Landfest in Klein Leppin : Altes ganz neu im Festland

Die Frauen vom Spinnverein in Klietz zeigen, wie aus Wolle ein Faden wird.  Fotos: Lisa Kleinpeter (3)
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Die Frauen vom Spinnverein in Klietz zeigen, wie aus Wolle ein Faden wird. Fotos: Lisa Kleinpeter (3)

Verein lädt zum Frühlingsfest ein, weiht damit den Leutewagen und den neuen Anbau ein

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27. April 2015, 08:00 Uhr

Alles neu macht der Frühling? Passender könnte man es für den FestLand e.V. in Klein Leppin nicht formulieren. Beim Landfest am Samstag berichtete Chefin Christina Tast von alten und neuen alten Ideen. Da ging es um die alten Fenster im neuen Anbau. Um den neuen Wagen, der schon ziemlich alt ist und um alte Projekte aus denen neue wurden. Aber der Reihe nach.

Es herrscht reges Treiben auf dem Gelände in und um das FestSpielHaus in Klein Leppin. Viele Besucher folgten der Einladung zum ersten Landfest. Bei Kaffee und Kuchen genießen sie das vielfältige Programm, lauschen der volkstümlichen Musik aus der Slowakei und Ungarn oder bummeln über den kleinen Handwerkermarkt. „Selbst machen“ steht dabei im Mittelpunkt. Die meisten der Kunsthandwerker bieten die Möglichkeit , selbst Hand anzulegen. Sei es beim Basteln von Blumen aus Recycling-Materialen, beim Seile Anfertigen oder beim Schnitzen.

Links die Räder der Spinngruppe aus Klietz, rechts daneben die Band, davor die Gäste und mittendrin Christina Tast. Kaum ist es möglich, sich mit ihr zu unterhalten. Die FestLand-Chefin muss Hände schütteln, Gäste begrüßen, Fragen beantworten, hier den Video-Player wieder einschalten und dort bei der Technik helfen... . Und trotzdem strahlt sie über das ganze Gesicht. Das Landfest war auch ihre Idee – eine von vielen.

„Sie entstand aus einem Projekt, das wir schon seit zwei Jahren durchführen und das nun zu Ende geht“, erzählt sie und meint damit eine Art Austauschprogramm mit den Roma-Vereinen Ternipe und Colorom aus der Slowakei und aus Ungarn. Beides sind ebenfalls Organisationen von Künstlern, erklärt Tast. „Wir haben uns gegenseitig besucht. Das war sehr inspirierend. Das ist für uns alle hilfreich, um Vorurteile zu korrigieren.“ Enstanden ist der Kontakt durch Valeria Sass aus Schrepkow. Die Bildhauerin ist Dozentin an der Universität der Künste in Budapest.

Einige Mitglieder von Ternipe und Colorom sind persönlich angereist, um Beispiele ihres traditionellen Handwerks der Schmiede- und Holzschnitzkunst zu präsentieren. Einer von ihnen ist Tamas Szajko.

„Eigentlich baut er Häuser. Das Schnitzen ist sein Hobby“, übersetzt Stefan Vaurek, Leiter von Ternipe. Mit präzisen Bewegungen schnitzt Tamas Blumen in das Holz. „Er ist außerdem ein sehr guter Musiker“, meint Stefan. Dass soll er später noch unter Beweis stellen. Die Gäste fühlen sich wohl. Alle wären sehr freundlich zu ihnen.

Zwar sei das Austauschprojekt mit dem Frühlingsfest erst einmal beendet, doch hätten sich daraus neue Ideen ergeben, meint Tast. Eine davon ist der Leutewagen, der ebenfalls am Samstag eingeweiht wurde. Mit ihm will der Verein über das Land fahren, um auch andere Dörfer zu mehr Kultur und Engagement zu inspirieren und umgekehrt, um sich inspirieren zu lassen. Christina Tast erklärt es so: „Klein Leppin ist wie eine Tankstelle mit einem Pool von Ideen.“ Der Leutewagen sei ein Transfermittel, um Entfernungen zu überbrücken. „Wir wollen mit der Idee vom Schweinestall zum Festspielhaus in andere Dörfer gehen und gleichzeitig andere Erfahrungen und Dorfgeschichten sammeln und weitertragen.“

Für jeden Ort gebe es ein individuelles Programm. Erster Anlaufpunkt sei Mitte Mai Zernikow. Dann wird der Wagen mit 25 Stundenkilometern erstmals seine Fahrt aufnehmen. Er war ein Geschenk von einem Landwirt in der Nachbarschaft. Unterstützt wird das Projekt von der Robert Bosch Stiftung sowie von vielen Bewohnern im Ort.

Große Unterstützung von den Bürgern erhielt der Verein außerdem beim neuen Anbau, der bis zu Dorf macht Oper im Juli fertig sein soll. Hier entstehen Sanitäranlagen, eine Küche sowie zwei Zimmer als Übernachtungsmöglichkeit, erklärt Tast: „Wir haben den reduzierten Stil am Stall angepasst. Aber ansonsten mussten wir uns beim Bau an viele Richtlinien halten.“ Doch auch hier bleibt der Verein seinen Prinzipien treu. Wozu alles neu machen, wenn man auch etwas altes nehmen kann? „Wir haben die Fenster aus dem abgerissenem Rolandhaus vom Bahnübergang in Perleberg übernommen. Man könnte auch sagen, wir haben das Haus um die Fenster ’rum gebaut.“

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