Alte Post sucht neue Nutzer

<strong>Erbaut 1894 bis 1896:</strong> Das Aus kam 2000, als die Poststelle in der Bäckerstraße 2 eröffnet wurde. <fotos>Birger Bahlo (3)</fotos>
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Erbaut 1894 bis 1896: Das Aus kam 2000, als die Poststelle in der Bäckerstraße 2 eröffnet wurde. Birger Bahlo (3)

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22. März 2013, 05:57 Uhr

perleberg | Friedhelm Fett blätterte 2005 in einem Katalog mit Objekten, die zur Versteigerung anstehen, und entdeckte das alte Postamt in Perleberg. Der heute 59-jährige Unternehmensberater aus Hessen suchte zu der Zeit für eine Firma, die die großen, alten Kino-Klassiker auf Filmspulen im 32-Millimeter-Format für DVDs digitalisiert, ein Gebäude mit sehr viel Platz. Die Filme müssten sicher und trocken gelagert werden können. Im Dezember 2006 ersteigerte er das historisch bedeutsame Postamt.

Inzwischen ist die Digitalisierungsfirma wieder ausgezogen, weil die Räume für ihre Zwecke doch nicht ausreichten. Dominik Fett (25), Friedhelm Fetts Sohn, hält jedoch die Stellung, versteht sich als zuständig für Haus und Hof und als Ansprechpartner für alle, die womöglich Räume im Postamt für gewerbliche Zwecke nutzen möchten. Er selbst betreibt in dem Gebäude eine IT-Firma, die sich mit ihren Highend-Lösungen eher an Unternehmen als an private Konsumenten wendet.

Zudem hat dort die Firma Asepticon ihren Sitz, die Silikonprodukte für die pharmazeutische, biochemische und medizinische Industrie herstellt. Dritte im Bunde ist eine Firma (LiFe), die Projekte im Bereich Erneuerbare Energien im Nahen Osten realisieren will.

Das Aus für die alte Post war im September 2000 gekommen, als in der Bäckerstraße 2 die neue Postfiliale eröffnet wurde. Zwar verblieb, wie aus Unterlagen im Stadtarchiv hervorgeht, die Postzustellung noch bis Ende 2004 im Haus, doch dann zog auch die aus. Seinen letzten öffentlichen Aufritt hatte das Gebäude im Dezember 2005, als es im Rahmen der Aktion "Historischer Adventskalender" der AG Historische Stadtkerne Brandenburgs nochmals für alle Bürger zugänglich war.

Nach wie vor bleibt das Postamt eines der ganz großen Wahrzeichen der Stadt. Heute zieren Abbilder des Gebäudes Postkarten und die Hüllen von Schokotäfelchen, 1987 die 20-Pfennig-Briefmarke der vom Ministerium für Post- und Fernmeldewesen ausgegebenen Serie "Historische Postämter".

Das Haus ist zwischen 1894 und 1896 erbaut worden. Längst haben es die Denkmalschützer unter ihre Fittiche genommen - inklusive des markanten Inventars, wie der historischen Schließfachanlage neben dem Eingang zur Schalterhalle. Strenge Vorschriften gelten auch für Fassade, Dach und selbst die mit den roten Klinkern gemauerte und mit Toren gesicherte Zufahrt zu dem Gebäude. Auch wenn Dominik Fett und sein Vater nur gute Worte für die Zusammenarbeit mit dem Denkmalschutz finden, haben sie so mit einigen Einschränkungen leben gelernt. Gehofft hatten sie, Fenster zum Postplatz einbauen zu dürfen, um Licht in die im Dachgeschoss geplanten Wohnungen zu bringen - sie bleiben verboten. Und auch das Tor darf nicht verbreitert werden, was die Logistik für gewerbliche Zwecke trotz der praktischen Laderampe im rückwärtigen Bereich stark einschränkt.

Doch Fetts setzen bei der Vermarktung auf Alleinstellungsmerkmale: die Belastbarkeit von Böden, Decken und Dach; die Sicherheit durch die Gitter vor allen Fenstern; die insgesamt 2500 Quadratmeter umfassenden Flächen, die äußerst flexibel aufgeteilt werden könnten. Friedhelm Fett in Hessen betonte in einer durch seinen Sohn arrangierten Videokonferenz mit der Redaktion des "Prignitzer", dass sich die Flächen vor allem für Freiberufler und gewerbliche Zwecke nutzen ließen. Beispielsweise hatte sogar ein Tierarzt Interesse bekundet, dann aber doch abgesagt.

Für die gebürtige Perlebergin Jacqueline Meiser, die als Bürokraft in den dort ansässigen Unternehmen arbeitet, ist jedenfalls eines klar: "Schön, dass dieses großartige Gebäude mit Leben erfüllt ist."

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