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Treffen ehemaliger Mitarbeiter : Alte Fotos und der große Schlüssel

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Aus der Redaktion des Prignitzers

Am 7. Juli 1967 nahm das Minol-Tanklager seinen Betrieb auf, 30 Jahre später kam das Aus / Jetzt trafen sich ehemalige Mitarbeiter

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erstellt am 14.Okt.2014 | 12:00 Uhr

7. Juli 1967: Nach dreijähriger Bauzeit wird mit einem riesigen symbolischen Schlüssel das Tanklager 726 des VEB Minol in der Hamburger Straße übergeben. Zwölf Millionen Mark kostet das Projekt, das 55 Männern und Frauen Arbeit bietet, weiß Heinz Neumann. 17 Jahre arbeitete er als Transportleiter in dem Betrieb.

Das Perleberger Tanklager war das modernste seiner Zeit. Es verfügte über einen eigenen Gleisanschluss über die Anlage der ehemaligen Ringbahn. Neben der Funktion als staatliche Kraftstoff-Reserve wurden von dort aus die Kreise Perleberg, Ludwigslust, Pritzwalk und Havelberg beliefert sowie die umliegenden Tankstellen. Auch die Agrarflugzeuge in Kyritz/Heinrichsfelde erhielten von hier ihren Sprit.

Nach der Wende lief der Betrieb des Tanklagers in der Hamburger Straße erst einmal weiter. Schließlich wurde es durch den Konzern ELF geschluckt und später abgewickelt. 2006 war dann das Ende des Tanklagers mit dessen Abriss besiegelt. „Ein Teil der Anlagen wurden ins Ausland verhökert, ein Großteil ging nach Polen“, erzählt Heinz Neumann und projiziert dabei alte Fotos an die Wand. Erinnerungen werden wach bei den ehemaligen Mitarbeitern des VEB Minol, der zum Kombinat Schwerin gehörte. Das erste Mal nach der Wende trafen sie sich Samstag wieder.

Von morgens bis abends rollten hier einst die Tanklaster, „wir hatten fast 20 Kraftfahrer, die auch die 150 LPG-Tankstellen belieferten und die in Stolpe. Letztere brachte uns ja Devisen“. Als wichtiger Versorger hatte man auch so seine Vorzüge – „die neusten Tankfahrzeuge wie MAN und Volvo aus dem Westen“, so Neumann.

Versorgungsbereichsleiter bis zur Abwicklung war Robert Zorn. Er erinnert sich: „Der beste Satz zum Rapport beim Rat des Kreises war – bei Treib- und Schmierstoffen keine Probleme.“ Die Wahrheit habe man aber nicht immer und nicht jedem gesagt. Da wurde die Staatsreserve auch schon mal kräftig angezapft. Fragte einer nach, hieß es: „Wir haben nach Schwerin ausgelagert.“

Die Perleberger setzten Maßstäbe, waren republikweit elf Mal bestes Tanklager. „Wir haben nicht viel geredet, sondern unser Ding gemacht. Ordnung und Sauberkeit waren Gesetz“, so Zorn. „Bei uns konntest du von der Betonfläche frühstücken, so sauber war es“, fügt Heinz Neumann an.

In Wittenberge wurde Gerda Lonckwitz noch eingearbeitet, dann kam sie nach Perleberg, war im Büro für den Verkauf und später für den Fahrzeugeinsatz zuständig. „Ich wäre sicher noch geblieben, denn die Arbeit hat einfach Spaß gemacht. Der Kraftverkehr zahlte aber besser.“

„Eine schöne Zeit, aber zu wenig Geld“, das sagt auch Rita Gogolin. 20 Jahre war das Tanklager, richtiger gesagt die Küche, ihr Arbeitsplatz: Frühstück, Mittag wurde geliefert, und Kaffee. „Rita war berühmt für ihre Bouletten“, kommt es da prompt aus der Runde. Und wenn die Kraftfahrer Spiegeleier zum Frühstück wollten, dann bekamen sie diese. Übrigens, auf zehn halbe Brötchen brachte es Lagerarbeiter Peter Mebes. „Er musste und hat tüchtig gearbeitet und eben auch gut gegessen“, erzählt unter allgemeinem Gelächter Heinz Neumann.

Manfred Schubert hat heute noch zu kämpfen, wenn er an jene Zeit denkt. Als Wartungsmeister war er 20 Jahre zuständig für alle technischen Anlagen des Lagers, die Hoch- und Erdtanks, sämtliche Leitungen und das Heizhaus. „Klar, wir hatten viel zu tun, und doch waren es schöne Jahre. Gemeinsam sind wir durch dick und dünn gegangen. Da tat es schon weh, als das Tanklager dem Erdboden gleichgemacht wurde.“

Geblieben sind ihnen nur alte Fotos, die Erinnerung und der riesige Schlüssel mit dem 1967 einst das moderne Tanklager symbolisch eröffnet wurde.

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