Stadtgeschichte : Alte Keller geben Rätsel auf

Dicke Ziegelwände künden davon, dass hier im 19. Jahrhundert Keller angelegt wurden.
Dicke Ziegelwände künden davon, dass hier im 19. Jahrhundert Keller angelegt wurden.

Fund kündet von viel baulicher Bewegung im 19. Jahrhundert auf diesem Areal / Zuordnung zu möglichen Gebäude nicht möglich

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22. September 2015, 12:00 Uhr

Eigentlich sollte hier auf dem Hofareal der Heilige-Geist-Straße/Wiederkehr Richtung Stadtmauer die neue Leitung für die Regenentwässerung verlegt werden. Eigentlich, denn massive Wände aus Ziegeln machen das schier unmöglich. „Wir sind hier auf alte Keller gestoßen, die nirgendwo in den Stadtunterlagen eingezeichnet sind“, so Klaus Neumann, Geschäftsführer der GWG Wohnungsgesellschaft mbH. Jene erweckt derzeit dieses Quartier zwischen Heilige-Geist-Straße und Karl-Marx-Straße unweit der Stepenitz zu neuem Leben.

In der Heilige-Geist-Straße 5 entstanden bereits für 1,5 Millionen Euro acht altersgerechte Wohnungen einschließlich Fahrstuhl. Für jene sollte nun auch ein entsprechender Parkplatz gepflastert werden. „Wird auch, und bis Ende der Woche ist er fertig“, so der GWG-Geschäftsführer. Allerdings muss jener etwas anders, länglicher als geplant, gebaut werden. Der Grund: Besagte Keller, auf denen sich kein Stein verlegen lässt.

Der Fund rief aber sogleich die Archäologie auf den Plan, auch wenn er vielleicht spektakulärer ausschaut, als er ist. Von Dr. Kay-Uwe Uschmann von archaeofakt Berlin ist zu erfahren, dass unweit der Stadtmauer so um 1726 ein Pastorenwitwenhaus gestanden haben soll. Das habe die untere Denkmalbehörde in Unterlagen gefunden. Nach der Ziegelgröße zu urteilen, wurden die Keller, auf die man gestoßen ist, aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts errichtet. „Wir hatten auch einen älteren Bestand erwartet, doch das trifft nicht zu“, bescheinigt Ortrud Effenberger, Leiterin der unteren Denkmalbehörde des Landkreises. „Wir gehen davon aus, dass einst hier sehr viel bauliche Bewegung war. Laut Grundrisse und Planungen, die uns vorliegen, können wir die Keller aber nicht einer Bebauung zuordnen“, erläutert Ortrud Effenberger. Ihre Behörde begleitet übrigens das komplette Baugeschehen in diesem Quartiert.

„Während des Zweiten Weltkriegs sollen in besagten Kellern französische Gefangenen untergebracht worden sein, später hätten die Russen die Keller, die sich offensichtlich vor dem einstigen Tabaklager befanden, genutzt, erzählen alteingesessene Perleberger, berichtet Dr. Uschmann. Verfüllt wurden die Keller in den 1950er Jahren, so der Grabungsleiter.

Der freigelegte Kellerbereich werde nun dokumentiert und dann ordnungsgemäß verfüllt. Mehr passiere hier nicht, da sich der Bauherr, die GWG, inzwischen notgedrungen von dem Vorhaben verabschiedet hat, hier eine Leitung zu verlegen. „Wir bauen Sickerschächte, natürlich alles in Abstimmung mit der Denkmalbehörde“, so Neumann wohlwissend, dass das Projekt Heilige-Geist-Straße 5 damit teuerer als geplant werde. „Ich rechne mit Mehrkosten zwischen 5000 und 10    000 Euro.“

Derweil avanciert die Karl-Marx-Straße 9/10 auch bereits zur Baustelle. „Wir haben einen vorzeitigen Baubeginn beantragt und sind jetzt dabei, als erstes die Fassade in Ordnung zu bringen“, erläutert Klaus Neumann. Fünf Wohnungen samt Fahrstuhl und Gewerberäume entstehen hier. Bis zum 30. Juni kommenden Jahres soll alles fertig sein, denn die künftigen Hausherren stehen sprichwörtlich schon in den Startlöchern. 

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