Perleberger Oldtimerfreak : Als Stellmacher die Autos bauten

Die Cabrio Limousine, Baujahr 1936, ist das letzte Auto, das komplett aus Holz gebaut wurde.
Die Cabrio Limousine, Baujahr 1936, ist das letzte Auto, das komplett aus Holz gebaut wurde.

Fred Hamanns Leidenschaft gehört den historischen Karossen aus der DKW-Serie. Derzeit baut er eine Cabrio Limousine, Baujahr 1936, auf

svz.de von
31. Dezember 2013, 09:07 Uhr

Wie andere fasziniert an Dampfrössern in Miniaturausgabe werkeln und sie durchs Wohnzimmer rattern lassen, haben es Fred Hamann die Karossen auf vier Rädern angetan. Von Beruf Karosseriebaumeister und das in vierter Generation, schraubt er auch hobbymäßig an Autos. Hier bevorzugt er allerdings die betagteren Gefährte und da speziell jene aus der DKW-Serie. Sie sind seine Leidenschaft, die mitunter auch Leiden „schafft“. 29. September 2012: In seiner Garage am Haus geht ein DKW F 8 Cabrio in Flammen auf. Ein technischer Defekt am Garagentor war offensichtlich der Auslöser. Ein Stück Herzblut wird zu Asche. Es war faktisch der zweite DKW, den er sein Eigen nannte, gekauft, um sein allererstes Auto wieder zum Laufen zu bringen. Jenes hatte ihm seine Oma zum 18. Geburtstag geschenkt.

Armeezeit, Familie, Hausbau, Wende – bis 1998 hatte er besagten DKW F 8 Cabrio dann endlich restauriert. Gleiches steht dem Auto nun ein zweites Mal bevor, denn den einst grünen F 8 verwandelte das Feuer in ein schwarzes Wrack. Aber das Fahrzeug existiere noch, sei nicht abgeschrieben. „Mein Vater hat damals noch die Holzarbeiten gemacht. Das Auto hat allein deshalb schon einen großen ideellen Wert für mich“, gesteht der Perleberger Karosseriebaumeister und deutet auf die Ahnengalerie an Meisterbriefen. Uropa Wilhelm Hamann begründete als Stellmacher die Familiendynastie, es folgte Stellmacher Alfred Hamann („mein Opa“) und dann Klaus Hamann. „Er war schon Karosseriebaumeister“, ergänzt sein Sohn, denn mittlerweile waren die Autos bereits vorwiegend aus Blech. Bis Mitte der 30er Jahre aber bauten noch Stellmacher die motorisierten Gefährte. Jedes für sich genommen stand nicht nur für solide Handwerkerarbeit, sondern war auch ein Unikat“, erzählt der Perleberger.

Ein DKW Cabrio Limousine Schwebeklasse, Baujahr 1936, so heißt seine derzeitige Leidenschaft. „Es ist das letzte Auto, das komplett aus Holz gebaut wurde, eine selbsttragende Sperrholzkarosserie hat. Achsen, Motor und Getriebe sind am Holz angeschraubt.“ Von 1934 bis ’37 wurden 6999 dieser Autos gebaut, weltweit existieren davon noch 14 oder 15 und fahrbereit seien sechs, maximal sieben, weiß Fred Hamann.

Demnächst werde es eins mehr sein. Gemeinsam mit Karosseriebaumeister Günter Wendt aus Bad Wilsnack, der die Stellmacherarbeiten ausführte, baut der Perleberger jetzt den DKW wieder auf. „Übrigens, Günter Wendt arbeitete 19 Jahre bei meinem Opa, er und mein Vater haben gemeinsam die Meisterprüfung gemacht. 2014 feiert er seinen 80. Geburtstag“, erzählt der Perleberger.

Der Oldtimer, zu dem Fred Hamann übers Internet kam, entsteht in alter Schönheit fast komplett neu. „Das Holz war verfault, die Cabrio Limousine in der Mitte durchgebrochen.“ Von dem, was noch da war, wurden die Maße genommen und alles neu angefertigt. „Man braucht dazu viel Erfahrung und einen Rest Substanz. Allein hätte ich das nicht geschafft oder nur mit ganz, ganz viel Zeit“, gesteht der Oldtimer-Freak. Das Holz für den Aufbau ist über 60 Jahre alt – gut abgelagerte Esche und Eiche. Es wird nun mit Leder bespannt. Blau mit schwarzen Kotflügeln zeigt sich die Limousine, wenn sie dann fertig ist, „originalgetreu, das gebietet schon der eigene Ehrgeiz“, gesteht der Perleberger. Dabei versuche er, so viel wie möglich zu erhalten. Was zu sehr verrottet oder gar fehlt, werde nach originalem Vorbild und alten Zeichnungen nachgebaut, viele Blechsachen sind natürlich Marke Eigenbau. „Ersatzteile für dieses Auto zu bekommen, ist ohnehin mehr als schwierig. Vieles muss einfach angefertigt werden.“ Wann wird es dann seine Probefahrt haben? „Vielleicht im nächsten Sommer.“ An Lust und Liebe daran zu werkeln, liege es nicht. Doch der Tag habe nun mal nur 24 Stunden.

Was wünschte sich eigentlich ein Oldtimer-Freak unterm Weihnachtsbaum? „Fachliteratur über Oldtimer. Wie andere Krimis oder dergleichen verschlingen, kann ich so ein Buch dreimal lesen. Das ist Firmenpolitik und Autogeschichte live.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen