch begleitet. Der bestehende Deich habe keine durchgehende Dichtung. Die werde es erst mit einer vollständigen Sanierung geben, wie auch an anderen Elbabschnitten bereits geschehen. „Ohne so eine Dichtung können wir das Sickerwasser nur reduzieren“, erklärt Fritze.

Der Deich werde ein Filterprisma und eine Drainage zur Ableitung des Sickerwassers in die Vorflut erhalten. Dadurch werde die Sickerlinie im Deich abgesenkt. Das austretende Wasser laufe dann nicht mehr unkontrolliert über die Straße, beschreibt Fritze. Die Drainage solle das Wasser in Richtung einer Ödlandfläche führen. Sie liegt hinter dem letzten Wohngrundstück und sei der tiefste Punkt. Also die Stelle, an der sich so oder so das Wasser sammelt.

Ebenfalls werde die vorhandene, aber stellenweise kaum noch erkennbare Mulde komplett erneuert. Sie sollte einst verhindern, das Wasser auf die Grundstücke läuft. Hat sie aber nicht, wie mehrere Anwohner in der Runde bestätigten. Bei Hochwasser stehen Gärten regelmäßig unter Wasser und bei extremen Pegelständen wie zuletzt 2013 seien auch Häuser akut bedroht. Zu dem Sickerwasser komme noch das Qualmwasser, welches ebenfalls in großen Mengen auftrete.

Eine Erneuerung der Mulde sehen Anwohner skeptisch. Sie werde schnell wieder zuwachsen, versanden, flacher werden, so dass sie erneut keinen wirksamen Schutz biete, lautet die Befürchtung. Anwohner Helmut Wagner sagte: „Die ganze Baumaßnahme bringt uns Anwohnern gar nichts.“

Die Familie im letzten Gehöft ist jetzt besorgt, dass ihr Grundstück noch mehr bedroht sei, wenn Wasser zusätzlich auf die angrenzende Fläche geleitet wird. Wassili Simou sicherte zu, sich die Gegebenheiten vor Ort anzuschauen.

Anwohner machten auch auf ein weiteres, aus ihrer Sicht ungeklärtes Problem aufmerksam. Die hinter den Grundstücken verlaufenden Gräben sollen ebenfalls Wasser aufnehmen, aber sie seien nur unzureichend gepflegt. Bauamtsmitarbeiter Harald Schulz verwies auf den Wasser- und Bodenverband Prignitz. Mit diesem habe er gesprochen, die Pflege soll intensiviert werden. Anwohner reagierten verwundert. Die Gräben seien auf privatem Grund und Boden, der Verband hätte gar keinen Zugriff, ja nicht einmal eine offizielle Zuwegung, hieß es. Diese Frage soll nun gesondert geklärt werden.

Details über den Bauablauf und die Erreichbarkeit der Grundstücke gebe die Baufirma. Ende des Monats soll die Vergabe erfolgen, sagte Wassili Simou.

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